Volvo Ocean Race: Erste Meldung aus Holland – Skipper in Oracle-Skandal verwickelt

Gras drüber gewachsen

Harte Volvo-Ocean-Race-Momente präsentiert vom neuen Akzo Nobel Team:

Das Volvo Ocean Race 2017/18 hat mit dem Team AkzoNobel aus den Niederlanden seine erste Meldung. Sein Skipper Simon Tienpont ist zuletzt eher unrühmlich in die Schlagzeilen geraten.

Nach der Ankündigung der neuen Route für das nächste Volvo Ocean Race haben die Organisatoren auch die erste Meldung bekannt gegeben. Der Etappenstopp Den Haag deutete schon darauf hin, dass die Holländer nach Brunel erneut mit einem Schiff vertreten sind.

Simeon Tienpont ist der neue Skipper des holländischen Volvo Ocean Race Rennstalls AkzoNobel. © VOR

Simeon Tienpont ist der neue Skipper des holländischen Volvo Ocean Race Rennstalls AkzoNobel. © VOR

Aber diesmal steht nicht der alte Salzbuckel Bouwe Bekking, der 2015 mit Brunel auf Rang zwei ins Ziel kam, hinter dem holländischen Steuerrad. Das neue Team heißt AkzoNobel nach dem weltweit operiernde Farben- und Chemie-Unternehmen mit rund 46.000 Mitarbeitern. Es hat schon viele Jahre lang die niederländische Segel-Nationalmannschaft unterstützt.

Es wird geführt von Simeon Tienpont (34), der 2005/06 mit dem ABN AMRO TWO Team erstmals beim Volvo Ocean Race teilnahm, aber 2014/15 für die letzten beiden Etappen auch auf der reparierten Vestas einsprang.

Verstrickt in Skandal

Sein eigentliches Spielfeld ist der America’s Cup, den er zweimal mit dem Oracle Team gewann. Aber nach dieser Episode in seinem Profi-Leben hing seine Karriere am seidenen Faden. Tienpont wurde zwar 2013 Hollands Segler des Jahres, aber er war offenbar tief in den Betrug-Skandal um das Oracle Team verstrickt.

So hatte sein ehemaliger Mitstreiter Matt Mitchell im Rahmen einer Klage gegen Oracle bei der ISAF Beschwerde gegen Simeon Tienpont eingelegt und dabei behauptet, dass er ein vom Holländer unterschriebenes Schriftstück mit dem Auftrag erhalten habe, die verbotene Gewicht-Manipulation am AC45-Kat voruzunehmen. Tienpont selber soll mit Hand angelegt haben.

Er sei allerdings ohne Strafe davongekommen. Und gegen diese Tatsache wollte Mitchell vorgehen. Seine Reputation habe extrem gelitten, während Tienpont nicht gefeuert wurde. Mitchell fühlt sich zu Unrecht als Sündenbock dargestellt und lastete dem Teamkollegen die verbotene Manipulation am Boot an.

“Gelogen”

Der Grinder Mitchell war neben Dirk de Ridder für vier Rennen beim Cup gesperrt worden und hatte danach gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber geklagt. Er sagte: “Simeon hat während der Anhörung und gelogen, und es hätte eigentlich kein Problem für mich geben dürfen. Das einzige, was die Jury hatte, war seine Lüge.”

Mitchell scheiterte schließlich mit seiner Klage gegen Oracle und die Karriere von Tienpont wurde nicht weiter beeinträchtigt. Das manifestierte sich durch einen Vertrag beim  America’s-Cup-Team Luna Rossa. Aber dann hatte er Pech, als sich die Italiener abmeldeten, und er ohne Job dastand.

Nun ist er aber wieder da. Es scheint genügend Gras über die unschöne Sache in San Francisco gewachsen zu sein, und Tienpont erklimmt den Höhepunkt seiner bisherigen Karriere mit der ersten Stelle als Volvo-Ocean-Race-Skipper.

Die Voraussetzungen sind bestens, um eine starke Vorstellung zu geben. Denn Tienpont kann sich zuerst sein Team zusammenstellen und hat die freie Auswahl auf dem Markt. Und besonders die One-Design-Regel beim Volvo Ocean Race macht die Vorbereitungszeit als Leistungsfaktor noch bestimmender.

Volvo Ocean Race Route

Die neue Volvo Ocean Race Route. © VOR

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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