Volvo Ocean Race: Glücksschlag nach grobem Schnitzer – Scallywags erfolgreiche Abkürzung

Sie tun es schon wieder

Scallywag hat beim Volvo Ocean Race erneut Rasmus auf seiner Seite. Ein Verzweiflungsschlag wirkt sich nun positiv aus. Auch AkzoNobel gelingt das Comeback. Sie profitieren auch von einer besonderen Konstellation im Gesamtstand.

Scallywag-Dkipper David Witt hat seinen Spaß. © Jeremie Lecaudey/Volvo Ocean Race

Klar, dass die Stimmung an Bord von Scallywag (Video) bestens ist. David Witt und seine Navigatorin Libby Greenhalgh haben es schon wieder getan. Sie lagen nach einem groben strategischen Fehler aussichtslos gut 130 Meilen zurück, schlugen dann einen gänzlich anderen Weg ein und vier Tage später segeln sie fast 50 Meilen vor der Konkurrenz.

Diesmal ist das Hong-Kong-Team allerdings nicht alleine. AkzoNobel hat die gleiche Achterbahnfahrt erlebt. Nachdem der gemeinsame mutige Abstecher gen Norden ziemlich in die Hose gegangen war, konnte auch das blaue Boot mit dem starken Nordwind deutlich tiefer halten als die bisherige Führungsgruppe und sich parallel zu Scallywag nach vorne schieben.

Scallywag

“Seht ihr, ich wusste, dass es klappt”. Scallywag-Skipper David Witt freut sich über seinen Coup. © Jeremie Lecaudey/Volvo Ocean Race

Das nervt besonders Turn-The-Tide-Skipperin Dee Caffari. “Sie spielen ärgerlicherweise schon wieder die Glückskarte aus. Sie haben wirklich einen Fehler gemacht, aber dann konnten sie länger die Kaltfront abreiten. Sie segelten noch in 20 Knoten Wind während wir schon mit dem Übergangsbereich zum neuen Wind kämpften.”

Scallywag startete bei Taiwan früh einen Ausbruchversuch weg vom Feld nach Norden und AkzoNobel folgte…

…Der Fehler wurde mit gut 130 Meilen Rückstand bestraft…

…Aber danach bog Scallywag (grau) mit dem auffrischenden Wind tief nach Süden ab…

…und konnte den Wind der Kaltfront länger nutzen als die Führungsboote…

…Als Dongfeng und Mapfre sich in ihr Duell verstrickten und sogar mehrfach halsten, war die Führung von Scallywag konsolidiert.

Nun hofft die Britin, dass Scallywag auf längere Sicht einen spitzeren und langsameren Winkel zum neuen Nordostwind segeln muss. Und tatsächlich hat Witt seine Spitzenposition auch aus diesem Grund an AkzoNobel verloren. Aber groß ist der Speed-Unterschied nicht. Langsam arbeitet sich Scallywag aus der Leeposition vor das Feld. Und die Aussicht auf den nächsten großen Etappen-Coup, der den Sprung auf das Treppchen bedeuten würde, ist realistisch.

Allerdings wartet mit der Doldrum-Flatenzone noch die nächste große Hürde, die das Ranking erneut durcheinander wirbeln könnte. Ob das schwarzweiße Boot erneut auf Fortuna vertrauen darf? Segler glauben daran, dass sich diese Extrem-Taktik auf lange Zeit nicht durchsetzen kann. Aber Scallywag hat auch nichts zu verlieren. Der Speed und die Qualität der Segler reicht auf dem Papier nicht aus, um im kleinräumigen Taktik-Spiel gegen die Top-Teams zu bestehen.

Deshalb ist es für Witt richtig, die Strategie zu wählen, möglichst deutlich alternative Routen zu wählen, solange das Wetter Optionen zulässt. Er kann auch davon ausgehen, dass sich das Spitzenduo nicht um ihn kümmert. Mapfre und Dongfeng reiben sich im beinharten Zweikampf auf.

Die Strategie von Mapfre

Seit dem Beginn der Etappe lässt das Mapfre Team Dongfeng, den einzigen verbliebenen Gegner im Kampf um den Volvo-Ocean-Race-Sieg, nicht aus den Augen. Bei einem Vorsprung von zurzeit vier Punkten reicht es bei den verbliebenen sechs Etappen ja schon fast aus, jeweils nur einen Punkt hinter Dongfeng ins Ziel zu kommen und manchmal eben einen Platz davor. Da ist es sogar hilfreich für Mapfre, wenn sich ein anderes Team den Extrapunkt für den Etappensieg holt. Dann kann er nicht von Dongfeng gewonnen werden.

Mapfre hat Dongfeng (im Hintergrund) in eine enge Deckung genommen. © Ugo Fonolla/Volvo Ocean Race

Jedenfalls hat sich Xabi Fernandez offenbar vorgenommen, nicht mehr den Fehler der vergangenen Etappe zu begehen, und den ehemaligen Sparringspartner von der Leine zu lassen. Dadurch gingen im Vergleich zwei Punkte verloren. Allerdings war die Situation auf dem Weg nach Hong Kong noch deutlich schwieriger, weil es mit Vestas einen zweiten Gegner im Kampf um den Gesamtsieg gab, der kontrolliert werden wollte.

Scallywag segelt einen spitzeren, langsameren Winkel und versucht, sich vor das Feld zu arbeiten. Im Süden wartet noch die Flautenzone.

Diesmal reagiert Mapfre auf jeden Schlag des Gegners. Es dürfte allerdings schwierig werden, die Deckungsarbeit in den Doldrums beizubehalten, wenn einzelne unberechenbare Wolken große Unterschiede bewirken können. Diese Etappe kann noch viele Überraschungen bereithalten.

Volvo Ocean Race Tracker

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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