Volvo Ocean Race: Groupama umfährt Tropensturm Alberto und übernimmt Führung

Im Auge des Sturms

Die möglicherweise vorentscheidende siebte Etappe beim Volvo Ocean von Miami nach Lissabon hat eine erstaunliche Wendung genommen. Die französische Groupama suchte schon früh eine Entscheidung und katapultierte sich 22 Meilen vor das Feld. Damit würde sie in der aktuellen Blitztabelle der Gesamtwertung die bisher führende Telefonica – zurzeit auf Rang drei – vom Spitzenplatz verdrängen.

Abu Dhabi wird in den Tropensturm Alberto gezogen. © Nick Dana/Abu Dhabi Ocean Racing/Volvo Ocean Race

Für buchstäblichen Wirbel sorgte der angekündigte Tropensturm Alberto. Er brachte plötzliche Überlebensbedingungen mit 35 Knoten starken Gegenwinden, heftigen Gewittern und nahen Blitzeinschlägen.

Eine mutige Halse weg aus der Führungsposition brachte Groupama als einzige Yacht außerhalb der Reichweite von Alberto, als dieser plötzlich seine Zugrichtung änderte. Er zog fünf Yachten geradezu in sich hinein.

Ich sehe was, was du nicht siehst. Groupama halst als führendes Boot vom Feld weg.

Abu Dhabi Skipper Ian Walker beschreibt das Chaos: “Alberto drehte plötzlich nach Südosten ab und war genau über uns. Eigentlich wollten wir die Winddrehung und den verstärkten Wind im Süden nutzen, aber dann mussten wir nach einer erneuten Drehung direkt in das Auge des Sturms steuern.”

12 Stunden lang mussten sie auf der falschen Seite des Tiefdruckgebiets mit drei Reffs und Schwerwetter-Fock gegen 35 Knoten kreuzen anstatt schnell gen Osten zu reachen.  “Wir haben einig schreckliche Wellen erwischt aber besonders beängstigend waren die Blitze. Überall um uns herum schlugen sie ein und es schien kaum möglich, dass sie nicht unseren Karbon-Mast treffen würden.”

Während Groupama unbehelligt im Süden des Sturms gen Osten rast, ist die Konkurrenz fast auf Gegenkurs gegangen.

Aber nun sei es vorbei. Der Wind wehe wieder stetiger und die erschöpfte Crew könne sich etwas ausruhen. Es habe einige kleinere Verletzungen gegeben, als Segler über das Deck gewaschen wurden. “Eigentlich hatten wir eine nette Atlantik-Passage gebucht. So war die Vorhersage. Nun kam alles ganz anders.”

Jetzt hat das Feld die Jagd auf die Franzosen eröffnet, die als Einzige die Wetterentwicklung richtig vorhergesehen haben. Waren es besondere Wettermodelle oder half die große Offshore Erfahrung? Es wird sich zeigen, ob die geniale frühe Halse schon spielentscheidend war.

Nach 12 Stunden sieht es so aus. Groupama führt mit 22 Meilen vor Puma.

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Carsten Kemmling

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