Volvo Ocean Race: Gründe für die Bruchserie. Alinghi Designer Rolf Vrolijk spricht

"Niemand geht mehr vom Gas"

Beim Volvo Ocean Race hat das neuseeländische Camper Team als viertes und letztes Boot die fünfte Etappe nach Itajaí in Brasilien beendet. Nach dem fünftägigen Not-Stopp im chilenischen Puerto Montt, segelte Skipper Chris Nicholson 1.400 Meilen mehr als die Konkurrenz auf den ersten drei Plätzen und kam elf Tage nach Groupama ins Ziel.

Camper hat seine Odyssee auf der fünften Etappe beendet und ist in Brasilien angekommen. © PAUL TODD/Volvo Ocean Race

Sie erhielten damit die 15 Punkte für Platz vier und belegen in der Gesamtwertung hinter Telefonica und Groupama Rang drei. Das Abu Dhabi Team hatte nach dem gleichzeitigen Not-Stopp in Puerto Montt die Etappe aufgegeben und ist mit einem drei Tage verspäteten Frachter nach Itajaí unterwegs. Sanya lässt nach dem Ruderbruch die sechste Etappe ganz aus und wird direkt von Auckland nach Miami verschifft.

Damit endet eine desaströse Etappe beim Volvo Ocean Race, die nur die siegreiche Puma ohne Notstopp beenden konnte. Die insgesamt führende Telefonica musste 17 Stunden lang im Windschatten der Kap Hoorn Insel repariert werden. Auf Groupama brach der Mast kurz vor dem Ziel, und die Franzosen konnten erst nach einem Stopp in Uruguay mit Notrigg ins Ziel humpeln.

Volvo, “Vorbild für Sicherheit”

Die Konstruktion unter Deck. Ein Kohlefaser-Stück unterstützt die delaminierte Außenhaut. © Nick Dana/Abu Dhabi Ocean Racing/Volvo Ocean Race

Nun steht die gesamte Veranstaltung in der Kritik. Wie kann es sein, dass Boote und Masten brechen? Schon bei der ersten Etappe gab es drei Ausfälle und Puma wurde mit zersplittertem Mast auf einer einsamen Insel angespült. Danach lag Sanya vor Madagaskar, nachdem ein wichtiges Riggteil gebrochen war, das schon den Abu Dhabi Mast hatte kollabieren lassen.

Bei nur sechs Schiffen im Rennen schmerzt die Veranstalter jeder Ausfall. Die Spannung leidet, wenn es keine direkten Duelle gibt. Und der Sponsor Volvo, dürfte ungehalten sein.  Die Schweden verkaufen ihre Autos unter der Überschrift “Vorbild für Sicherheit“. Da sollten auch Sportgeräte, die sie um die Welt schicken, nicht auseinander fallen.

Warum passiert es trotzdem? Wieso delaminieren Rümpfe, brechen Schotten, Masten, Stage und Ruder? Die dritte Generation der VO70 Yachten schien ausgereift, die Probleme mit den innovativen Neigekielen nach Regeländerungen behoben. Nun geht es wieder los.

Organisator Knut Frostad, selber ein mehrfacher Volvo-Ocean-Race-Veteran, muss sich rechtfertigen, hat aber auch keine schlüssigen Antworten. “Es ist wichtig, nicht zu vorschnellen Folgerungen zu kommen. Aber diese hohe Ausfallrate ist nicht zu akzeptieren.” Der Norweger kündigte deutliche Regeländerungen und eine Entscheidung noch vor dem Ende des aktuellen Rennens an.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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6 Kommentare zu „Volvo Ocean Race: Gründe für die Bruchserie. Alinghi Designer Rolf Vrolijk spricht“

  1. avatar Stefan Z sagt:

    Was soll denn eine Einheitsklasse bringen? Sind nicht die Kosten für das Boot selber relativ gering? Von den 20 Mio € sind doch der größte Anteil Personalkosten. Einheitsklasse bedeutet doch auch, dass alle versuchen werden, im Rahmen der Möglichkeiten soviel wie möglich an den Schiffen zu tunen. Dafür braucht man viele schlaue Leute und das kostet…

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

  2. avatar Schlaufux sagt:

    Ich weiss ja nicht, ob man dem Konstrukteur der drei schnellsten Boote wirklich einen Vorwurf machen kann.
    Rausgefallen Ringschotten und Delamination im nahezu unbelastetem Mittschiffsbereich deuten ja doch eher auf Produktionsmängel hin.
    Ich denke es wird kein weg an einem “nahezu” Einheitsboot vorbeiführen.
    Warum soll man Formel 1 Prototypen im Südpolarmeer testen ?!
    Das kann Leben kosten.

    Die Aussage, dass die Offshore-Profis (auf Mehrrümpfern) Tiefdruckgebieten ausweichen ist dummes Zeug.
    Selbst beim letzten VOR haben die Teams Tiefs gesucht und waren in der Lage im Südpolarmeer auf den Sturmfronten mitzufahren. Ansonsten sind die Durchschnittsgeschwindigkeiten nicht machbar.
    Neu sind ja nur die “Sponsoretappen” seit der letzten Edition.
    Ken Read meinte letzte Ausgabe dazu “das ist wie mit nem Formel1 Auto in der 30-Zone”.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 2 Daumen runter 9

    • avatar Wilfried sagt:

      man muß die Aussagen auch lesen. Dort steht nicht das Tiefdruckgebieten ausgewichen wird sondern Extremwetter ausgewichen wird. das ist etwas völlig anderes. Fast niemand von uns kann auch nur im Ansatz beurteilen was schief gelaufen ist.

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  3. avatar Hansjörg Neun sagt:

    Super Beitrag, jedoch müßte der Titel heißen: “Niemend geht mehr vom Gas” oder “Niemand geht mehr auf die Bremse”.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

  4. avatar HENK sagt:

    *klugschei…* Volvo ist schon ein Weilchen chinesisch ….

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