Volvo Ocean Race Inport-Race und Etappen-Start: Wie Mapfre den härtesten Gegner abkocht

Mapfre zeigt die Zähne

Das spanische Mapfre Team leitet mit zwei großartigen Starts den Angriff auf den Gesamtsieg ein. Dongfeng-Skipper Caudrelier wird wie ein Schuljunge vorgeführt. Die achte von elf Etappen beim Volvo Ocean Race ist gestartet.

Volvo Ocean Race

Mapfre dominiert zwei Starts aus der Leeposition. © Pedro Martinez/VOR

Inport-Race spielt beim Volvo Ocean Race eigentlich keine große Rolle. Nur bei einem Gleichstand schlagen die Ergebnisse zu Buche. Deshalb jammert kaum jemand über die teilweise irregulären Bedingungen, bei denen diese Show-Wettkämpfe in den jeweiligen Etappenhäfen stattfinden.

Das Kurzrennen in Itajai hat aber eine größere Bedeutung. Es könnte über den Ausgang dieses Volvo Ocean Races entscheiden. Denn Dongfeng führt in der Gesamtwertung nur mit einem Punkt Vorsprung vor Mapfre, und vier Etappen vor Schluss ist ein Gleichstand nicht mehr so unwahrscheinlich. Da lohnt es sich, bei der Inport-Wertung vorne zu bleiben.

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Brunel verliert seinen Spitzenplatz im Inport-Race als sich der Gennaker zu früh ausrollt und dann verdreht. © Pedro Martinez/VOR

Außerdem ermöglicht das freie Inport-Revier vor dem brasilianischen Hafen ein reguläres Rennen mit einem sauber gegen den Wind ausgelegten Kurs bei stabilem Wind, bei dem auch echte Aussagen über das Leichtwind-Speed-Potenzial im direkten Vergleich mit teilweise neuen Segeln möglich sind. Mapfre hat nach dem zerrissenen Groß ein neues Tuch gesetzt, und auch das Gros der Konkurrenz segelt beim Finale der Regatta mit frischem Material.

Dazu kommt die psychologische Bedeutung eines Sieges für die Endphase der Regatta. Besonders Mapfre will nach dem schmerzlichen Rückschlag am Kap Hoorn zeigen, dass die Mannschaft wieder voll da ist, die Material-Probleme nur Pech waren und die Dominanz immer noch besteht. Nicht zu unterschätzen sind auch die Bilder an der Spitze des Feldes für den Sponsor. Die Symbolkraft eines an der Spitze segelnden Logos hat großen Wert für die Firmen-Kommunikation.

Beim Inport-Race liegt dabei ein großes Gewicht auf dem Start. Es werden Fähigkeiten abgerufen, die für eine Langstreckenregatta normalerweise wenig wichtig sind. Dennoch lassen die Starts Aussagen über die Souveränität, Bootsbeherrschung und das Selbstverständnis eines Teams zu. So ist es kein Wunder, dass Mapfre in dieser Disziplin als Favoritenteam regelmäßig den Ton angibt. In den sechs bisherigen Rennen war ein einziger dritter Platz das schlechteste Ergebnis.

Dabei präsentieren die Spanier um 49er Olympiasieger Xabi Fernandez regelmäßig die besten Eröffnungen. Und auch der Lauf vor Itajai macht keine Ausnahme. Sie zeigen die Zähne, kochen insbesondere ihren härtesten Gegner Dongfeng ab und fügen ihm im direkten Zweikampf eine schmerzliche Niederlage zu:

Der Start zum Inport-Race im Replay:

Das Inport-Race in der Zusammenfassung:

Es mag sich etwas überheblich anhören, aber diese Situation wäre von dem Gros der Bundesliga-Segler besser gelöst worden. Sie hätten aus der Sicht von Dongfeng die Gefahr erkannt, die durch die Wende unter Vestas in Bezug auf Mapfre entstehen würde und wären wohl rechtzeitig hinter dem Heck von Vestas nach rechts abgedreht.

Aber man muss in Betracht ziehen, dass es sich nicht um J/70 handelt, sondern schwere 65-Fußer. Und ein zu hohes Risiko mit einem möglichen Schaden kann zwei Tage vor dem Etappenstart die gesamte Regatta kosten. Da mag es weise sein, einmal mehr auf die Bremse zu treten, und in Kauf zu nehmen, nicht besonders gut auszusehen. Die Big Points werden draußen auf dem Ozean gemacht.

Dominanz von Mapfre

Doch das kann Mapfre auch. Insofern hat die Dominanz der Spanier bei der Renneröffnung eine große Überzeugungskraft. Sie bestätigt den Anspruch des haushohen Favoriten. Das zeigt sich nach dem Sieg im Inport-Race auch beim Start zur Newport-Etappe:

Mapfre erobert erneut souverän den Winner-Spot am Pin-End. Und diesmal sieht America’s Cup Sieger Peter Burling am Steuer von Brunel ganz alt aus. Er müsste sofort wegwenden, aber Nachzügler Scallywag blockiert das Manöver nach einem ziemlich verpatzten Timing zur Linie.

Die achte Etappe nach Newport führt erst einmal an der Küste von Brasilien nach Norden. Es gilt, den frischen Wind im Osten zu erreichen.

Dongfeng (rot) gibt möchtig Gas und setzt Mapfre (weiß) unter Druck auf dem Sprint gen Osten. Scallywag (grau) hofft mit seinem nördlichen Abweg wie so oft auf den Lucky Punch.

Brunel segelt nach einem Split auf dem ersten Vorwind von Rang fünf auf zwei. Ansonsten halten sich die Verschiebungen im Feld auf dem Rundkurs vor dem Hafen aber in Grenzen. Sie sind aber auch einigermaßen irrelevant. Inzwischen hat der Speed-Run nach Osten begonnen. Wer zuerst in den stärkeren Ostwind gelangt, kann zuerst nach Norden wenden und sollte Vorteile haben.

Auf dem Weg nach Newport müssen erneut die Doldrums durchquert werden. Allerdings sind sie traditionell weit im Westen sehr schmal. Deshalb werden dort nicht so große Verschiebungen im Feld erwartet. Die ersten Tage können bedeutsamer werden als sonst. Und hier zeigt sich jetzt schon, dass Dongfeng auf dem langen Schlag Mapfre sehr gut unter Druck setzten kann.

Volvo Ocean Race Tracker

Stand der Inport Race Serie

Gesamtstand im Volvo Ocean Race

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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