Volvo Ocean Race: Burling zahm an der Startlinie – Aber Brunel führt mit einer Frau weniger

"Pistol Pete" schießt mit Watte

AkzoNobel hat seinen deutlichen Formanstieg beim Volvo Ocean Race mit einem perfekten Auftakt zum Start der 6. Etappe unterstrichen. Superstar Burling agiert noch etwas unsicher am Lenker.

Es hat etwas gedauert, bis sich AkzoNobel-Skipper Simeon Tienpont nach den ganzen Skandalen zum Auftakt des Volvo Ocean Races dazu durchringen konnte, das Steuer seines VO65-Racers bei den Starts und Inportraces aus der Hand zu geben. Nachdem er den Platz am Steuer erst vor Gericht erstritten hatte, mochte er  jeden Moment am Rad auskosten, bevor sein Arbeitgeber einen Weg finden würde, ihn wieder zu entfernen.

Volvo Ocean Race

AkzoNobel Skipper Simeon Tienpont hängt sich voll rein. Er kommt seinem Traum von einer soliden Volvo-Kampagne offenbar näher. © Richard Edwards / Volvo Ocean Race

Hilfreich für die sportliche Leistung war das nicht. Vorletzter beim ersten Inportrace und einige haarsträubende Auftritte bei den live gezeigten Etappenstarts. Als Chris Nicholson, der fünffache Volvo Ocean Race Teilnehmer und Doppelweltmeister im 49er ab der zweiten Etappe an Bord kam, ist Tienpont etwas ins hintere Glied gerutscht. Und auch damit mag zusammenhängen, dass Nicolai Sehested nun doch noch die für ihn logische Aufgabe als Steuermann bei engen Situationen ausüben darf.

Sehested, der blonde Däne mit dem Bubi-Gesicht wird oft unterschätzt.

Denn der 28-jährige Däne, dessen Gesicht unweigerlich mit dem Vestas-Crash auf dem Riff bei Martinique verbunden ist, den er zusammen mit Nicholson erlebte, ist eigentlich perfekt für die kurzen Inshore-Jobs ausgebildet.

Er mag mit seinem Bubi-Gesicht noch jung und harmlos aussehen, aber der Mann bringt von allen Steuerleuten bei dieser Auflage des Volvo Ocean Races für diese Aufgabe wohl die besten Voraussetzungen mit. Zwei Jahre lang hielt er einen Platz unter den Top acht der Weltrangliste im Match Race und segelte auch mit dem dänischen SAP Extreme Sailing Team auf der Tour.

Auch er hatte seine Probleme am Steuer der behäbigen VO65 Racer, die bei wenig Wind unter Land immer so herrlich deplaziert wirken. Aber die Inportraces wurden mit zuletzt drei dritten Plätzen besser und beim aktuellen Etappenstart lieferte er sein Meisterstück ab.

Nicolai Sehested (28) hat ordentlich “Bums”

Dem Sponsor gefällt es, wenn die Farben mal ganz vorne vertreten werden, und das schaffte Sehested mit einer schönen Leeposition und starkem Timing zur Linie. Dabei gelang es ihm sogar, Peter Burling am Steuer von Brunel zu düpieren.

Auch Bouwe Bekking hat seinem Star bisher selten in solchen Situationen an das Rad gelassen, obwohl er selber wahrlich nicht glänzen konnte. Der Kiwi hatte die vergangene Etappe ausgesetzt und schien schon auf dem Absprung. Ob ihn Bekking nun mit dieser Steuer-Aussicht zurück auf das bisher chancenlose gelbe Schiff locken konnte? Man konnte ja befürchten, dass Burling wie so mancher Fußballspieler seinen Heimurlaub verlängert.

Aber “Pistol Pete” hat seine Waffe beim Start allerdings dann doch nur mit Wattebäuschchen  geladen. Seine Position kurz vor dem Start ist zwar vielversprechend, aber das Timing zur Linie gerät zu vorsichtig. Offenbar berechnet kein Team die Gegenströmung richtig. Alle Boote sind zu spät dran und Burling verpasst eine große Chance, sich früh in Szene zu setzen.

Gute Position für Brunel 36 Sekunden vor dem Start, aber Burling glaubt wohl, dass Akzo den Weg zur linken Starttonne dicht machen könnte…

…und greift 20 Sekunden vor dem Start noch einmal in Lee an. Aber der Gegenstrom hätte wohl eine Lücke in Luv gelassen…

…Die öffnet sich dann unerwartet für Scallywag. Als AkzoNobel noch perfekt die Leeposition verteidigt, hat Burling eine große Chance vertan.

…Die Situation nach dem Start. Fiese, bremsende Abwinde für Brunel.

Danach fängt sich das gelbe Boot wieder und erwischt unter Land weniger Gegenstrom. Aber dann zeigt sich in einer späteren Szene, wie defensiv der 49er-Olympiasieger und America’s Cup Gewinner zu Werke geht – oder gehen muss? Er bricht einen vermeintlich klaren Cross vor dem Bug von Mapfre ab und verliert massiv. Ob es ein Befehl von Bekking war, das Schiff heil zu lassen? 

Man könnte denken, dass Brunel (links) locker vor dem Bug von Mapfre passieren könnte…

…aber “Pistol Pete”-Burling verzichtet auf den Cross – oder befiehlt es Bekking?…

…Brunel passiert im steilen Winkel achteraus und verliert dadurch Scallywag (rechts).

Schön sah das nicht aus, aber was macht es schon, wenn 6100 Meilen vor einem liegen? Auf dem langen Steuerbord-Schlag raus in das Südchinesische Meer kommt es wieder darauf an, wer am meisten Speed entwickeln kann.

Wer hat seine Hausaufgaben gemacht? Wie passt der Trimm, die Gewichtsverteilung der Ausrüstung, die Leistung am Steuerrad? Mapfre und Dongfeng waren nach intensiven Trainingsstunden in der Vorbereitung auf diesem Gebiet mit einem großen Vorsprung in diese Regatta gestartet. Sie sind bei verschiedenen Bedingungen einfach schneller.

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Mit dem Heimpublikum im Rücken zeigt David Witt an der Startlinie Fähigkeiten, die ihn bisher noch nicht ausgezeichnet haben. © Jeremie Lecaudey / Volvo Ocean Race

Der Vorteil besteht immer noch, wird aber kleiner. Und das zeigt auch die aktuelle Entwicklung der Etappe. AkzoNobel musste auf dem Amwind-Schlag noch Federn lassen, hält aber durchaus mit. Dafür ist Brunel überraschend vorbei gezogen. Ob Burling während seiner Abwesenheit bei der vergangenen Etappe, die Leistungsdaten mal seinen Cup-Spezialisten vom Team New Zealand gezeigt hat?

Jedenfalls hat Bekking für diese Etappe auf einen der beiden Frauen-Spots verzichtet und segelt nur zu acht. Scallywag-Skipper hat eine solche Besetzung, mit der er zu Beginn segelte, als großen Fehler bezeichnet. Aber vielleicht funktioniert es ja für das gelbe Boot.

 

 

 

Volvo Ocean Race Tracker

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Cup- und Olympiasieger Blair Tuke an der Mapfre-Winsch. © Ugo Fonolla / Volvo Ocean Race

 

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Carsten Kemmling

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7 Kommentare zu „Volvo Ocean Race: Burling zahm an der Startlinie – Aber Brunel führt mit einer Frau weniger“

  1. avatar Christian 1968 sagt:

    Ich bin wirklich ein großer Fan von Vendee und VOR, aber mir hat sich nie erschlossen, warum aus dem Start hier immer so ein Bohei gemacht wird. Hat das irgendeine Bedeutung, die über “guter Start = gute Bilder für den Sponsor” hinausgehen ? Die Etappen sind tausende von Meilen lang und da wird ein solches Rennen ja schließlich entschieden, nicht am Start mit 15 Sekunden “Rückstand”…. oder !?

    Ahoi !

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 0

    • avatar C.H. sagt:

      Danke für den post! Und ich dachte immer, nur ich würde mich das fragen…

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    • avatar Julian sagt:

      Das ist recht einfach erklärt:
      Wenn man am Start vorne liegt, kann man das Feld anführen und verteidigen. Startet man von hinten, muss man ‘ausbrechen’ und alternative Routen wählen, die immer risikobehaftet sind. Es macht dir das Leben einfacher.

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  2. avatar Felix sagt:

    kann mir einer Erklären, bei 23 Minuten sieht man hinten am Boot Wasser wie bei einem Motor rauskommen. da läuft doch kein Motor oder?

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    • avatar alikatze sagt:

      http://www.volvooceanrace.com/en/boat/42_The-Engine.html

      Der Motor darf schon laufen, aber nicht die Schraube antreiben 😉

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

      • avatar Sven 14Footer sagt:

        Die nutzen den Motor, um die Batterien aufzuladen und insbesondere für die Energie um den Kanting Kiel zu bewegen.

        Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

      • avatar Tom sagt:

        Der Motor läuft, für die Energieversorgung und um die Batterien zu laden. Übrigens auch beider VG. Diese Hydrogeneratoren haben sich nicht durchgesetzt weil sie einfach zu empfindlich waren. Deshalb läuft da durchaus auch mal der Motor. Allerdings ist der im Leerlauf Verplombt und kann so nicht zum Antrieb benutzt werden.

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