Volvo Ocean Race Puma: Mastbruch-Ursache unklar, Netz in der Schraube

Hilfe in Sicht

Die Zeit wird knapp für das Puma Team, wenn es rechtzeitig den Start für das nächste Inport-Rennen am 10. Dezember in Kapstadt erreichen will. Der Plan für die ursprüngliche Frachterpassage nach Tristan da Cunha ist geplatzt. Aber die Puma Logistiker haben jetzt ein zweites Schiff aufgetrieben, das sich auf den Weg zu der Mini-Insel im Niemandsland macht, um “Mar Mostro” an Bord zu hieven.

Frachter in Sicht. Der Grieche mit russischer Crew bringt Puma den nötigen Diesel für die Fahrt nach Tristan da Cunha. © Amory Ross/PUMA Ocean Racing/Volvo Ocean Race

Außerdem zerbricht sich das Team den Kopf über die Mastbruch-Ursache. “Wir benötigen hier draußen ein Forensik-Team wie bei CSI Miami, um herauszufinden, was das Problem war”, sagt Skipper Ken Read. Bei einer Telefonkonferenz mit dem Mast-Team in Rhode Island wurden die möglichen Ursachen eingegrenzt. “Es ist sehr schwer, den wahren Grund herauszufinden, weil das Rigg übel zugerichtet ist. Man wird wohl niemals genau erfahren, was das Desaster in Gang gesetzt hat und welcher Schaden dann tatsächlich den Mast fallen ließ. Wir haben einen Plan aufgestellt, der vorsieht, einige kleine Befestigungen am Mast zu verstärken, von denen wir glauben, dass sie das Problem gewesen sein könnten. Wir haben sehr gute Leute im Team, die hart daran arbeiten, dass uns das nicht wieder passiert.”

Die Puma Belegschaft in Herzogenaurach schickt ihre besten Wünsche per Bild-Botschaft zur havarierten "Il Mostro". © Puma

Das will auch die Puma-Konzernzentrale in Herzogenaurach bekräftigen. Knapp 100 Mitarbeiter bekundeten ihre Solidarität mit der 11-köpfigen Puma Ocean Racing Crew, indem sie sich auf dem Plaza des Puma Vision Headquarters in Herzform zusammenstellten. Mit dem Bild schickten sie eine aufmunternde Grußbotschaft an das havarierte Team. Ken Read bestätigt die Wichtigkeit der Unterstützung. Er beschreibt die aktuelle Situation als “emotionale Achterbahnfahrt”. “Sehr langweiligen Momenten” während der ernüchternden Fahrt unter Motor könnte nur durch den Austausch von iPod-Programmen begegnet werden. Aber immer wieder gebe es auch plötzliche Überraschungen oder Enttäuschungen.

Die Ansteuerung an den Container-Frachter ist schwierig. Der Kapitän möchte, dass Ken Read längsseits geht. © Amory Ross/PUMA Ocean Racing/Volvo Ocean Race

So wie am Morgen als plötzlich der 75 PS Volvo Diesel muckte. Erst machte der Propeller komische Geräusche, dann drehte sich die Welle wild. Read sagt: “Wir dachten, der Prop sei abgefallen.” Aber ein Blick durch das Rumpffenster zeigte, dass sich die Reste eines Fischernetzes um die Antriebsflügel gedreht hatten. Der Jüngste Rome Kirby musste ins Wasser und die Schraube per Messer befreien. Read lässt auch noch einmal die Diesel-Übergabe mit dem Container-FrachterRevue passieren. “Ich schrieb einen Plan zusammen und mailte ihn an den russischen Kapitän des griechischen Schiffes Boris Bondar. Aber im Nachhinein bin ich mir nicht sicher, ob er diese Mail je gelesen hat.”

Mit dem Bug voraus kann Ken Read einigermaßen den Abstand halten. Aber er hat Angst "Il Mostro" zu beschädigen. © Amory Ross/PUMA Ocean Racing/Volvo Ocean Race

Er habe gewollt, dass “Il Mostro” bei den 20 Knoten Wind mit bis zu 2,5 Meter hohen Welle in Lee von ihm Längsseits geht. Seine Crew hätte schon kleine Ball-Fender ausgebracht. Aber Read habe schon das Geräusch von brechendem Karbon im Ohr gehabt. “Ein 300 Meter Frachter gegen eine 70 Fuß Karbon Yacht! Der Frachter würde wohl bei jeder einzelnen Welle gewinnen.” Das große Schiff trieb mit etwa drei Knoten nach Lee. “Schon mal versucht, einen 70 Fuß Racer neben einer schwimmenden Stadt zu halten, während sie auf dich herunter treibt und dabei 20 Kanister mit 30 Liter Diesel an einer Leine zu übernehmen die an einem Deck in gut 30 Meter Höhe befestigt ist?

20 Dieselkanister werden an einer Leinenverbindung übergeben. Der Frachter treibt mit drei Knoten nach Lee. © Amory Ross/PUMA Ocean Racing/Volvo Ocean Race

Dabei gilt es, das Boot so weit vom Stahl-Schiff entfernt zu halten damit es nicht an der Bordwand zerschellt. Und andererseits darf der Abstand nicht so groß werden, dass die Leine gekappt werden muss und Diesel verloren geht. Das hat eine Stunde lang für Herzrasen gesorgt. Aber am Ende hat es funktioniert.”

 

 

 

 

Das Fischernetz, das in der Schraube hing, liegt auf Deck. Ein dicker Tampen, den die Crew aus dem Meer gefischt hat, dient als Maststütze. © Amory Ross/PUMA Ocean Racing/Volvo Ocean Race

 

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Carsten Kemmling

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4 Kommentare zu „Volvo Ocean Race Puma: Mastbruch-Ursache unklar, Netz in der Schraube“

  1. avatar Hurghamann sagt:

    Entschuldige, aber ” Diesel an einer Leine zu übernehmen die an einem Deck in gut 30 Meter Höhe befestigt ist?” du meintest 30 Fuss oder…
    Ausserdem hat Ken Read dem russischen Kaptiän bestimmt gemailt und nicht gemault.

    bekomme ich heute den Klugscheisserpokal ?, bittebitte

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    • avatar Carsten Kemmling sagt:

      herr read spricht von 100 fuß. da muss man ihm wohl glauben.
      mit dem maulen bin ich mir nicht ganz so sicher, aber vermutlich hast du recht 🙂 (edit)

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      • avatar T.K. sagt:

        Mr. Read scheint ein wenig zu überteiben. Auf dem 5. Foto von oben kann man erkennen dass es max. 10 m sind. Aber dennoch scheint es ja gut geklappt zu haben. Im übrigen ist die Art und Weise wie sie es gemacht haben die einzig richtige. Bei Seegang an solch einem schwimmenden Dampfer anzulegen hätte definitv Bruch gegeben.

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  2. avatar Eckard Scholz sagt:

    Dieselkanister sollten eigentlich schwimmen. Wenn man die ins Meer geworfen hätte und dann in aller Ruhe an Bord genommen hätte…

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