Volvo Ocean Race: Rein, raus, rein, AkzoNobel-Skipper Simeon Tienpont darf jetzt doch segeln

Meuterei auf AkzoNobel

Der Streit um die Skipper-Rolle beim AkzoNobel Team hat (vorerst?) überraschendes Ende genommen zu haben. Simeon Tienpont ist bei der ersten Etappe an Bord, muss aber drei Meuterer ersetzen.

Simeon Tienpont wieder am Steuer. © Konrad Frost/Volvo Ocean Race

So etwas hat es in jüngster Zeit im Profi-Segelsport noch nicht gegeben. Das Hickhack beim AkzoNobel Team, das einmal als Top-Favorit in die Volvo Ocean Race Kampagne gestartet war, hat eine erstaunliche Wendung genommen. Plötzlich darf Simeon Tienpont, der die Teilnahme initiiert hatte, doch das blaue Boot um die Welt führen.

Erst war der Skipper von seinem Sponsor gefeuert worden, und sein Wachführer hatte das Amt übernommen. Dann hatte Tienpont aber einen Termin vor dem Schlichtungs-Institut NAI erzwungen und am Freitag in der Sache Recht bekommen. AkzoNobel musste ihn wieder in seine alte Position einsetzen und hat den Machtkampf verloren.

Dabei ist nun klar geworden, dass der Ärger offenbar nicht allein durch den Sponsor entstanden ist. Denn das Ergebnis der Einigung ist auch der Abgang von Wachführer Brad Jackson, der offenbar der Gegenspieler von Tienpont war. Der erfahrene Neuseeländer hat gleich den britischen Navigator Jules Salter und den Brasilianer Joca Signorini mit von Bord genommen.

Und dann war auch klar, dass der kurzfristig eingeflogene US-Ersatzmann Rome Kirby nicht segeln wird, der von Jackson als Ersatz für Tienpont gedacht war. Er soll wie zuvor auf der Reserve-Liste für das Vestas-Team stehen.

Der Ausblick von AkzoNobel nach dem schlechtesten Start der Flotte. © Konrad Frost/Volvo Ocean Race

Der neue, alte Skipper dankte offiziell zwar den Meuterern für ihre Verdienste bei der Vorbereitung des Bootes, aber er stand nun vor der schwierigen Aufgabe, in eineinhalb Tagen die Crew-Verluste ausgleichen zu müssen. Das ist auch deshalb nicht einfach, weil potenzielle Kandidaten, die Auflagen der Volvo Ocean Race Organisation bezüglich der notwendigen Segelmeilen auf den VO65 und der Sicherheitszertifikate erfüllen müssen.

Shore-Team-Navigator

Schließlich griff Tienpont auf Teile des Shore-Teams zurück. Der Brite Ross Monson ist normalerweise eher als Software Ingenieur tätig, denn als Navigator auf so hohem Niveau wie dem Volvo Ocean Race. Aber er soll nun den vielleicht wichtigsten Job an Bord bekleiden, den er so exponiert noch nicht wahr genommen hat. Allerdings hat er schon Volvo Hintergrund-Erfahrung mit dem Pirates of the Caribbean Team um Paul Cayard und zu einigen Langstrecken-Rekorden navigiert.

Simeon Tienpont. © AkzoNobel

Außerdem nahm Tienpont die Hilfe von Sun Hung Kai Scallywag Team Besitzer Seng Huang Lee in Anspruch, der den eigenen Ersatzmann Antonio Fontes für die erste Etappe freistellte, um mit dem Holländer zu segeln.

So ist AkzoNobel nun mit acht statt der bisher vorgesehenen neun Seglern unterwegs. Aufsteiger ist nun der Däne Nicolai Sehested, der bis zu dem Crash-Drama mit Vestas beim vergangenen Rennen nur seine ersten Hochsee-Meilen segelte nun aber schon zum Wachführer aufgestiegen ist. Der Match-Race-Spezialist scheint sich mit beiden Parteien arrangiert zu haben.

Gebührender Abstand hinter dem Feld

In der Zwischenzeit werden sich neue potenzielle Mitsegler die notwendigen Zertifikate für die lange zweite Etappe von Lissabon nach Kapstadt besorgen müssen. Das ist wahrlich keine optimale Vorbereitung.

AkzoNobel halst um die Tonne als Letzter mit respektvollem Abstand.

Und so passte es ins Bild, dass Tienpont die ersten Meilen auf dem kurzen Kurs vor Alicante sehr mühsam und vorsichtig absolvierte, und mit gebührendem Abstand das Feld vor sich her jagte. Das blaue Boot schien sicher auf einem Überführungstörn denn auf einer Regatta zu befinden.

Aber dann folgte die Überraschung. AkzoNobel war auf dem langen Vorwind-Schlag Richtung Afrika im Bord-an-Bord-Kampf mit den Klassengrößen extrem schnell unterwegs, übernahm kurzzeitig sogar die Führung, begab sich dann parallel zu Vestas auf einen klugen Ausflug unter die europäische Küste und setzte sich nach einer Serie von gut platzierten Halsen zusammen mit Vestas vom Feld ab.

Bei Gibraltar liegen Vestas und AkzoNobel vorne. Dongfeng (rot) hängt überraschend am Tampen.

Volvo Ocean Race Tracker

Inzwischen berichten niederländische Medien, dass AkzoNobel Tienponts Management-Firma Steam Ocean Racing 15 Millionen Euro für das Volvo Ocean Race bezahlt hat. Der Neubau der Yacht kostete zwei Millionen Euro. Zuerst wollte er die Frauen-Quote nicht ausschöpfen und lieber nur mit sieben Männern segeln. Aber dann nahm er die Landsfrau Annemieke Bes an Bord, Olympia-Silber-Gewinnerin 2008.

Es gab aber einen Disput über die Zahl der Einsätze auf den Etappen, und so wechselte Bes zum Scallywag-Team. Schließlich holte Tienpont aber doch noch mit 49er Olympiasiegerin Martine Grael (BRA, 26) und Emlily Nagel aus Bermuda (23) zwei Frauen an Bord.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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