Volvo Ocean Race: Mapfre wirft Desjoyeaux und Navigator raus

Demontage des Professeurs

Faszination Volvo Ocean Race. Zusammenfassung der ersten Etappe:

Beim Volvo Ocean Race sind die ersten Köpfe gerollt. Das mit favorisierte spanische Mapfre Team nimmt nach dem enttäuschenden letzten Platz auf der ersten Etappe Segellegende Michel Desjoyeaux und Navigator Nico Lunven von Bord.

Michel Desjoyeaux

Michel Desjoyeaux grübelt vor dem Navigations-Computer. © Team Espana

Kurzfristige Entlassung kennt man aus der Fußballszene. Meistens muss der Trainer gehen. Dann will man “neue Impulse” setzen. Das hat auch 2013 beim America’s Cup funktioniert. Taktiker John Kostecki musste gehen und mit Ben Ainslie kam der Erfolg.

Nun will man mit Entlassungen das Ruder auf Mapfre herumreißen. In der Pressemitteilung heißt es zwar, dass es ohnehin nie geplant gewesen sei, dass Desjoyeaux das ganze Rennen hätte segeln sollen. Aber der französische Vendée Globe Sieger manifestiert in seinem Kommentar dann doch die Demission.

“Die Entscheidung, dass ich nicht mehr länger auf Mapfre segeln werde, wurde von mir und dem Team getroffen. Solche Entscheidungen sind nicht einfach aber sie gehören zum Leben eines Teams dazu. Auch wenn ich jetzt nicht mehr mitsegele war es dennoch keine vertane Zeit. Mapfre ist ein großartiges Team mit sehr guten Seglern an Bord.”

Nelias

Jean Luc Nélias, Groupama Navigator 2012, soll nun auch für Mapfre den Erfolg bringen. © Yann Riou/Groupama Sailing Team/Volvo Ocean Race

Trauriges Ende

Damit geht eine Beziehung traurig zuende, der besonders Iker Martinez und Xabi Fernandez viel zu verdanken haben. Desjoyeaux galt als Mentor ihrer Hochsee-Karriere, seit er die beiden auf seinem alten Boot zum überragenden zweiten Platz beim Barcelona World Race geführt hatte.

Offenbar ist es aber auf der ersten Etappe, bei der Mapfre in der Anfangsphase durchaus punkten konnte, zu größeren Zerwürfnissen an Bord gekommen. Denn nicht nur Desjoyeaux muss gehen, sondern auch der Navigator Nico Lunven (32). Der erfolgreiche Einhandsegler, der das Solitaire du Figaro 2009 gewonnen hat und 2012 auf dem Podium landete, kam offenbar nicht auf einen Nenner mit den Spaniern.

Dafür soll jetzt der Franzose Jean-Luc Nélias die Wende bringen, der für Groupama das vergangene Volvo Ocean Race gewonnen hatte. Nélias hatte damals ebenso wie Lunven die erste Etappe völlig verkorkst, als er mit einer extremen unter der afrikanischen Küste Kurswahl den Anschluss verlor.

Aber das Team stand zu Nélias und der schaffte in der Folge die Wende. Ob man Lunven zu wenig Zeit lässt oder nicht, kann hier nicht beurteilt werden. Aber offenbar geht es um schwerwiegendere Probleme an Bord.

Abschied von der großen Bühne

Für Desjoyeaux ist die Demontage keine gute Entwicklung. Der “Professeur” wie ihn die einheimischen Medien wegen seiner akribischen Vorbereitung nennen, hatte nach dem Absprung seines Sponsors Foncia große Probleme, noch einmal Eindruck in der Segelszene zu machen. Er stieg sogar wieder in die Figaro Einhandklasse ein, war aber nicht besonders erfolgreich.

Seine Rekrutierung für das Volvo Ocean Race Projekt brachte ihn zurück auf die große Bühne. Aber nun lässt er sie als deutlich beschädigter Akteur zurück. Kann die Einhand Legende vielleicht nicht mit Crew segeln? Ein Nachfolger für den großen Franzosen ist noch nicht benannt.

Am Samstag den 15. November startet in Kapstadt das Inport-Race. Am Mittwoch den 19. erfolgt der Start zur zweiten Etappe nach Abu Dhabi.

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Carsten Kemmling

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6 Kommentare zu „Volvo Ocean Race: Mapfre wirft Desjoyeaux und Navigator raus“

  1. avatar Felix sagt:

    Hi Carsten, kleine Korrektur: Das Inport-Race in Kapstadt ist am Samstag 15. November.

    VG vom Segeltalk.de

    Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 1

  2. avatar Hans sagt:

    Ich hatte schon die Befürchtung, dass das nach hinten losgehen wird als die Teilnahme Desjoyeauxs bekannt gegeben wurde. Das Problem auf dieser Etappe war wahrscheinlich einfach, dass zu viele Köche die Suppe versalzen haben, weil jeder an der Entscheidungsfindung mitwirken durfte beziehungsweise Martinez den anderen dieses Recht aus Respekt nicht absprechen wollte. Hinzu kommt noch das Desjoyeaux auch nicht mehr der jüngste ist…

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 2 Daumen runter 7

    • avatar Chefkoch sagt:

      Aha, das ist ja interessant…
      Besonders im Hinblick auf das Alter des Franzosen…
      Gemeinhin ist Segel ja ein Erfahrungssport und da schadet Alter eigentlich nicht, ausserdem ist Michel Desjoyeuxs Jahrgang 65 und somit zwei Jahre jünger als Bouwe Bekking, der 1963 geboren ist…ganz abgesehen von Andrew Cape, der 1962 geboren ist…
      Aber dennoch eine sehr interessante Theorie darauf hinzuweisen, das Michel nicht mehr der jüngste ist – nur was sagt das aus?

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 3

    • avatar Max sagt:

      Wer aber auch einen recht unerfahrenen Navigator nimmt, muss sich nicht wundern. MichDes war auch nur Watch Captain nicht Skipper. Iker und der Navigator müssen die Verantwortung übernehmen.

      Jean-Luc wird aber sicher eine sehr Gute Wahl sein, mehr Erfahrung als Navigator wird schwer zu finden sein zur Zeit. Ein Team auseinander zu reißen, weil eine Etappe schief gelaufen ist keine gute Lösung. Und gleich noch zwei Führungspositionen zu ändern, wird eher ein Problem sein. Obwohl der Wechsel etwas an Brasil One erinnert (Knut Frostad und Marcel van Triest eingetauscht) und das hat gut funktioniert am Ende.

      Aber man muss den Hut ziehen vor Iker, immerhin hat er den eigenen “Mentor” rausgewerfen (so ganz passt Mentor nicht, aber MichDes hat Iker und Xabi zumindest unter die Arme gegriffen, z.B. beim Barcelona; die Daggerboard Stellung auf ihrem Boot damals sprach Bände).

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  3. avatar Sven 14Footer sagt:

    Mapfre hatte m.E. zuviel Führungspersonal an Bord. Da war der Skipper und der Navigator zusätzlich noch Xabi und der Professor. Wer soll denn an den Grindern arbeiten? Viele Köche verderben den Brei. Ich glaube der Professor passte als Wachführer da nicht rein. Als Navigator oder Skipper hätte es besser funktioniert. Dann hätte aber einer der Anderen zuhause bleiben müssen.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  4. avatar steehl sagt:

    Das VOR ist einfach so anspruchsvoll wie noch nie: Durch OD müssen die Boote mit maximalem Aufwand gesegelt werden, jeder kleinste Vorteil wird gezogen, und sei er noch so physisch aufwändig herzustellen. Und jeder noch so kleine taktische Fehler wird von den Konkurrenz gnadenlos genutzt, während es für große Entscheidungen wegen der dicht beieinander segelnden Boote wenig Möglichkeiten gibt.
    Einhand auf IMOCAs ist die Sache ganz anders: Die guten haben eh schon mal das schnellere Boot. Die einzelnen Entscheidungen sind von größerer Granularität, weil die Physis das kleinteilige Manövrieren gar nicht ermöglicht (ich habe nicht gezählt, könnte mir aber vorstellen, dass ADOR schon von Alicante nach CapeTown mehr Halsen gefahren ist, als LeProf auf der ganzen letzten Vendee Globe). Damit kann man mit einigen guten Entscheidungen viel mehr Boden gut machen oder verlieren.

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