Volvo Ocean Race: Start am Samstag um 14 Uhr – Das Rennen ist offen wie nie

Endlich geht's los

Noch ein Tag bis zum ersten Etappenstart des Volvo Ocean Races von Alicante nach Kapstadt. Warum die Fans ein spannendes Spektakel erwarten dürfen. Wie die Teams einzuschätzen sind.

Es ist wieder so weit. Zweieinhalb Jahre nach dem vergangenen Volvo Ocean Race segeln zum 12. Mal die besten Hochsee-Crews um die Welt. Am Samstag um 14 Uhr fällt in Alicante der Startschuss zur ersten von neun Etappen nach Kapstadt. Insgesamt werden die sieben Teams 11 Häfen ansteuern und 38.739 Seemeilen bewältigen. Ende Juni nach neun Monaten wird die Flotte in Göteborg zurück erwartet.

Volvo Ocean Race

Es kann feucht werden an Bord. © Brian Carlin/Team Vestas Wind

Vieles spricht dafür, dass die spannendste Hochsee-Regatta aller Zeiten bevorsteht. Denn erstmalig segeln die Teams mit Einheitsyachten und vor dem Start ist kaum eine Aussage darüber zu machen, wer am Ende vorne liegen wird.

In der Vergangenheit wurden die Rennen schon zu einem großen Teil an Land gewonnen. Seit die Rennorganisatoren 1997 die Box Rule für die W60 Klasse einführte, gewann jeweils das Team, das zuerst die Kampagne startete und ein entsprechend höheres Budget einsetzte. Darauf basierte auch der Illbruck Erfolg 2002. Zuletzt waren mehr als 20 Millionen Euro für eine siegfähige Kampagne nötig. Es ging insbesondere um die beste Design-Strategie und die Entwicklung der Segelgarderobe.

Das kommt diesmal nicht zum Tragen. Gegen große Widerstände hatte Volvo Ocean Race Chef Knut Frostad das One-Design Prinzip für die neue Flotte durchgedrückt. Das heißt, alle Yachten sind absolut identisch. Aber die Teams zögerten lange, um sich auf eine Meldung einzulassen. Zu groß schien das Risiko, dass die gesamte Veranstaltung scheitert.

Kostensenkung funktioniert

Aber die Kosten für den fünf Fuß kürzeren und etwas langsameren VO65 um 30 Prozent gesenkt worden sein. Aber die eigentlichen Einsparungen wurden beim Shore Team gemacht. Währen sich früher bei den starken Syndikaten 30 bis 40 Leute um die Wartung und Pflege der Schiffe kümmerten, können diesmal viele Arbeiten in der vom Organisator gestellten Instandsetzungsbereich erledigt werden. Das verringert die Kosten um gut die Hälfte.

Volvo Ocean Race

Team Vestas in Aktion. © Brian Carlin/Team Vestas Wind

Als dann auch noch das Frauenteam mit Sponsor SCA zuerst seinen Hut in den Ring warf und fortan als das professionellste Team mit der besten Vorbereitung galt, schienen einige alte Haudegen abgeschreckt zu sein. Schließlich sagten sogar die Neuseeländer ab und die Spanier schienen auch nicht kommen zu wollen. Das Rennen stand auf Messers Schneide.

Aber schließlich kamen mit sieben Yachten doch ein ansehnliches Feld zusammen. Zuvor waren 2011 schließlich nur sechs Teams am Start. Und Mike Sanderson segelte dabei mit dem chinesischen Sanya Team und altem Boot von vornherein chancenlos hinterher.

Was man von den Teams erwarten kann

Volvo Ocean Race

Die abschließende Skipper Pressekonferenz vor dem Start in Alicante. © Ainhoa Sanchez/Volvo Ocean Race

Diesmal fällt kein Team schon vorher deutlich aus dem Raster. Man kann nur Indizien für eine Vorab-Bewertung auswerten. Sicher ist: Noch nie war das Um-die-Welt-Rennen so offen.

Dabei spricht viel dafür, dass Ian Walker mit seinem Abu Dhabi Team auf den vorderen Plätzen einzuordnen ist. Nach der vermasselten Kampagne 2011 war es allerdings fast ein Wunder, dass der britische Doppel-Olympia-Silber-Gewinner (470er, Starboot) erneut von den Emiraten das Vertrauen ausgesprochen bekam.

Damals startete er mit bestem Budget und ausreichender Vorbereitungszeit in das Rennen traf aber viele Fehlentscheidungen. Das Design von Bruce Farr war langsam, dazu kam ein Mastbruch nach wenigen Meilen der ersten Etappe aber auch taktische Fehler warfen Abu Dhabi immer wieder zurück.

Volvo Ocean Race

Wird Ian Walker nach zwei verpatzten Rennen diesmal den großen Wurf landen? © Matt Knighton/Abu Dhabi Ocean Racing

Diesmal macht Walker aber keine Kompromisse. Er konnte als zweites Team melden, hat nur einen Mitsegler aus Abu Dhabi an Bord und ansonsten erfahrene Mitstreiter die insgesamt 21 Mal beim Volvo Ocean Race gestartet sind. Nur der australische 49er Segler Luke Parkinson, der einen der beiden U30 Spots ausfüllt, war noch nie dabei. Eigentlich müsste Walker jetzt wissen, wie man dieses Rennen gewinnt. Eine bessere Chance wird er wohl nicht bekommen.

Stark dürfte auch das Brunel Team einzuschätzen sein. Es war zwar relativ spät dran mit der Meldung und startete noch ein zeitraubendes Auswahlverfahren, das wohl nur die Kompetenz des Sponsors als Dienstleistungsunternehmen und Personalvermittler zeigen sollte. Aber Bekking bringt jede Menge Erfahrung mit, wie ein Volvo Team erfolgreich zu führen ist.

Der Holländer ist allerdings auch schon 51 Jahre alt. Es war lange ruhig um ihn geworden, nachdem er mit Telefonica Blue 2009 vor Mastrand einen Felsen gerammt hatte und mit Gesamtplatz drei hinter den Erwartungen zurückgeblieben war. Schon 2005 musste er nach technischen Problemen mit der spanischen Movistar aufgeben.

Mit dem Franzosen Laurent Pagès konnte er immerhin eine Schlüsselfigur des vergangenen Groupama Siegers verpflichten. Und auch mit dem australischen Navigator Andrew Cape (52) dürfte er gut aufgestellt sein.

Top Favoriten sollten eigentlich die Spanier mit dem Mapfre Team sein. Die 49er Olympiasieger (2004) Iker Martinez und Xabier Fernandez waren nach ihrem Einstieg in die Hochseeszene die absoluten Überflieger. Sie schienen auch das vergangene Volvo Ocean Race locker gewinnen zu können, brachen aber dramatisch ein.

Sie schienen auf zu vielen Hochzeiten tanzen zu wollen und scheiterten schließlich auch bei ihrem Olympia-Comeback 2012 im 49er und Martinez flog auch aus den Luna Rossa America’s Cup Team, wo Fernandez weiter verblieb. Nun mussten sie in aller Eile ein Volvo Team zusammenstellen und es ist längst nicht klar, wie stark es sein kann. Denn Martinez plant sogar einige Etappen auszusetzen, weil er im Rahmen seiner Nacra 17 Olympiakampagne Regatten segeln muss.

Spannend wird es sein, wie Nicolas Lunven (31) die Position als Navigator ausfüllen kann. Der erfolgreiche französische Einhandsegler und Solitaire du Figaro Sieger ist die große Unbekannte dieses Teams. Aber ein gewichtiges Wort wird an Bord auch der Vendée Globe Sieger Michel Desjoyeaux sprechen können, der jede Menge Erfahrung mitbringt.

Das dänische Vestas Team ist zuletzt zur Flotte gestoßen und dürfte unter dem australischen Skipper Chris Nicholson (45) viel Potenzial besitzen. Der ex Doppelweltmeister im 49er und zweimalige Volvo Ocean Race Zweite bringt eigentlich alles mit, um diese Auflage des Volvo Races zu gewinnen.

Aber erfolgreiches Segeln ist viel von der Vorbereitung abhängig. Es wird spannend sein, wie schnell er den Vorsprung der Konkurrenz aufholen kann und wie sehr sich die beiden Hochsee unerfahrenen dänischen Match Racer Wibroe und Sehested entwickeln.

Als schwächer war zuvor das junge US Team Alvimedica eingeschätzt worden. Aber mit dem Sieg im Inport Race ließen sie aufhorchen. Sie scheinen ihre Arbeit gemacht zu haben segelten mit soliden Manövern an die Spitze. Ob sie aber auch auf hoher See mit den alten Salzbuckeln mithalten können scheint fraglich.

Das mag man auch vom Dongfeng Team denken. Aber die Crew mit den chinesischen Farben ist alles andere als eine Exoten-Crew. Nur zwei Chinesen werden wohl erst einmal an Bord sein. Die restlichen Segler rekrutieren sich überwiegend aus der starken französischen Hochseeszene. Mit dem Skipper Charles Caudrelier und dem Schweden Martin Strömberg sind zwei Sieger von Groupama mit an Bord. Das Team hat früh gemeldet und zusammen schon mehr als 10.000 Trainingsmeilen gesammelt.

Und der Navigator Pascal Bidégorry ist kein geringerer als der ehemalige Skipper von “Banque Populaire IV” (jetzt “Spindrift”) dem größten und schnellsten Hochseekatamaran der Welt, mit dem er 2009 den 24 Stunden Rekord auf 908 Meilen festsetzte. Aus dem perfekten aggressiven Start beim Inport Race kann man ableiten, dass Dongfeng durchaus mit dem Anspruch eines Spitzenplatzes an den Start geht.

Einen erschreckend defensiven Eindruck machte das SCA Team beim Start des ersten ernsthaften Rennens. Die Frauen dürfen drei Crewmitglieder mehr mitnehmen, und das sollte eigentlich ausreichen, um körperlich sogar besser als die männliche Konkurrenz aufgestellt zu sein. Aber die jüngsten Auftritte im Vergleich zur Konkurrenz haben noch keinen Anlass zur Vermutung gegeben, dass die Frauen eine gute Rolle spielen können.

Volvo Ocean Race

Die Frauen vom SCA Team können richtig Gas geben. © Team SCA

Nur zwei Seglerinnen haben schon einmal an einem Volvo Ocean Race teilgenommen. Abby Ehler und die nominell stärkste Frau im Team Carolijn Brouwer, die 2001 Amer Sport Too skipperte und schon an drei Olympischen Spielen teilnahm.

Aber als Skipperin wurde die Britin Sam Davies nominiert, die zwar zwei Vendee Globe Rennen absolvierte, aber nicht wirklich auf Augenhöhe mit der männlichen Konkurrenz kämpfte.

Die beste Seglerin in engen Duellen ist die Amerikanerin Sally Barkow (35) als zweifache Match Race und Yngling Weltmeisterin zu Olympia-Zeiten. Einen ähnlichen Hintergrund hat noch die Britin Annie Lush (34), die 2010 Duell-Weltmeisterin wurde und 2012 Olympia Siebte.

Das Gros des Teams kommt aber aus dem Offshore Bereich so wie Dee Caffari, die als einzige Frau schon dreimal alleine nonstop um die Welt segelte. Es ist sicher ein ambitioniertes Experiment, die elf Frauen mit den verschiedensten seglerischen Erfahrungen zu einem schlagkräftigen Team zu formen. Aber es würde dem Volvo Ocean Race sicher einen enormen Boost geben, wenn das SCA Team eine wichtige Rolle spielen könnte.

Besonders spannend ist auch wie das neue Medienkonzept funktioniert, durch das die Fans noch mehr Anteil nehmen sollen. Die Übertragung des In Port Races hielt längst nicht, was die Anküdigungen versprachen. Aber vielleicht kommen erst auf hoher See die Neuerungen wie bessere Kamerpositionen und Mikrophone an Bord zum Tragen, die das dramatische Geschehen und noch intensiver transportieren sollen. Erneut hat jedes Team ein Medienbeauftragten an Bord, der nicht direkt in das Segeln eingreifen darf und sich nur um Bilder, Videos und Texte kümmert.

Eventseite Volvo Ocean Race

 

 

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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http://blueocean.berlin/magicmarine-team-werden/

6 Kommentare zu „Volvo Ocean Race: Start am Samstag um 14 Uhr – Das Rennen ist offen wie nie“

  1. avatar Jörg sagt:

    Vestas Go!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 11 Daumen runter 2

  2. avatar Hannes sagt:

    Die neuen Volvos sind zwar kürzer haben aber Aufgrund diverser Modifikationen, längere Kielfinne, längerer Bugspriet, etc. mehr Power als die Volvo 70 wie man ja schon beim Round Britain Race sehen konnte.
    Ich freue mich auf ein spannendes und ehrliches Rennen. Möge der Bessere gewinnen!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 1

  3. avatar Jörg sagt:

    Man hab ich nen Hals… Jetzt liege ich seit einer Woche flach, VOR Macht Werbung ohne Ende für das Live-Streaming des Starts ( endlich läuft was interessantes in der Glotze) und dann
    WEGEN RECHTEPROBLEMEN IN DEUTSCHLAND LEIDER NICHt MÖGLICH
    Falls hier jemand die Proxy Einstellungen für ExpatShield kennt kann er sie gerne mal posten…bekomme die gefaxte UK Adresse nicht zum laufen.

    Arrrrf!!

    Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 2

  4. avatar Jörg sagt:

    http://www.yacht.de/sport/volvo_ocean_race/so-sind-sie-live-beim-start-dabei/a92267.html

    Klappt aber leider auch nicht mit dem App…

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  5. avatar Sögler sagt:

    http://sailinganarchy.com/2014/10/11/the-countdown/
    ab ca. 11 min

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