Volvo Ocean Race: Streit mit holländischem Skandal-Skipper – Mapfre siegt bei Inport Race

"Bizarre Situation"

Mit dem Inport Race in Alicante ist es bei dem Volvo Ocean Race eine Woche vor dem Start schon ernst geworden. Aber ein Team bestimmt die Schlagzeilen mit jede Menge internem Ärger.

Das niederländische Team AkzoNobel war mit großen Ambitionen in die neue Auflage des Volvo Ocean Races gestartet. Es meldete zuerst, ließ sich das einzige neue Boot der VO65 Onedesign Klasse bauen, und schien bestens aufgestellt, da sich weitere Aspiranten mit ihren Meldungen lange zurückhielten.

AkoNobel-Skipper Simon Tienpont

Der abberufene AkoNobel-Skipper Simon Tienpont. © AkzoNobel

Es schien überraschend, dass Simeon Tienpont als Skipper das Vertrauen eines solch hochkarätigen Sponsors wie AkzoNobel erwerben konnte, denn der Holländer war tief in den Oracle-Skandal beim 34. America’s Cup in San Francisco verstrickt.

Gewicht-Manipulation

Der ehemalige Mitstreiter Matt Mitchell hatte im Rahmen einer Klage gegen Oracle beim Welt-Seglerverband Beschwerde gegen Tienpont eingelegt. Er wolle nicht alleine den Sündenbock spielen. Es soll ein von dem Holländer unterschriebenes Schriftstück geben, mit dem er Mitchell den Auftrag gibt, die verbotene Gewicht-Manipulation am AC45-Kat vorzunehmen. Der Vorwurf: Tienpont habe selber  mit Hand angelegt.

Alicante stopover. MAPFRE In-Port Race Alicante. Photo by Pedro Martinez/Volvo Ocean Race. 14 October, 2017.

Mapfre mit 49er-Taktik zum Sieg. © Pedro Martinez/Volvo Ocean Race

Aber Mitchell wurde nicht entlastet und Tienpont nicht belangt. Der Niederländer konnte seine Laufbahn beim Luna Rossa Team fortsetzen. Es war schnell Gras über die Sache gewachsen, und der Cup-Profi schien seine Karriere mit dem Volvo Ocean Race Engagement krönen zu können.

Er gründete die Firma Steam Ocean B.V. und schloss den Vertrag für das Management des Volvo Ocean Race Teams mit Sponsor AkzoNobel ab. Doch während des Prologs von Lissabon nach Alicante wurde der Vertrag aufgekündigt und Tienpont als Skipper entlassen. Das Inport Race fand ohne ihn an Bord statt.

“Schwerwiegender Vertragsbruch”

Das niederländische Team, bei dem Tienpont der einzige Niederländer an Bord ist, steht wenige Tage vor dem Etappenstart Richtung Kapstadt ohne Skipper dar. Bei AkzoNobel heißt es: Es soll zu einem so “schwerwiegenden Vertragsbruch” gekommen sein, dass man ihm das Team-Mangement entzogen habe. Die weiterführende Arbeit als Skipper habe Tientpont abgelehnt.

Alicante stopover. MAPFRE In-Port Race Alicante. Photo by Ainhoa Sanchez/Volvo Ocean Race. 14 October, 2017.

Die Situation am ersten Luv-Gate. Mapfre hat schon gerundet. © Ainhoa Sanchez/Volvo Ocean Race

Zuerst war nicht klar, was genau der Vertragsbruch beinhaltet. Aber nun lässt der Skipper gegenüber einheimischem Medien durchblicken, dass es um die Zahlung der Crewgehälter gehe. Nicht er sondern AkzoNobel habe den Vertrag gebrochen, indem er nun seinen Seglern ihnen zustehende Einkünfte in den nächsten Monaten nicht mehr gewähren könne. Andererseits könne es auch um eine “kleine Überziehung” des Budgets gehen wegen eine “Sicherheits-Sache”. Er habe sich aber immer zu 100 Prozent transparent gegenüber dem Sponsor verhalten.

Gerne würde er als Skipper weitermachen. Es ist aber noch völlig offen, wie es weiter geht. Schon kam der ex Camper- und Vestas-Skipper Chris Nicholson in Betracht, weil er ein Flugzeug Richtung Europa bestiegen hat. Er ist für das gleichzeitig am Wochenende startende Middle Sea Race gebucht.

Tatsächlich ist der schnelle Ersatz nicht besonders einfach. Denn ein neuer Skipper muss über eine Vielzahl von aktuellen Zertifikaten verfügen, die aus Sicherheitsgründen für das Volvo Ocean Race notwendig sind.

Rückendeckung von der Crew?

Auch ist fraglich, ob Tienpont tatsächlich die vollkommene Rückendeckung von seiner Crew bekommt. So wird Konkurrent Bouwe Bekking (Brunel) vom belgischen Medium ClubRacer wie folgt zitiert: “Tienpont ist ein sehr guter Segler, hat aber nie ein Team geführt. Das ist ziemlich anders. Er hat gute Segler ausgewählt, die aber auch sehr mit ihren Ellenbogen arbeiten. Es ist eine bizarre Situation so kurz vor dem Start und schlecht für den holländischen Segelsport.”

Knapper Cross vor dem Wind. Vestas passiert ohne Vorfahrt knapp vor Scallywag. © Ainhoa Sanchez/Volvo Ocean Race

Es ist kein Geheimnis, dass es schon während der Vorbereitung im Team gekriselt hat. Der amtierende Sieg-Skipper und Beobachter Ian Walker spricht von einer “desorganisierten” Trainingsphase des AkzoNobel Teams. Nur die Spitze des Eisbergs war offenbar der Abgang von Annemieke Bes, einer der besten niederländischen Seglerinnen überhaupt.

Die 39-jährige dreifache Olympia-Teilnehmerin (Silber 2008) ist nach der Vorbereitung mit AkzoNobel zum Scallywag-Team aus Hong Kong gewechselt und dort die einzige Frau. Tienpont machte bei ihr eine “natürliche Erschöpfung im Zusammenhang mit der Konstruktion eines professionellen Segelteams” für den Abgang verantwortlich.

Aber Bes macht keinen Hehl daraus, dass sie sich mit ihrem Landsmann nicht verstand und im Team nicht gut aufgehoben fühlte. Der aktuelle Streit bei AkzoNobel ist für sie offenbar keine Überraschung. “Loyalität in diesem Team? Kein Kommentar.” So äußert sie sich in lokalen Medien.

Olympiasiegerin Martine Grael an Bord

 

Es bleibt spannend, in welcher Konstellation AkzoNobel am Wochenende an den Start geht, um gleich die erste harte Etappe zu bewältigen. Immerhin werden einige große Namen noch auf der Crewliste geführt.

So will sich 49er Olympiasiegerin Martine Grael (BRA) ihre Hochsee-Sporen auf dem blauen Boot verdienen und der Nicolai Sehested, Match Race-Spezialist aus Dänemark, möchte sein Crash-Trauma mit dem Vestas Team beim vergangenen Volvo Ocean Race überwinden. Der sechsmalige Volvo-Teilnehmer und dreimalige Sieger Brad Jackson (AUS) steht für Erfolg wie auch Navigator Jules Slater (GBR), Sieger 2009.

Aber das Inport-Race verlief für das kriselnde Team genauso, wie man es wohl befürchten musste. Nach dem schlechtesten Start der Flotte segelte es auf den vorletzten Rang. Dabei war der Prolog mit Platz drei noch einigermaßen vielversprechend verlaufen.

Mapfre bestätigt Favoritenrolle

Im Gegensatz dazu entwickelt sich das spanische Mapfre Team immer heißer als Favorit. Ein perfekter Plan mit einem bestens ausgeführten Steuerbord-Start knapp hinter dem Feld war der Schlüssel zu einem ungefährdeten Sieg.

Möglicherweise konnte 49er-Olympia und America’s Cup-Sieger Blair Tuke seinen Einfluss schon geltend machen. Im olympischen Skiff startet oft die Hälfte der Flotte mit Wind von Backbord hinter dem restlichen Feld, um eine freie Spur auf die rechte Seite zu erhalten. Diese Taktik funktioniert immer dann, wenn eine Wende im Vergleich zum Speed des Bootstypes einen großen Weg- und Zeitverlust bedeutet.

Ein extrem schwacher Start von Brunel am Startschiff begünstigte die Mapfre Taktik. Die Spanier konnten vor dem Bug passieren bevor Bouwe Bekking sein Schiff in Fahrt gebracht hatte.

Der Rest der Flotte offenbarte dagegen teilweise erschreckende taktische Defizite beim ungewohnten Kurzrennen. Die sind auch nicht unbedingt wichtig, aber immerhin können die Punkte am Ende bei Gleichständen die Gesamtwertung entscheiden.

Dongfeng profitierte von einer schlecht platzierten Brunel-Wende. Bekking fiel dadurch von Rang zwei auf sechs zurück. Dee Caffari dagegen war nach sehr gutem Start unglaublich langsam und segelte chancenlos hinterher.

 

 

 

 

Ergebnisse InPort-Race Alicante

1 – MAPFRE 🇪🇸. Skipper, Xabi Fernández 0:54:41 
2- Dongfeng Race Team 🇨🇳. Skipper, Charles Caudrelier  +1:28 
3- Vestas 11th Hour Racing 🇺🇸. Skipper, Charlie Enright  +2:19 
4- Team Brunel 🇳🇱. Skipper, Bouwe Bekking +2:35
5- Team Sun Hung Kai/Scallywag 🇭🇰. Skipper, David Witt +3:29 
6 – team AkzoNobel 🇳🇱. Skipper, to be announced +3:52 
7 – Turn the Tide of Plastic 🇫🇲. Skipper, Dee Caffari +5:07 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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