Volvo Ocean Race: Vestas auf dem Weg nach Italien – Comeback als Marketing-Maßnahme

"Großes Comeback" gewünscht

Der havarierte Volvo65 vom Vestas Team ist per Frachter auf dem Weg nach Genua. Die Wiederkehr zum Volvo Ocean Race für die vorletzte Etappe macht eigentlich wenig Sinn, passt aber in das Marketing Konzept.

Vestas Unglück

Vestas kommt in Kuala Lumpur an und wir mit einem Gestell von Bord gehievt. © © Rick Deppe / Volvo Ocean Race

Während sich die Volvo Ocean Race Flotte an der pakistanischen Küste vorbei hangelt, hat das Vestas Team ganz andere Aufgaben zu lösen. Die Überreste ihrer Yacht sind in Kuala Lumpur angekommen und nun auf den Frachter “Stockholm” verladen worden. Am 25 Januar soll er in Genua ankommen.

Das Kranen war kompliziert, da die verbliebene acht Tonnen schwere Struktur nicht mehr zusammenhält. Ein spezielles Gestell musste gebaut werden, um die Lasten zu verteilen und den Rumpf im Kran ausbalancieren zu können.

Transport nach Bergamo

Bootsbauer der italienischen Werft Persico Marine, in Nembro bei Bergamo, sind vor Ort, um die Operation zu überwachen. Der Rumpf wird nach Italien gebracht, wo er in der Form von Persico zur funktionierenden Rennyacht wiederbelebt werden soll.

Der Weg im Hafen wird per LKW zurückgelegt.

Der Weg im Hafen wird per LKW zurückgelegt.

Persico hat als Teil eines Bootsbau Konsortiums für das Volvo Ocean Race alle VO65 Rümpfe nach dem Design von Bruce Farr gefertigt. Zuvor hatte die Werft 2010 den Volvo Ocean Racer vom Abu Dhabi Team gebaut wie auch die die italienischen America’s Cupper von Il Moro di Venezia (1992) und Luna Rossa (2007).

70 bis 80 Prozent des Decks ist noch intakt. Wie viel vom Rumpf benutzt werden kann ist noch nicht klar, da die Strukturen genau per Ultraschall auf innere Bruchstellen untersucht werden müssen. Ein kompletter Neubau wäre teurer geworden und hätte länger gedauert. So ist ein Wiedereinstieg in das Rennen zur vorletzten Etappe beim Start am 16. Juni in Lissabon geplant.

Sportlich sinnlos

Sportlich Sinn macht das nicht. Für die Gesamtwertung kann Vestas keine Rolle mehr spielen auch wenn die Beteiligten im besten Falle sogar einen Einstieg Mitte Mai zur siebten Etappe nicht ausschließen. Die Geschichte des Comebacks ist eine reine Sponsoring-Maßnahme.

Vestas schwebt auf den nächsten Frachter der nach Genua fährt.

Vestas schwebt auf den nächsten Frachter der nach Genua fährt.

Daraus macht Vestas Sprecher Morten Albaek auch keinen Hehl. Die Verträge der Team-Mitglieder bleiben bestehen. Sie sollen Trainingsmaßnahmen absolvieren, um fit für den Wiedereinstieg zu sein.

Albaek unterstreicht überraschend offen, dass die Geschichte für ihn keinen Wert hat, wenn sie auf dem Riff vor Mauritius geendet hätte. “Aber nun können wir viel Reputation und Markenwert gewinnen”, sagt der Däne in Abu Dhabi. “Doch ich muss betonen, dass ein Comeback nur groß ist, wenn niemand glaubt, dass es gelingen kann.”

Wenn das Comeback nicht funktioniere, werde der Markenname Vestas mehr für das Stranden auf einem Riff in Erinnerung bleiben als für das Segeln. “Aber jetzt können wir  einen großen Wert für uns generieren indem wir eines der größten Comebacks der vergangenen Jahrzehnte im Segelsport der schaffen.”

Mit Gewalt Geschichte schreiben

Albaek hat sicher Recht, wenn er den Mechanismus der Außenwirkung des Vestas Unglücks beschreibt. Schon jetzt hat er eine Aufmerksamkeit für seine Marke bekommen, von der er vor dem Start des Rennens nicht träumen durfte.

Aber es ist wohl etwas ungeschickt, so darüber zu reden, dass die Wiederkehr des Vestas Teams nichts weiter als eine Marketing Überlegung ist. Es geht immer noch um eine Sportveranstaltung und dafür macht die Rückkehr keinen Sinn. Vestas kann sich vom letzten Platz nicht mehr verbessern. So geht es doch etwas offensichtlich allein darum, mit Gewalt Geschichte schreiben zu wollen.

Der Gewaltakt ist eigentlich nur dann sinnvoll,  wenn Vestas den Wiedereinstieg als Trainingsmaßnahme für einen neuerlichen Anlauf beim folgenden Volvo Ocean Race verkauft. Aber davon ist bisher keine Rede.

 

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Carsten Kemmling

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7 Kommentare zu „Volvo Ocean Race: Vestas auf dem Weg nach Italien – Comeback als Marketing-Maßnahme“

  1. avatar Alex sagt:

    Beim Sponsoring geht es doch immer um die Marke.

    Ich finde den Schritt gut. Hätten sie hie reine Sportgeschichte verkauft, die hätte ihnen doch keiner abgenommen.
    Im Gegenteil, da würde doch in allen Ecken wie wild über die wahren Motive diskutiert und gemutmaßt werden.
    So ist die Katze aus dem Sack und jeder weiß um was es geht.

    Den Wiedereinstieg als Trainingsmaßnahme für einen neuerlichen Anlauf beim folgenden Volvo Ocean Race zu verkauft, das würde zu solch einem frühen Zeitpunkt auch keiner ernsthaft glauben.

    Ich finde es gut von Vestas, tacheles zu reden.

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  2. avatar o nass is sagt:

    Klar geht es hier um die ‘Marke’. Das ganze Ding dreht sich ja nur um die Bewerbung von Leistung oder Unternehmen (z.B. Volvo, komisch, heisst ja auch noch so…).
    Nun stelle man sich mal vor, Vestas gewinnt noch ein Leg (sind ja eigentlich keine Volldödel im Team, könnte möglich sein). Damit ist doch die Legendenschreibung offen (Motto: ‘Was wäre, wenn?’). Insofern – gut, dass sie es machen.

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  3. avatar Holger Jess sagt:

    Die Teilnahme von Chris Nicolson zwischenzeitlich bei der 505er WM in Port Elizabeth in RSA Ende März
    bleibt aber nicht ausgeschlossen, denn dann schlossern die Jungs bei Persico in ITA (viele Kiwi´s die dort arbeiten) ja fleissig an Neuboot
    Da wir erst am 15.2. den Container zur WM nach RSA zur WM verladen (und Platz hat der noch) bleiben noch Optionen einen 505er mitzuschicken und bereits von Mauritius aus nach der Bergung der Crew mailte mir Nico: “well Mate as ironic as it is…. there are some options now for 505 Worlds…. ”
    Das was VESTAS jetzt macht ist doch bestes Beispiel für Recycling und für erneuerbar oder… ?
    passt also

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 8 Daumen runter 10

    • avatar Marc sagt:

      Was passiert wenn man auf mehreren Hochzeiten tanzt und mal eben “nebenbei” eine Nacra Olympia Kampagne fährt haben wir ja bei Mapfre und Iker Martinez gesehen.
      Hoffen wir also das Chris Nicolson sich nicht zu sehr ablenkt. Ist ja aber auch zum Glück nur eine 505er WM 🙂

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  4. avatar Chris vom Südsee sagt:

    Ich denke, es geht hier sportlich auch nicht nur um den Gesamtsieg. Auch die Sieger der einzelnen Legs werden gebührend und ausreichend gefeiert. Man kann es eher wie einzelne Grand Prix bei der Formel 1 vergleichen, die zwar im Gesamt die WM entscheiden, aber doch auch für sich selbst stehen.

    Außerdem: Der 1. strategische Markt für Vestas ist und bleibt sicherlich Europa. Da ist es aus “Return on Investment” – Gesichtspunkten nahezu unvermeidbar, an den europäischen Legs nicht teilzunehmen.

    Dass die Aktion sportlich keinen Sinn macht, finde ich daher nicht. Jede Stunde eines Segler auf diesem Boot bringt etwas, da die VOR65 ja genau so (oder mit leichten Änderungen) für die nächsten VOR Editionen konzipiert wurden.

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  5. avatar VOR-Experte sagt:

    Darum geht’s

    “ Vestas is known for overcoming big challenges. We now have the opportunity to perform one of the biggest comebacks in sailing and prove to the world what Vestas and Team Vestas Wind are capable of accomplishing.”

    http://www.teamvestaswind.vestas.com/blog/2015/januar/team-vestas-wind-aims-to-rejoin-volvo-ocean-race

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  6. avatar Ydun sagt:

    Weiß jemand was aus dem Mast von VESTAS geworden ist. In den Videos ist er plötzlich nicht mehr da. Habe mich gefragt wie die Palme ohne Schaden gelegt wird. Ich bekomme das Gefühl die Jungs haben das Ding auf dem Riff gelassen. Das passt aber nicht zur Aussage, dass man Stolz darauf ist ALLES aufgeräumt zu haben. Auch die Kielfinne ( nicht leicht ohne Kran zu bewegen) taucht nicht mehr auf. Hat man nur das mitgenommen, was man noch brauchen kann?

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