Volvo Ocean Race: Vestas Crew von Felsen geborgen – Alvimedia Navigator erklärt Situation

Hoch und trocken

Die Vestas Crew hat ihr Schiff beim Volvo Ocean Race aufgegeben und ist zur Insel Íle du Sud transportiert worden. Alvimedica Navigator Will Oxley hatte den Kurs der Freunde mit Sorgen beobachtet.

Vestas aufgelaufen

Hoch und trocken. Vestas gibt ein trauriges Bild ab. © Amory Ross/Team Alvimedica/Volvo Ocean Race

Vestas Skipper Chris Nicholson und seine acht Mitsegler haben sich von Bewohnern der zu Mauritius gehörenden Cargados-Carajos-Inseln von ihrem trockenen Stück Felsen abbergen lassen, zu dem sie nach dem Auflaufen mit Vestas gewatet waren.

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268 nördlich von Mauritius liegen die Cargados Carajos Inseln, der Kraterrand eines versunkenen Vulkans. © mauritiusattractions

Sie wurden zu einem kleinen Fischerei-Stützpunkt auf der Insel Íle du Sud gebracht und planen jetzt die ihr eigenes Abbergen sowie eine mögliche Rettungsoperation für das schwer beschädigte Schiff, das hoch und trocken auf dem Riff liegt.

Ein erstes Statement zu dem Unglück kommt von Alvimedica Navigator Will Oxley, der mit seiner Crew in sicherer Entfernung von der Untiefe die Rettungsmaßnahmen überwacht hatte. Er sagt, dass er kurz vor dem Auflaufen mit seinem Medienmann Amory Ross über die Gefahr gesprochen hat.

Vestas aufgelaufen

Mit Entsetzen verfolgt die Alvimedica Crew das Geschehen auf dem Riff. © Amory Ross/Team Alvimedica/Volvo Ocean Race

“Wir waren schon ziemlich nervös”, sagt Oxley im Gespräch mit dem Volvo Ocean Race Hauptquartier bezogen auf die Kursführung der voraus segelnden Vestas. “Wir hatten intern viel über diese Riffs gesprochen, und gerade hatte ich auch mit Amory darüber geredet. Ich sagte, lies das über die Kante des Riffs. Da steht, man sollte unter keinen Umständen nahe dran vorbeifahren.” 15 Minuten danach kam der Anruf vom Race Control Center, in dem das Unglück mitgeteilt wurde.

Es ist tatsächlich sehr erstaunlich, wie Vestas Navigator Wouter Verbraak dieses Missgeschick passieren konnte. Man kennt solche extremen Grundberührungen eher aus der Einhandszene, wenn die Segler im übermüdeten Zustand Fehler begehen oder schlafend auf einen Felsen brummen.

Auflaufen von Bouwe Bekking

Aber auch das Auflaufen von Bouwe Bekking beim Volvo Ocean Race 2009 mit Telefonica Blue bei der Etappe von Marstrand nach Stockholm kommt in den Sinn. Aber damals handelte es sich um eine extrem kurze Etappe, bei der das Feld sehr dicht zusammen segelte. Unter Druck ist mal wohl eher gewillt, etwas enger an eine Untiefe heranzusegeln als es normal der Fall wäre.

Bekking aufgelaufen

Bouwe Bekkings Unglück 2009 mit Telefonica Blue auf einem Felsen vor Schweden. © Volvo Ocean Race

Diese Situation hat aber für Vestas nicht bestanden. Der Anschluss zu den Top Vier war längst verpasst mit einem Rückstand von 110 Meilen und Alvimedica lag auf Rang fünf mehr als 40 Meilen zurück. Da besteht eigentlich keine Notwendigkeit, eng an Riffen vorbeizusegeln. Eine offizielle Aussage gibt es dazu noch nicht von Vestas.

Verbraak hatte auf der ersten Etappe mit unorthodoxen Linienführungen beeindruckt und war in einer Umfrage von vielen Kollegen als bester Navigator auf diesem Abschnitt gesehen worden. Auf der zweiten Etappe konnte er noch nicht glänzen hielt sein Team aber lange in der Spitzengruppe, bis es dann gemeinsam mit Alvimedica zurückfiel.

Schwerer Fauxpas

Der Fauxpas wird dem Holländer schwer im Magen liegen. So muss es Torwarten nach einem schweren Fehler gehen. So etwas hängt einem lange an. Allerdings besteht kein Grund, dass Verbraak nicht zurückkommen könnte. Der verantwortliche Navigator beim Telefonica Blue Desaster vor Schweden war Simon Fisher. Er segelt diesmal auf Abu Dhabi und hat sein Team nach dem Etappensieg erneut in die Führungsposition navigiert.

Die große Frage ist nun, ob die Yacht von dem Felsen gerettet werden kann. Immerhin ist das Rigg intakt geblieben. Schwierig wird es allerdings sein, die Ressourcen bereitzustellen, um auch im Rettungsfall rechtzeitig die notwendigen Reparaturen ausführen zu können. Ein Totalausfall des Schiffes wäre eine traurige Nachricht für alle Fans des Volvo Ocean Races.

Vestas Rettungsboot

Das “Rettungsboot” erreicht Alvimedica und die Crew erkundigt sich über die Lage, bevor es die Vestas Segler vom Felsen holt. Gut, dass der Wind nicht stärker weht.

An der Spitze des Feldes hat es derweil auch eine erstaunliche Bewegung gegeben. Mapfre hat seine Führungsposition offenbar bewusst aufgegeben für einen extremen Abstecher gen Osten. Eine erstaunliche Entscheidung, denn die drei direkten Gegner sind nicht mitgegangen.

Die Rettungsaktion:

Vestas aufgelaufen

Beim ersten Sonenlicht erkennt die Alvimedica Crew die gestrandeten Freunde. © Amory Ross/Team Alvimedica/Volvo Ocean Race

 

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „Volvo Ocean Race: Vestas Crew von Felsen geborgen – Alvimedia Navigator erklärt Situation“

  1. avatar Bjørn sagt:

    Carbonmast fuer Volvo65 zu verkaufen, nur Selbstabholung?
    vg Bjørn

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 4

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