Volvo Ocean Race: West oder Ost? Die Frage ist entschieden – Kritische Situation für Mapfre

Spiel ist wieder offen

Bei Vollmond durch die Nacht Surfen:

Der 70-Meilen-Split des vergangenen Tages war einer der spannendsten Momente dieses Volvo Ocean Races. Er hat das Rennen wieder geöffnet. Denn es gibt einen großen Verlierer.

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Die Brunel Drohne begutachtet Turn The Tide im Zweikampf bevor sie sich auf unterschiedliche Routen begeben. © Yann Riou/Volvo Ocean Race

Die vierte Etappe des Volvo Ocean Races hätte sich für das in der Gesamtwertung souverän führende Mapfre Team eigentlich kaum frustrierender entwickeln können. Erst war es dominant wie ein echter Champion Richtung Hong Kong gestartet und hatte schon fast so etwas wie Langeweile aufkommen lassen, als Vestas nahezu mühelos überholt werden konnte.

Aber dann verbissen sich die Spanier in den erwarteten Zweikampf mit Dongfeng, verloren diesen, mussten auch noch einen Großteil des Feldes passieren lassen und sahen sich plötzlich neben der eher schwächer eingeschätzten Scallywag.

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Franck Cammas hat den Dongfeng Kartentisch für einige Zeit am Ruder verlassen. Hat sein Input die Führung gebracht? © Martin Keruzore/Volvo Ocean Race

Einem guten Schlag gen Norden, bei dem sie Dongfeng wieder einsackten, folgte ein weiteres Bord-an-Bord-Duell mit AkzoNobel, das erstaunlicherweise ebenfalls verloren ging. Und schließlich segelte auch noch Vestas vorbei. Die bisherige Speed-Überlegenheit ist bei den moderaten Vorwind-Bedingungen verschwunden. Immerhin fiel Dongfeng auf Platz vier zurück und Vestas blieb auch in Reichweite.

Warum ließ Mapfre Dongfeng ziehen?

Das waren die psychologischen Vorbedingungen für den erstaunlichen Split, den Mapfre besonders gegenüber Dongfeng, dem vermeintlich härtesten Gegner, zugelassen hat. Dabei spielte auch die Situation in der Gesamtwertung eine große Rolle.  Denn Vestas liegt gleichauf mit Dongfeng sechs Punkte zurück.

Da gibt es nichts Schlimmeres für den Führenden, wenn sich die beiden härtesten Verfolger in deutlich unterschiedliche Richtungen voneinander wegbewegen. Und genau das passierte. Mapfre musste sich entscheiden, einen Gegner zu begleiten.

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Die Ost-Option hat gestochen. Dongfeng, AkzoNobel und auch Turn The Tide passieren klar vor Vestas (orange) und Mapfre (weiß)

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Das trotz des späten Skipper-Wechsels bei dieser Etappe stark segelnde Vestas Team favorisierte offenbar im Gegensatz zu Dongfeng und der führenden AkzoNobel die West-Route.

Dort sollte unter Land der Wind zwar leichter als draußen sein aber dafür vorteilhaft drehen. Akzo-Wachführer Chris Nicholson verdeutlichte, dass insbesondere die Strömung eine große Rolle spielt. “Wir haben schon mehr als eine Woche einen Stromwirbel beobachtet, der bei entsprechender Wind-Entwicklung von Vorteil sein könnte.” (Conrad Colman erklärt die Strömungssituation)

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Beste Aussichten für Turn The Tide mit neuem Navigator. © Brian Carlin / Volvo Ocean Race

Dieser hat nun offenbar die Entscheidung zwischen den beiden Optionen gebracht. Während die Kommentatoren im Volvo Ocean Race Hauptquartier lange Zeit Vestas und Mapfre im Westen als Gewinner der Situation prognostizierten, steht nun fest, dass die Ost-Entscheidung gegriffen hat. Dongfeng passierte in Führung liegend Mapfre gleich um mehr als 40 Meilen.

Gefährliche Situation

Es ist eine gefährliche Situation für die Spanier. Denn auch AkzoNobel liegt auf Platz zwei nur drei Meilen hinter Dongfeng schon außerhalb der Schlagdistanz,  Turn The Tide mit dem neuen britischen Navigator Brian Thompson passierte zehn Meilen voraus, und Fernandez verlor auch das direkte Duell gegen Vestas. Bei der aktuellen Konstellation würde Dongfeng fünf der sechs Punkte Rückstand aufholen. Der Kampf um den Gesamtsieg wäre wieder völlig offen.

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Der Chinese Chen (Horace) Jinhao am Grinder auf Dongfeng. © Martin Keruzore / Volvo Ocean Race

Aber es sind noch 4700 Meilen bis Hong Kong zu absolvieren. Gelingt Mapfre das Comeback?

Tracker Volvo Ocean Race

Dongfeng Slowmotion:

Brunel Drohne besucht Turn The Tide:

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Vestas hält Mapfre in Schach. © Amory Ross / Volvo Ocean Race

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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