Volvo Ocean Race: Wie Dongfeng den Fehler ausbügeln will – für 24 Stunden unsichtbar

Weiße Weihnacht?

Beim Volvo Ocean Race hat sich zwei Tage vor Etappenende noch einmal eine spannende Situation ergeben. Dongfeng ist für den letzten Angriff in den Stealth Mode gegangen. Geht da noch was?

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Weiße Weihnacht auf Dongfeng? © Martin Keruzore/Volvo Ocean Race

Am 19. Dezember um 12:23 Uhr zählte Dongfeng-Navigator Pascal Bidegorry eine weitere der unzähligen Halsen an (Video), und es schien “Business as usual”. Ein weiteres Deckungsmanöver zu den achteraus liegenden Spaniern, die sich einfach nicht mit dem zweiten Platz begnügen wollten? Nein, diesmal war es eine Halse gen Norden, weg von der verbotenen Eis-Linie, weg vom Gegner.

Das Manöver generierte einen Nord-Süd-Split von 33 Meilen. Eine gefährliche taktische Situation. Würde sich die erwartete Winddrehung für Dongfeng mit einem besseren Winkel auszahlen, oder der stärkere Wind im Süden für Mapfre?

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Magischer Moment im Southern Ocean für Turn The Tide. Jeremie Lecaudey/Volvo Ocean Race

Als sich die Boote schließlich auf einem Kurs mit zehn Meilen Abstand zueinander positionieren und den direkten Weg gen Osten aufnehmen, ist der geringe Vorsprung von Dongfeng aufgebraucht. Schlimmer noch für Caudrelier und Co, der permanent etwas stärkere Wind nahe der Eisgrenze erlaubt es Mapfre, die Führung zu übernehmen und bis auf zehn Meilen davon zu ziehen.

Nun ist es klar, dass Dongfeng wie schon bei der zweiten Etappe einen entscheidenden taktisch-navigatorischen Fehler beging, der nach der folgenden Halsen-Offensive der Spanier einen Rückstand von 30 Meilen gebracht hat.

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Mapfre liegt nach der Halsen-Offensive klar voraus…

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…Der Grund für die vielen Halsen war der stärkere Wind nahe an der Eisgrenze im Süden.

Die Stimmung dürfte nicht gut sein an Bord von Donfgeng. Noch hat sich niemand vom Team zu dem groben Schnitzer geäußert, der vermutlich diese Etappe zugunsten von Mapfre entschieden hat. Es ist aber auch noch nicht vorbei.

Die letzte Chance für Dongfeng

Eine Chance hat Dongfeng noch. Caudrelier spielt die Stealth-Karte. Das heißt: Das rote Schiff verschwindet für 24 Stunden von den Trackern der Gegner. Der eigene Kurs kann also dem Konkurrenten nicht angepasst werden.  Jedes Boot darf diese Möglichkeit einmal pro Etappe nutzen, aber bisher hat es den jeweiligen Teams nichts gebracht. Wird es diesmal anders?

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Kurz vor dem Stealth Mode ist Dongfeng nach Norden gehalst. War das nur ein Täusch-Manöver? Mapfre ist jedenfalls mitgegangen.

Die Situation scheint wie gemacht für die Stealth-Maßnahme. Offenbar sind entsprechend der Wettervorhersage zwei stark differierende Kurse möglich. Der Nord-Süd-Split zwischen den optimalen Routen könnte bis zu 450 Meilen betragen. Dongfeng hat kurz vor dem Unsichtbar-Werden eine Halse nach Norden ausgeführt, und dahin segelt auch Mapfre. Ist Caudrelier nun wieder zurück geschwenkt?

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Optimale Stealth-Situation: Die vorhergesagten Kurse der Routenprogamme differieren stark. Folgt das unsichtbare Dongfeng-Team der Süd-Route?

Es ist eine letzte schon etwas verzweifelte Chance. Denn 30 Meilen Rückstand sind für Dongfeng in drei Tagen bis zum Ziel im normalen direkten Zweikampf-Modus kaum aufzuholen. Dafür ist Mapfre zu gut. Jetzt müssen sie auf Rasmus vertrauen – oder auf ein mögliches Wunder am Heiligabend.

Martine Grael, Volvo Ocean Race

49er Olympiasiegerin Martine Grael (AkzoNobel) hat eine besondere Art gefunden, mit den widerspenstigen Haaren umzugehen. © James Blake/Volvo Ocean Race

Hinter den beiden Spitzenreitern hat sich der Zweikampf um Rang drei noch einmal verschärft. Brunel liegt nur noch 20 Meilen hinter Vestas. Da könnte es noch einmal kurz vor dem Ziel knapp werden.

Weiter achteraus hadern die Teams mit ihrem Schicksal. Besonders AkzoNobel ist von einer Leichtwind-Zone eingeholt worden. 49er-Olympiasiegerin Martine Grael erfreut sich zwar an einer Herde von gut zehn Zwergwalen, die das Schiff verfolgen (Video), aber ansonsten wurde das blaue Boot nach seinem Mast-Schaden schwer gebeutelt. Es wird erst drei Tage nach den führenden Booten im Ziel erwartet. Da bleiben an Land wohl nur noch drei Tage Zeit bis das Inport-Race startet und fünf Tage bis zum nächsten Etappen-Start Richtung Hong Kong.

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Vestas wieder im Starkwind-Modus. © Sam Greenfield/Volvo Ocean Race

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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