Volvo Ocean Race: Conny van Rietschoten (87) ist gestorben

Farewell Fliegender Holländer

Van Rietschotens Zweikampf mit Peter Blake:

Er war der einzige Skipper, der das (heutige) Volvo Ocean Race zweimal hintereinander gewann. Conny van Rietschoten starb gestern im Alter von 87 Jahren.

Reitschoten, Nachruf, Volvo Ocean Race

Conny van Rietschoten, der “fliegende Holländer”, starb im Alter von 87 Jahren © van der Wal

Er war der wohl bekannteste niederländische Hochseesegler und wurde von unseren segelbegeisterten Nachbarn wie eine Ikone verehrt: Conny van Rietschoten starb gestern nach einem Schlaganfall im Alter von 87 Jahren. Seine Segelkarriere wurde sogar in Schulbüchern thematisiert, über seine Segelabenteuer berichteten unzählige Presseartikel und TV-Sendungen.

Der kernig wirkende Niederländer betrachtete „schnelles Hochseesegeln“ als pures Abenteuer und „nicht als Wissenschaft“ – er galt als einer der letzten Seebären der „alten Schule“ und dennoch als Pionier in der modernen Hochsee-Regattaszene.

Volvo Ocean Race

Mit der “Flyer I” gewann van Rietschoten die zweite Ausgabe des Whitbread-Races © Luitweiler

Als erfolgreicher Geschäftsmann suchte van Rietschoten im besten Midlife-Crisis-Alter nach neuen Herausforderungen im Leben. Als 45-Jähriger verkaufte er den Elektrotechnik Familienbetrieb und hatte damit das nötige Kleingeld, um sich intensiv der zweiten Ausgabe des Whitbread-Round-the-World-Race (heute Volvo Ocean Race) 1977/78 zu widmen.

Er skipperte die „Flyer I“, die von ihm selbst finanziert wurde, zu einem fulminanten Sieg und kam vier Jahre später auf der „Flyer II“ wieder an die Startlinie der Rundum-Regatta. Der „visionär“ denkende Van Rietschoten leistete sich als einziger Skipper der Regatta eine Mannschaft, die ausschließlich aus jungen, aber professionellen Seglern bestand.

Grant Dalton mit dabei

Kein Freundschafts- oder Verwandten-Gekungel, sondern ein Team, das schnell segeln sollte – und sonst nichts. Unter ihnen waren (spätere) Stars wie Grant Dalton, Joey Allen und Erie Williams. Auch diese „Whitbread“ gewann Rietschoten auf seiner „Flyer“, wenn auch mit gewissen Schwierigkeiten.

"Flyer II" mit Team-Member Grant Dalton © Pickthall

“Flyer II” mit Team-Member Grant Dalton © Pickthall

Von dieser Regatta stammen Erlebnisse, die van Rietschoten bald den Status einer Legende einbrachten: Während des gesamten Rennens lieferte sich die niederländische „Flyer II“ enge Positonskämpfe mit den neuseeländischen Konkurrenten auf der „Ceramco“.

Im Southern Ocean erlitt van Rietschoten einen Herzinfarkt, den er nur knapp überlebte. Der nächste Hafen war 10 Tagesreisen entfernt, der Arzt an Bord war kein Herzspezialist. Aber an Bord der „Ceramco“ segelte ein Kardiologe mit. Doch van Rietschoten verbot seiner Crew, die Neuseeländer zu kontaktieren. Er erzähl später: „Die Kiwis saßen uns im Nacken und wenn sie von meinen gesundheitlichen Problemen gehört hätten, wären sie nur noch weiter ans Limit gegangen und hätten uns überholt!

Nur die ersten 24-36 Stunden sind nach einem Herzinfarkt kritisch, danach geht’s schon irgendwie. Wenn ich gestorben wäre, hätte man mich auf See beerdigt. Am besten wäre gewesen, wenn mein lebloser Körper, der an ihrem Schiff vorbei treibt, das Erste gewesen wäre, was sie von meinem Infarkt gesehen oder gehört hätten!“

“Goodbye Conny – gone, but never forgotten!”

Seit den Achtzigerjahren wird  die „Conny van Rietschoten-Trophy“ verliehen, die bezeichnenderweise der beste Segler der Niederlande erhält.

Volvo Ocean Race, Nachruf, van Rietschoten

Markant im Stil der Siebziger unterwegs: Conny van Rietschoten während der Whitbread © Pickthall

Grant Dalton, mittlerweile selbst eine Segel-Legende, charakterisiert van Rietschoten in einem Nachruf als den Hochseesegler mit dem wohl größten Einfluss auf die spätere Szene. „Er war es, der erstmals ausschließlich professionelle Crews an die Startlinien brachte. Und er war ein wunderbarer Skipper: Knallhart, aber er ließ uns dennoch eine Menge Spielraum. Er gab Typen wie mir die Chance, ganz vorne mitzumischen und er leitete uns wunderbar an! Sein Bild hängt an meiner Wand direkt neben dem Bild von Peter Blake.  Conny war ein Mann, der bei uns allen höchsten Respekt genoss. Goodbye Conny – gone, but never forgotten!“

Van Rietschoten siegt überraschend beim zweiten Whitbread gegen Favorit Robin Knox Johnson:

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Michael Kunst

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2 Kommentare zu „Volvo Ocean Race: Conny van Rietschoten (87) ist gestorben“

  1. avatar Malte sagt:

    R.I.P. Conny, Leute wie Dich braucht es, um zu realisieren, das es mehr braucht als coole Kleidung, Sonnenbrille und ein mit Geld zu finanzierendes Boot.Das es mehr braucht um im Gedächtnis der Menschheit zu bleiben, als nach Anerkennung strebende Soziopaten.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 14 Daumen runter 0

    • avatar peterham sagt:

      Das beschreibt es sehr gut! Respekt für einen wirklich coolen Typen!

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 1

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