Silke Hahlbrock spricht über den Unfall ihrer Match Race Kolleginnen

"Wir waren total geschockt"

Silke Hahlbrock mit ihrer Crew bei der Kieler Woche. "Training alleine bei 25 Knoten ist unverantwortlich."© Team Halbrock

Der Unfall des dänischen Elliott Teams vor Kopenhagen, bei dem zwei Seglerinnen eine Stunde lang im Wasser trieben, wird in der Segelszene immer noch heiß diskutiert. SegelReporter fragte Silke Hahlbrock, wie sie die Meldung von den Match Race Kolleginnen aufgenommen hat.

Sie schreibt:  „Hallo Carsten,

wir sind gerade auf Mallorca und haben eine Woche mit einem finnischen Team trainiert. Sten Mohr aus Dänemark hat uns dabei unterstützt. Eines Abends rief er mich an, weil er über den Vorfall auf einer dänischen Website gelesen hat.

Wir waren alle total geschockt und haben sofort versucht, unsere dänische Trainingspartnerin Lotte Meldegaard anzurufen, weil ja keiner wusste, um wen es sich handelt. Wir haben erst nach und nach detaillierte Infos bekommen.

Ich glaube, dass es unverantwortlich ist, bei so viel Wind und so niedrigen Temperaturen ohne Motorboot weit weg vom Land zu segeln. Generell sind wir schon immer sehr vorsichtig. Wir würden nie bei 25 Knoten alleine aufs Wasser gehen.

Selbst in Schilksee nehmen wir immer ein Motorboot mit. Wenn das nicht geht, ist immer eine zweite Elliott dabei. Warum das in Dänemark nicht der Fall war, weiß ich nicht.

Ich glaube Segeln an sich ist nicht gefährlich, wenn man verantwortungsvoll mit den Risiken umgeht. Wir hatten mal einen Ruderbruch bei einer J22 in Kiel, das war aber kein Problem, weil wir eben mit zwei Booten unterwegs waren.

Wir alle sind wahnsinnig froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist.”

Inzwischen ist bestätigt, dass alle drei Seglerinnen ohne ernsthafte körperliche Schäden davongekommen sind.

Der Königlich Dänische Yacht Klub in Kopenhagen hat bei einer außerordentlichen Sitzung seine Sicherheitsbestimmungen für das Training im Herbst und Winter angepasst.

Folgende Ausrüstung ist Pflicht:

– das Mitführen eines Mobiltelefons in einem wasserdichten Beutel Pflicht, wenn ohne ein Begleitboot trainiert wird.

– Schwimmweste mit Flöte

– Das Tragen von Trocken- oder Neoprenanzügen (min. 6 mm) auf Booten unter sieben Metern

– Für die Kielboote eine Box mit Leuchtsignalen beim Training ohne Begeleitboot

– Auffallend farbige Überzieher über den Segelanzügen

Was kann man aus dem Unglück lernen?

(ck) Ob es die Sicherheitsanpassungen der Dänen jetzt bringen? Im Endeffekt kann man doch aus dem Unfall nur lernen, dass man eben nicht ganz so locker mit den Elementen umgehen kann wie man es manchmal tut. Wer häufig trainiert, wer extrem viel segelt, der verliert schnell das Gefühl für die Gefährlichkeit von Wind und Wetter.

Wasser und Wellen sind die Freunde. Je häufiger man mit ihnen spielt, umso weniger kann man glauben, dass sie sich gegen einen wenden könnten. Man begegnet ihnen nicht mehr mit der nötigen Vorsicht.

Ich erinnere mich an ein Laser Starkwind-Training vor Mallorca. Als ich nach einem Vorwind-Schleudersturz wieder auftauchte und die Orientierung wiedererlangte, war  das Schiff weit entfernt. Normalerweise kentert es, stoppt ab und man kann sich ihm bequem schwimmend nähern.

So war es hunderte Male vorher passiert. Aber diesmal wehte der Wind so stark, dass es schneller trieb als ich schwimmen konnte. Ein blödes Gefühl. Nicht schön, alleine im Wasser rumzuschwimmen. Irgendwann, sehr spät, entdeckte mich der Trainer und brachte mich zum Boot.

Schutzengel mögen mit dieser Art von Erlebnissen vor Schlimmerem warnen. Mit den unpraktischen Flügeln können sie ja den erhobenen Finger nicht zeigen. Sie müssen sich so umständlich bemerkbar machen. Soll heißen: Lieber Segler. Einfach mal etwas mehr Nachdenken, bevor man auf dem Wasser in eine blöde Lage kommt.

Klar müssen die dänischen Verantwortlichen irgendwie reagieren. Es ist das Prinzip der Politik. Wehe man reagiert gar nicht. Aber durch verordnete Sicherheitsmaßnahmen ist dem Schlendrian auf dem Wasser sicher nicht beizukommen. Da muss sich schon jeder Segler um sich selber kümmern.

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Carsten Kemmling

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