World Match Race Tour: Eine Millionen Dollar für die Sieger – Funktioniert Match Race mit Kats

Im Windschatten des America's Cups

Die World Match Race Tour hat am Rande der vorletzten Station 2015 in Bermuda die revolutionären Pläne für das nächste Jahr bekannt gegeben. Es geht um viel Geld.

World Match Race

Patenthalse im Eifer des Gefechts. © Brian Carlin

Die klassische Kunst des Match Race Segelns ist nicht mehr viel wert, seit beim wichtigsten Duell-Event, dem America’s Cup, mit Katamaranen gesegelt wird. Die besten Segler der Welt haben das Match Race längst aus den Augen verloren und den Spezialisten das Feld überlassen.

Bis 2007 gehörte es zur Pflicht der potenziellen Cup Steuerleute, sich auf der World Match Race Tour zu beweisen, um Jobs auf den Cuppern zu ergattern. Es gab viel Ehre und Erfahrung zu gewinnen, aber kein Geld.

Das änderte sich, als sich der große Meister Peter Gilmour auch finanziell in die Organisation einbrachte. Er wollte die großen Preisgeld-Töpfe öffnen und den Seglern ein Auskommen in Aussicht stellen ohne an der Nadel des unberechenbaren America’s Cups zu hängen.

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Ordentlich Druck auf Bermuda. © Brian Carlin

Die Match Race Tour wurde professionalisiert. Sie sollte sich und ihre Athleten alleine tragen. Aber die besten Match Racer der Welt machten nicht mit. Die Stars von 2007 sind das Salär aus dem America’s Cup gewohnt. Ed Baird, Brad Butterworth, Dean Barker, Terry Hutchinson, James Spithill, Peter Holmberg und auch Karol Jablonski – die großen Namen waren nicht zur neuen Tour zu bewegen.

Der Tanz in der Startbox

So entwickelte sich eine Szene von Spezialisten, die großen Sport zeigten, aber eben doch ein Schattendasein führten. Die Kunst des vierminütigen Tanzes in der Startbox verlor mehr und mehr an Wert. Der Brite Ian Williams gewann zwar fünfmal den Welttitel seit 2008, war aber dennoch weit entfernt von einem America’s Cup Engagement.

Er trieb den professionellsten Aufwand, hatte mit GAC Pindar einen verlässlichen Sponsor und konnte im Gegensatz zur Konkurrenz mit den Preisgeldern einigermaßen bescheiden über die Runden kommen. Langjährige Konkurrenten wie der Franzose Matthieu Richard blieben allerdings auf der Strecke.

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Aufgewühltes Gewässer vor Hamilton. © Brian Carlin

Durch die Vergabe von Tour Karten wollten die Match Race Organisatoren den Seglern eine größere finanzielle Sicherheit geben durch die Garantie regelmäßiger Plätze bei den wichtigen Events. Aber immer mehr wurde die Serie nur noch von aufstrebendenYoungstern überwiegend aus Übersee besucht oder älteren Stars wie den schwedischen Veteranen Björn Hansen und Johnie Berntsson.

Großes Geld gibt es nur im Cup

Ein seriöses Auskommen konnte die Tour dann doch nicht bieten. Taktiker Jobs für Owner Driver im Big Boat Circuit gelten als Brot und Butter Geschäft für die besten Profis. Das große Geld im Segeln wird aber nach wie vor nur im America’s Cup bezahlt. Um sich dafür aber fit zu machen muss man das Fliegen lernen.

Dafür taugt die Tour nicht, die auf teilweise sehr schweren Kielbooten ausgesegelt wird. Immer mehr rekrutieren sich die Top Cup Crews aus den Olympiaklassen wie insbesondere dem 49er. Und die Teams legen sich Foiler Motten zu um das Tragflächensegeln zu üben.

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Ex Weltmeister Minoprio holt sich den Pott nach zwei Volvo Ocean Race Zweiten und dem Luna Rossa Aus. © Brian Carlin

Und so wanderten aufstrebende Stars wie der von den Virgin Islands stammende Amerikaner Taylor Canfield (26) aus der Tour ab. Der Match Race Weltmeister verzichtete in dieser Saison auf eine regelmäßige Tour Card und lässt sich mit seinem US One Team  jeweils nur für einzelne Events einladen.

Sein Augenmerk hat sich längst auf einen möglichen Weg zum America’s Cup gerichtet. Und der führt inzwischen nur über die Zweirümpfer. So stellte er ein Projekt für die sehr lokal erscheinende skandiavischen M32 Serie zusammen. Und prompt dominierte er die Szene gegen die überwiegend schwedischen Semiprofis.

Im Windschatten des America’s Cups

Nun zeigt sich, wie sinnvoll Canfields Weg war. Denn inzwischen ist die World Match Racing Tour von der schwedischen Firma Aston Harald gekauft worden, die auch die M32 Katamarane herstellt. Damit einher geht die Anpassung an den America’s Cup. Raumschots-Starts auf Katamaranen, das hat mit den bisherigen Spiel nicht mehr viel gemein.

Aber für die Organisatoren macht es viel Sinn, sich wieder in den Windschatten des America’s Cups zu begeben. Der Versuch, die Serie losgelöst vom Cup zu etablieren, ist gescheitert. Die besten Segler bleiben aus.

So haben die Schweden eine Kehrtwendung vollzogen und setzen konsequent auf zwei Rümpfe. Sie haben angekündigt, dass der Sieger der finalen Veranstaltung in Marstrand mit einer Million US Dollar Preisgeld und dem Titel  als World Match Race Champion belohnt wird. Bei jeder der sechs bis elf geplanten Veranstaltungen sollen insgesamt 200.000 Dollar ausgeschüttet werden.

Mischung aus Fleet und Match Race

Insgesamt zehn Tour Karten werden an Teams verteilt, von denen sechs an die besten Skipper der aktuellen Tour gehen. Pro Veranstaltung sollen 20 Crews starten. An den ersten beiden Tagen wird Fleet Race gesegelt und vier Teams scheiden aus. Die verbliebenen 16 Mannschaften segeln danach im Match Race Modus den Sieger aus.

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35.000 Dollar für die Sieger. © Brian Carlin

Match Race mit den M32 Kats, ob das spannend wird? Schwer zu glauben, denn die Multihulls manövrieren schlecht im Vergleich zum Speed. Ohne Fock fehlt der Impuls, sauber durch den Wind zu drehen. Teilweise rollen die Crews ein wenig den Gennaker aus, um nicht allzu lange rückwärts zu treiben. Eine Wende mehr als der Gegner kann sich ein Angreifer schwer erlauben. Er muss hinterher segeln und auf eine Böe hoffen.

Das lässt sich im Fleetrace als Zuschauer noch ertragen, wenn viel auf der Bahn passiert. Aber beim Match Race? Es wird sich zeigen müssen.

Rückkehrer gewinnt in Bermuda

Angesichts der umwälzenden Veränderungen, die auf die Match Race Szene zukommen ist der Sieg von Rückkehrer Adam Minoprio bei einem der wichtigsten Events auf der Tour schon fast zur Nebensache geworden. Aber er passt ins Bild.

Denn mit dem Neuseeländer gewann ein Rückkehrer, der den Gold Cup eher als Nebensache genommen und sich von seiner ehemaligen Crew mit der er Weltmeister wurde zur Teilnahme überreden lassen. Minoprio hat sich zuletzt Seebeine wachsen lassen, als er 2011/12 mit Camper das Volvo Ocean Race Projekt durchzog und auf Platz zwei landete.

Dann schaffte er den Sprung zum America’s Cup Team Luna Rossa. Als dieses aber zuletzt das Handtuch warf, segelte er noch drei Volvo Etappen bei Brunel mit und half, den zweiten Platz zu sichern.

So kam der Erfolg in Bermuda auf den schweren klassischen IOD überraschend. Aber die Cracks investieren nicht mehr so viel Zeit in die Vorbereitung der Tour Events. Es geht darum, möglichst schnell das Segeln auf den M32 Kats zu erlernen für nächstes Jahr. Und dafür gilt es noch eine Menge aufzuholen gegenüber Taylor Canfield.

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „World Match Race Tour: Eine Millionen Dollar für die Sieger – Funktioniert Match Race mit Kats“

  1. avatar Lyr sagt:

    wie traurig, was mit dem schönen Matchrace segeln gerade passiert ;-(

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 11 Daumen runter 0

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