World Sailing: Chef Sowrey klagt an – gefeuert wegen Rio Umwelt-Kontroverse

"Ich sollte den Mund halten"

Der ehemalige CEO des Weltseglerverbandes Peter Sowrey sagt, dass er seinen Job verloren hat, weil er eine Alternative zum verschmutzten Olympiarevier in Rio suchte.

Rio Verschmutzung

Müllboot in Rio. © secretario do ambiente

Peter Sowrey hat in einem Interview mit Associated Press erklärt, dass er als World Sailing CEO über das Thema Rio gestolpert ist. Er sei dafür eingetreten, nicht im August auf dem verschmutzten Olympiarevier segeln zu lassen, oder wenigstens einen Plan B zu entwickeln.

“Aber mir wurde gesagt, bei diesem Thema den Mund zu halten”, wird der ex Chef zitiert, der nach nur fünf Monaten seinen Platz räumen musste für den vor zwei Wochen ernannten neuen World Sailing CEO Andy Hunt.

World Sailing

Der alte World Sailing CEO Peter Sowrey. © ISAF

Sowrey trat für den Umzug nach Buzios ein, dem 160 Kilometer entfernten Traumrevier, auf dem unter anderem Robert Scheidt seine ersten Stunden auf dem Wasser verbrachte. Der Brite habe einen 20seitiges Dossier erstellt, mit dem er den befürworteten Umzug begründete.

Das Hauptargment für die Guanabara Bucht ist die vermehrte Publicity wegen der legendären Kulisse mit dem Zuckerhut und Corcovado. Aber viele Kritiker befürchten die unerwünschte Aufmerksamkeit, die das Segeln schon jetzt bekommt wegen der Krankheitsfälle von Athleten.

Zu aggressiv

Ihm sei gesagt worden, zu aggressiv vorzugehen, bekundet Sowrey. Das siebenköpfige World Sailing Führungsgremium habe ihn schließlich gebeten, den Hut zu nehmen. Er habe nicht gekündigt, so wie es vielfach berichtet worden war.

Wenn die Entscheidung für die Guanabara Bucht allein aufgrund von Fakten und Daten gefallen wäre, würde niemand in Erwägung gezogen haben, bei dieser Wasserqualität zu segeln. Es wird befürchtet, dass die im Wasser befindlichen Viren Magen- und Atemwegserkrankungen hervorrufen.

World Sailing reagierte auf die Vorwürfe des ex Mitarbeiters mit einer Antwort von Chief Marketing Officer Malcolm Page, dem zweifachen 470er Olympiasieger. Der äußerte sich verwundert, weil Sowrey noch Anfang August auf eine Anfrage der Organisatoren aus Buzios geantwortet habe, die Entscheidung für Rio als Segelrevier sei vor einigen Jahren gefallen und es gebe momentan keine Pläne, das zu ändern.

World Sailing

Der neue World Sailing CEO Andy Hunt. © ISAF

Dem neue CEO Andy Hunt ist bewusst, dass es eine große Aufmekrsamkeit für den Ablauf der olympischen Regatta und die möglichen Probleme geben wird. Er sagte AP, dass die Guanabara Bucht natürlich nicht ideal sei. Aber es werde sehr viel getan, um die Sicherheit der Athleten zu gewährleisten.

Ein Dutzend Boote sollen den Müll aus dem Wasser fischen, Barrieren sollen die übel riechenden Dreck-Ströme, die in die Bucht fließen, auffangen, und per Helikopter sollen die besonders großen Stücke gesichtet werden. Ein neuer Abwasserkanal werde das Schmutzwasser vor der Marina da Gloria abfangen. Er sollte im März fertiggestellt sein, die Arbeiten seien aber drei Monate in Verzug. Viel mehr könne in der bestehenden Zeit und mit limitierten Ressourcen nicht getan werden.

 

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Carsten Kemmling

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3 Kommentare zu „World Sailing: Chef Sowrey klagt an – gefeuert wegen Rio Umwelt-Kontroverse“

  1. avatar alikatze sagt:

    mir scheint, es kloppen sich wieder Funktionäre und Ex-Funktionäre. (Der Beitrag war ähnlich schon auf http://www.sail-world.com/World-Sailing-surprised-by-ex-CEO-comments-on-Olympic-venue-shift/141792 zu lesen.)
    Sicherlich ist es schön, wenn bei einer Olympiade alle Sportarten nahe beieinander ausgeübt werden können – auch für das Publikum. Aber es sollte doch die Gesundheit der Sportler an oberster Stelle stehen, oder? Daher ist das Gebaren der vertrendenden Organisationen (IOC, NOK, ISAF etc.) bei der Wahl und Verteidigung der Regatta-Orte für mich schon beinahe kriminell. Ich bin gespannt, ob sich im Falle einer ernsthaften Erkrankung z.B. eines US- Athleten zumindest ein findiger US-Anwalt findet, der seinen Schützling bei einer Schadenersatzklage vertritt – vor dem US-Recht kann sich das ja lohnen.
    Die vorgeführte mangelhafte Transparenz schon alleine bezüglich der Wasserqualität ist nur Beleg dafür, warum immer mehr Gesellschaften (siehe Hamburg) dem Sport in diesem Rahmen keine Bühne mehr geben wollen. Das ist schlecht für die Sportler, weil sich als Ausrichter zukünftig eher dubiose Staaten anbiedern, um ihre schutzige Seele ein wenig reinzuwaschen und schlecht für den Sport, weil er damit den Kontakt zum Publikum verliert.
    Hmmm… bleibe ratlos.

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  2. avatar Sven 14Footer sagt:

    Bescheiden finde ich, dass die Massnahmen für bessere Wassequalität zu Olympia überhaupt nicht nachhaltig sind. Ich hätte den Brasilianern gewünscht, dass sie auch nach Olympia etwas davon haben. Eine Menge Aufmerksamkeit gibt es schon mal. Aber leider keinen Nutzen auf mittel oder gar lange Sicht. 🙁

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  3. avatar wet rabbit sagt:

    In der Bucht sollen auch andere Sportarten betrieben werden. Ich finde es erstaunlich, dass es keine sportartübergreifenden Intiativen gibt, das Problem zu lösen.

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