Youth America’s Cup: Erik Heil über die Aufholjagd, Chancen und Schlafdefizite

"Alles ist drin"

Das deutsche Youth America’s Cup Team trainiert seit zwei Wochen mit seinem AC45 Katamaran in San Francisco. Am Sonntag startet das erste Rennen. Steuermann Erik Heil spricht über die Chancen.

Das ALL IN / Racing Team um Skipper Phillip Buhl und Steuermann Erik Heil hat es nicht leicht auf seinem Weg, beim ersten Red Bull Youth America’s Cup in San Francisco Geschichte zu schreiben. Allen Widerständen zum Trotz und nach der großen Unterstützung durch die SR Leser, versucht es schon seit zwei Wochen beim Training vor Ort den Anschluss an die deutlich besser vorbereitete Konkurrenz zu finden.

Ein großer Rückschlag war die Absage des britischen Wunschtrainers Mark Bulkeley, dessen Tochter sieben Wochen vor dem erwarteten Termin zur Welt kam. Kurzfristig wollten die Youngster einen neuen Coach benennen, aber die Zeit war zu knapp. Sie entschlossen sich, autodidaktisch weiter zu arbeiten.

“Das funktioniert bis jetzt ganz gut”, sagt Erik Heil im Gespräch mit SR. “Anfangs hätte es uns geholfen, von organisatorischen Aufgaben entbunden zu werden, aber wir kommen nun einigermaßen klar.” Ersatzmann Justus Schmidt übernehme viele Aufgaben und fahre auch das Motorboot.

Gegner haben Vorsprung

Aber zu Beginn sei schon klar gewesen, dass die Gegner einen Vorsprung haben. Die beiden US-Teams trainieren seit vielen Monaten fulltime mit den AC45 Katamaranen von Oracle. Auch die Schweizer Mannschaft Tilt zeigt einen extrem professionellen Ansatz. Neben dem siebenköpfigen Segelteam gehören zwei Coaches, ein Team Builing Spezialist, ein Rules Adviser und der Team Leader Alex Schneiter zum Projekt.

Dennoch ist Heil nach den ersten Trainingsrennen im Zehner-Feld guter Dinge. “Wir hatten schon einen sehr guten Tag, bei dem wir dreimal Top vier Platzierungen abgeliefert haben. Aber wir verpatzen auch schon mal den einen oder anderen Start und gehen zu früh über die Linie. Dennoch entwickeln wir uns extrem schnell vorwärts. Das war schon bei der Qualifikation unsere Stärke.”

Sehr hilfreich war der Kontakt zu Luna Rossa Steuermann Chris Draper. Justus Schmidt und Max Böhme haben einen guten Kontakt zu dem ehemaligen 49er Champion, seitdem er während einer Kieler Woche bei ihnen nächtigte.

Luna Rossa Steuermann hilft

“Viermal haben wir uns mit ihm getroffen. Er hat uns die Stömungstaktik auf dem Revier erklärt und sehr beim Wingtrimm weiterholfen. Anfangs haben wir den Flügel an der Kreuz zu wenig twisten lassen. Danach sind wir deutlich schneller geworden.”

Draper war dann auch begeistert, als der deutsche Nachwuchs sich auf seinem Kat mit grauen Leibchen im Luna Rossa Look präsentierte und den Italienern vor dem letzten Rennen viel Glück wünschte. Aber nicht erst seit dieser Aktion ist der Brite ein Fan der Deutschen.

Heil erzählt, dass er sich bei einer Louis Vuitton Cup Pressekonferenz auch an den Artemis Steuermann, 49er Kollegen und aktuellen Olympiasieger Nathan Outteridge herangepirscht habe, um nützliche Informationen zu erhalten. Der Kontakt sei aber nicht zustande gekommen. Dafür habe Roman Hagara mit gutem Rat zur Seite gestanden.

Als Boot hat das deutsche ALL IN / Racing Team das älteste erhalten, das überwiegend vom Korea Team zuerst mit Chris Draper und dann vom klaren Youth AC Favoriten Peter Burling (NZL) bewegt wurde. “Die waren ja ganz flott damit unterwegs. Uns ist aber schon dreimal die Karbonverbindung zwischen Netz und Rumpf ausgebrochen, als wir es maximal spannen wollten.”

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Carsten Kemmling

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10 Kommentare zu „Youth America’s Cup: Erik Heil über die Aufholjagd, Chancen und Schlafdefizite“

  1. avatar dubblebubble sagt:

    leider geil

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  2. avatar Schnellschuss sagt:

    Ein kleines Sommermärchen und vielleicht wird noch ein großes draus.
    Den Jungs wäre es zu wünschen.
    Daumen drücken.

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  3. Ich bin echt beeindruckt was das deutsche Team dort tut. Mein Chef, Jens Hoyer fungiert dort gerade auch als Teamfotograf und er “lebt” das ganze mit. Seine Berichte sind emotional nicht zu überbieten und all die Fotos vom Geschehen vor Ort geben uns hier in Deutschland das Gefühl, ein wenig dabei sein zu können und zu dürfen. Wir sind stolz auf das deutsche Team und platzen vor Stolz das UNSER CHEF, Jens Hoyer als Teamfotograf mitten drin ist. Gebt alles Jungs – ihr schafft das.

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    • avatar Stefan sagt:

      …so behandelt man seinen Chef. Da sollten sich alle hier mal ein Beispiel dran nehmen.

      😀

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  4. avatar Uwe sagt:

    Was ist das denn ?

    Kein SR-Logo im Segel ?

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    • avatar Uwe sagt:

      Das SR-Logo wäre eine schöne Geste gegenüber SR und denjenigen gewesen , die dem Spendenaufruf gefolgt sind.

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      • avatar Stefan sagt:

        …das SR-Logo befindet sich in der guten Gesellschaft aller Sponsoren auf beiden Rümpfen.

        …scheinbar ist es bewusst so gewählt worden, das der Flügel nur den beiden Projekten vorbehalten ist, die das Team präsentieren will.

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        • avatar Uwe sagt:

          SR ist m.E. ebenfalls ein unterstützenswertes, besser zu dem YAC passendes Projekt, so das das SR-Logo im Segel angemessen gewesen wäre.

          Auf dem Rumpf habe ich kein SR-logo erkennen können. Hat vielleicht jemand eine Lupe ?

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        • avatar dubblebubble sagt:

          Das wirklich suboptimale Grafikdesign der Boote gewinnt durch noch mehr Aufkleber auch nicht unbedingt. Die Chance die Muskeln und Struktur so einer reinrassigen Rennmaschine durch klare und dynamische Grafik zu unterstreichen wurde leider nicht wahrgenommen. Stattdessen darf jeder seine Logos und Firmennamen irgendwo hinkleben.

          Mich erinnert das Redbull-AC45-Layout irgendwie an segelnde Zigarettenschachten. Leider nicht so geil. Sorry to say so…

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          • avatar Stefan sagt:

            …ja, etwas das sich wild und agil durch sein Medium bewegt, noch in einem wilden Design zu bekleben ist bedauernswert. Die Entwürfe hätte man mit einem “Thema verfehlt” frühzeitig ins Design zurückgeben sollen.

            …selbst das red bull branding leidet darunter. Alles nur wild und unübersichtlich.

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