Braschosblog: Neue Segelfreunde – ohne Gedöns und Bräsigkeiten

Elch-Syndikat

Länge läuft: der 16 m Knud Reimers Renner vor Fehmarn © Swedesail

Länge läuft: der 16 m Knud Reimers Renner vor Fehmarn © Swedesail

SegelReporter Erdmann Braschos erweitert zur Saison seine Crew. Er sucht segelbegeisterte Leute für die Lübecker Bucht. Beitrag in eigener Sache…

Seit einem Jahrzehnt segele ich Swede 55 mit einer Crew segelbegeisterter Mitstreiter. Dieser Segelfreundeskreis, salopp „Elch-Syndikat“ genannt, ist eine informell, ohne Vereinsgedöns und übliche Bräsigkeiten bestehende Gemeinschaft. Wir halten den Ball flach und segeln einfach.

Im Frühjahr hauen wir für die üblichen Arbeiten (und einige Extrawürste) rein. Im Sommer legen wir tage- oder wochenendweise, für verlängerte Wochenenden Freitag bis Sonntag, auch mal Freitagmorgens bis Montagnachmittag ab. Wir segeln Wochen- oder Zehntagestörns, bei Überführungen manchmal One-Way nach/ab Stralsund, Kopenhagen, Helsingør oder Göteborg.

Schietwettersegeln: Swede 55 in einer Schauerbö vor Heiligenhafen © Arost/Swedesail

Schietwettersegeln: Swede 55 in einer Schauerbö vor Heiligenhafen © Arost/Swedesail

Segel-Flatrate

Jeder kommt so oft mit, wie er Lust und Zeit hat. Es gibt Crewmitglieder, die regelmäßig dabei sind. Wer beruflich oder privat beansprucht ist, ab und zu. Die meisten von uns haben Familie und gerade im Frühjahr kollidiert die Segelsucht mit den dann üblichen Hochzeitsfeiern oder Konfirmationen. Natürlich gibt es auch im Sommer Ausreden – und einen Grund einfach abzulegen. Es ist eine Art Segel-Flatrate: Beschnuppern, Einloggen und so oft segeln gehen, wie es paßt.

Keine Rollanlage, keine Kuchenbude

Wir segeln sportlich. Mit Übersicht und Routine lässt sich die Trave oder schmale Fehmarnsund-Rinne auch bei vorlichem Wind und reichlich Dieselverkehr aufkreuzen. Das Boot wird mit dem siebten Sinn, rücksichtsvoll und havariefrei gesegelt.

Anstelle der heute auf jedem Komfortkreuzer üblichen Rollanlage gibt es ein Profilstag. Das Boot ist ranker als die meisten Dickschiffe. Es wird eher gerefft. Swede 55 wird mit Backstagen gesegelt. Interessant ist auch der 130 qm Spinnaker.

Die Lübecker Bucht bietet traumhafte Ankerplätze © Christian Boedtger/Swedesail

Die Lübecker Bucht bietet traumhafte Ankerplätze © Christian Boedtger/Swedesail

Swede 55 geht gut an den Wind und segelt bei viel von vorn entsprechend nass. Zur Handhabung der Winschen für Großfall und Reffleinen wurde das Sprayhood entfernt. Das kommt auch der Übersicht zugute. In der „people who know“ Funktionskleidung bleibt man trocken und friert nicht.

Klingt ein bisschen oldfashioned und nach Segelschule, ich weiß. Wenn wir abends beim Aufräumen die Reffleine durchs Groß ziehen,  drei Vorsegel zusammen legen und eintüten, fühlt sich das fast so an. Nur der Ton ist anders.

Wer eine Weile segelt weiß, dass an Bord alles ruhig gemacht werden kann. Neueinsteiger in die Crew oder gelegentlich mitsegelnde Chartergäste sind verblüfft, wie freundlich es an Bord zugeht und das grundsätzlich nicht gebrüllt wird.Swede 55 11

Zum Segeln angefixt

Wichtiger als die Anzahl der Segelscheine finde ich Naturnähe und wirkliche Segelbegeisterung. Surfer, Jollen- oder Katsegler bringen am ehesten Gefühl für Wind und Wasser mit. Es gab in der Crew mal einen Paddler, der an Bord dermaßen zum Segeln „angefixt“ wurde, dass er sich selbst ein ähnliches Boot zulegte. Es können sich gerne Segeleinsteiger melden.

Gefragt sind naturverbundene Leute die mit wenig Gedöns, ohne das übliche Lifestyle-Gehühner einfach Lust zum Segeln haben. Alter Mitte 30 bis Mitte 50. Gute Erfahrungen wurden mit gemischten Crews gemacht.

Es wird mit passenden Tüchern, dem siebten Sinn und havariefrei gesegelt © Swedesail

Es wird mit passenden Tüchern, dem siebten Sinn und havariefrei gesegelt © Swedesail

Clever organisiert

Wichtig ist ein zivilisierter, Spielchen-freier Umgang miteinander. Wer noch nicht alle Knoten kann, oder vergessen hat, kriegt sie gezeigt. Wer mehr weiß oder mehr Praxis hat, gibt seine Kenntnisse weiter. Belehren, Schulmeistern und Sprüche klopfen finde ich ätzend. Jeder an Bord kann sagen, wenn es ihm zu heftig wird. Jeder kann Vorschläge machen. Ist eine Idee gut, wird sie ausgeführt.

Da ich mich auch beruflich mit dem Thema Segeln, mit Bootsbau, der Restaurierung, mit Klassikern, Daysailern, High Tech Neubauten oder anderen interessanten Booten beschäftige, liegt die Latte hoch. Das Schiff wird technisch in einwandfreien Zustand gehalten.

Der Einstieg ins „Elch-Syndikat“ ist die Möglichkeit auf einem interessanten Schiff für einen überschaubaren finanziellen Beitrag und zeitlichen Aufwand mit zu segeln. Wir sind auf den Punkt: wenn es am Wochenende zum segeln geht wird das Boot eingeräumt, Motor an und Leinen los.

Rückkehr nach Travemünde beim üblichen Südwest von der Lübecker Bucht © Uli Eichler/Swedesail

Rückkehr nach Travemünde beim üblichen Südwest von der Lübecker Bucht © Uli Eichler/Swedesail

Einige Sätze zu mir: Ich segele seit annähernd fünf Jahrzehnten. Los ging es mit dem Opti, es folgten einige Jahre Europe, Clubpirat, später Dyas. Dann Norwegen-, Schweden- und Finnlandtörns mit einem 30er Tourenschärenkreuzer vom Typ Lotus: 12 x 2,15 m, 3 t. Schön, schnell und richtig nass. Zum Glück ist Swede 55 etwas komfortabler.

Mr. oder Mrs. Right

Ein schlanker 16 m Renner mit 13 m Wasserlinie, Stehhöhe, Pantry, Toilettenraum und 7 Kojen. Ein sensibles Wassersportgerät mit faszinierenden Segeleigenschaften.

Den Segelfreunden und mir bietet das „Elch-Syndikat“ den richtigen Mix aus Arbeits-, Familien- und Seglerleben. Da so eine mehrköpfige Segelgemeinschaft immer etwas fluktuiert schaue ich nach Verstärkung. Interessiert? Melde Dich hier (http://www.swedesail.de/de/impressum). So finden wir gemeinsam heraus, ob Du die oder der Richtige bist.

Boot: Swede 55 ist 16 m lang, 3 m breit, ca 8 1/2 t schwer. Von den insgesamt sieben Kojen in drei Kajüten werden 4-5  belegt. Liegeplatz Trave, 45 Autominuten von Hamburg. Weitere Infos in der Bootswebsite (http://www.swedesail.de/de)

Das 3 m breite Boot bietet im Salon fünf Seglern Platz zum Abendessen © Swedesail

Das 3 m breite Boot bietet im Salon fünf Seglern Platz zum Abendessen © Swedesail

Segelstil: sportliches Fahrtensegeln (oft im „kleine Jungs“ Nahkampf- und Regattamodus), gelegentliche Teilnahme an Regatten wie Max Oertz (Neustadt) oder Schlank & Rank (Lemkenhafen).

Revier: Lübecker Bucht, Fehmarn, dänische Südsee, Öresund, ab und zu Kattegat und westschwedische Schären.

Crew: sechsköpfig, gemischt, mitte dreißig bis Anfang fünfzig, ITler, Ingenieure, ein Dreher, ein Zahntechniker und ein Journalist. Die meisten sind seit zehn Jahren dabei.

avatar

Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.
Spenden
http://blueocean.berlin/magicmarine-team-werden/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *