Revierprofil: Segeln vor Siziliens Ostküste

Familienrevier mit bewegter Geschichte

Nur wenige Chartercrews verirren sich an Siziliens Ostküste. Das ist schade,
denn so entgeht ihnen manch alte Stätte, umwoben von noch älteren Mythen,
und ein Segelabenteuer ganz im Bann des „Berges der Berge“. Carl Victor hat alle wichtigen Infos und Tipps zum Revier zusammengefasst.

© Carl Victor

Revier: Weil sie gegen die Hauptwindrichtung gut abgeschirmt ist, kann man die Ostküste Siziliens als Familienrevier bezeichnen.
Seekarten: Amtliche Italienische Sportbootkarten Kit ITP5a, ITP6a, ITP6b.
Nautische Literatur: Rod Heikell: „Küstenhandbuch Italien“.
Wind & Wetter: Bei Schönwetter baut sich vormittags eine auflandige Thermik auf, die für besten Segelwind sorgt. In der Vor- und Nachsaison kann es bei Scirocco (aus Südost) oder Gregale (aus Nordost) an dieser Küste ungemütlich werden.
Wetterberichte: Haben wir aufs Smartphone über www.windfinder.com erhalten. Außerdem haben wir aus dem Internet über https://seaman.wetterwelt.de den „Seaman-Wetterbericht“ heruntergeladen.
Leuchtfeuer & Seezeichen: Das Revier ist gut betonnt und befeuert. Viele der Häfen kann man auch nachts ansteuern.
Gezeiten & Strom: Der Tidenhub ist gering, den Strom kann man vernachlässigen, ausgenommen in der Straße von Messina, wo er bei Springtide mit bis zu vier Knoten laufen kann.
Navigation: terrestrisch.
Beste Zeit: Juni bis September.
Anreise: Flug nach Palermo, mit der Bahn nach Capo d’Orlando.
Einreise & Zoll: EU- und Schengenland.
Sprache: Italienisch. Englisch wird nicht überall verstanden.
Klima: mediterran.
Sicherheit: Sizilien ist besser als sein Ruf. Das Schiff sollte trotzdem immer abgeschlossen und Wertsachen sollten nicht an Bord gelassen werden. An Land muss man auf Taschendiebe achten.
Reiseführer: Thomas Schröder: „Sizilien“, im Michael Müller Verlag.

© Jan Bindseil

Wichtiges

Straße von Messina: Obwohl der Tidenhub gering ist, kann der Strom zwischen Capo Peloro und Punta Pezzo bei Springtide bis zu vier Knoten erreichen. Dabei bilden sich Stromrippen und sogar -wirbel aus. Nördlich und südlich davon nimmt er schnell auf etwa ein Knoten ab. Ausgenommen bei extremen Wetterlagen, beginnt der Strom 1h 45’ vor Hochwasser in Gibraltar nordwärts zu laufen, 4h 30’ nach Hochwasser in Gibraltar setzt der Südstrom ein. Dauer und Stärke des Tidenstromes sind auch abhängig vom Wind, der ihn verstärken oder abschwächen kann. Die einst gefürchteten Stromwirbel gibt es seit 1783 nicht mehr. Bei der Durchfahrt sollte man sich außerhalb des Verkehrstrennungsgebietes halten. Der Verkehr ist stark, die Schiffe kommen unglaublich schnell näher. Zudem muss man auf die zahlreichen Fähren achten, die zwischen Reggio Calabria und Messina verkehren, aber auch nördlich und südlich davon ihre Routen haben.
Saccne-Tankstelle: Wer in Messina tanken möchte, muss an diese 1,5 Seemeilen nördlich des Hafens gelegene Tankstelle gehen. Die Wassertiefen betragen am Ponton zwei bis drei Meter.
„Ferragosto“: Im Urlaubsmonat August sollte man Italien meiden. Die Häfen sind voll, die Preise hoch, der Trubel enorm. Hat man Probleme mit dem Schiff, findet sich kaum jemand, der sie behebt.
Zeitbedarf: Da es an Siziliens Ostküste keine Chartermöglichkeit gibt, können nur Meilenfresser das Revier in einer Woche absegeln. Wer es wirklich kennen-
lernen möchte, sollte unbedingt zwei Wochen einplanen.

Die Straße von Messina trennt Sizilien von der italienischen Halbinsel © Carl Victor

Windverhältnisse

Thermik: An normalen Sommertagen setzt die auflandige Brise am Vormittag ein und erreicht am Nachmittag bis zu fünf Windstärken. Sie ist der ideale Segelwind, verleidet einem aber so manchen Tagesankerplatz.
Maestrale: Mit diesem aus dem Rhone-Tal kommenden Wind muss man an der Nordküste Siziliens auch im Sommer rechnen. In der Vor- und Nachsaison kann er mit über 30 Knoten aus Nordwest blasen. An der Ostküste segelt man vor ihm geschützt.
Gregale: Dieser Nordost-Wind setzt meist nach dem Durchzug eines Tiefs ein. Er weht an der Nordküste frisch, kann in der Straße von Messina, wenn er gegen den Strom steht, eine unangenehme See aufbauen und macht sich an der Ostküste meist als gute Segelbrise bemerkbar.
Schirokko: Wer an der Ostküste segelt, sollte sich vor diesem auflandigen Wind in einen Hafen flüchten. Schwül-feucht, regnerisch und meist auch stürmisch, kann er einem den Törn vermiesen. Sehr selten im Sommer.

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