Anders leben: 23-Meter-Ketsch zerschellt auf Mallorca – Ende eines Traums

Kleinholz

Eine wahre Schönheit © margot gutmann

Innerhalb weniger Stunden wurde auf Mallorca eine 23-Meter-Ketsch von den Wellen zu Kleinholz geschreddert. 

Liegt es daran, weil viele Segler fest davon überzeugt sind, dass ihre Yacht so etwas wie eine Seele hat? Oder baut man zu einem Objekt, an dem man jahrelang herumgewerkelt, gebastelt und an dem man jede Menge Nerven gelassen hat, sowieso ein besonders inniges Verhältnis auf? 

Margot und Uwe © margot gutmann

Was auch immer man als Grund für seine tief verbundene Leidenschaft angeben mag, wenn ein Segelboot, eine -yacht oder ein -schiff das „Zeitliche segnet“, läuft es vielen Seglern kalt und heiß den Rücken herunter. Weil wir alle zumindest im Ansatz aus eigener und ähnlich gelebter Erfahrung abschätzen können, was der Eigner fühlen muss, wenn er vor den Resten seiner zerschellten Yacht steht. Vor allem dann, wenn diese Reste buchstäblich nur noch Kleinholz sind. 

Die besondere Yacht

Margot und Uwe leben auf Mallorca in einer faszinierend schönen Finca, eingebettet in einen dieser südlichen Gärten mit Obst- und Nussbäumen, Natursteinmauern – Kurz: in der südlichen Idylle par excellence.

Vor ein paar Jahren wollte sich Uwe einen weiteren Lebenstraum erfüllen und schaute sich nach Segelyachten um. Zwischendurch mal für ein paar Monate gemeinsam mit Margot die im Sommer sowieso übervölkerte Insel hinter sich lassen, auf dem Boot leben, mit Freunden oder auch mal nur zu Zweit als Nomaden auf Zeit „anders leben“.

Unmengen Planken mussten erneuert werden © margot gutmann

Doch Uwes Traum von einer Yacht war keine dieser ehemaligen Charterboote, die auf den Balearen in nahezu jedem Hafen zum Verkauf stehen. Und die mondänen Jet-Set-Yachten standen ebenfalls nicht zur Diskussion. Nein, Uwe hatte schon seit einiger Zeit eine ganz besondere Yacht ins Auge gefasst: Eine 23 Meter lange Holzyacht, die in Porto Cristo bereits seit mehr als 10 Jahren auf dem Trockendock vor sich hingammelte. Margot beschreibt in ihrem Blog: „ Als die Werft Anfang 2012 nach jahrelangen Rechtsstreitigkeiten mit den Vorbesitzern nun endlich durch ein spanisches Gericht das Pfand-Eigentum an dieser Yacht erworben hatte, wollte man es einfach nur endlich los werden bzw. die Verschrottung veranlassen. 

Vertrauen in Bewährtes

Es gab jedoch auch drei Interessenten für das alte Schiff mit lückenhaften Originalunterlagen. Wir waren die Schnellsten und erwarben es zu einem Spottpreis. Wir machten uns vor dieser Kaufentscheidung gar nicht die Mühe von sogenannten Spezialisten den Zustand des alten Schiffes genau bestimmen zu lassen.  Wir vertrauten vielmehr darauf, dass wir gemeinsam mit Uwes Mitarbeitern seiner Parkettfirma, ortsansässigen Schiffsbauspezialisten und auch freiwilligen Helfern, die das Schiff genauso als etwas ganz Besonderes betrachteten, die Rettung des Schiffes bewerkstelligen könnten.“ 

Entspannt “anders leben” © margot gutmann

Und das gelang ganz augenscheinlich. Im Februar 2012 begannen die Restaurierungsarbeiten: 300 alte Planken wurden durch 5 cm dicke Mahagoni-Planken ersetzt. Danach wurden 1,2 Tonnen Epoxidharz aufgetragen, später die Masten gestellt, die Innenräume zu wahren Schmuckstücken restauriert und überhaupt der mittlerweile auf den Namen „Celestia“ getauften alten Dame ein „Refit“ verpasst, der sie in altem Glanz und wahrscheinlich noch schöner erstrahlen ließ.

Worauf mehrere Sommer folgten, in denen Uwe und Margot genau das lebten, was sie sich in ihren Träumen alles ausgemalt hatten.

Vor Anker © margot gutmann

Die Finca wurde an Sommergäste vermietet und mit den Erlösen die nicht grade preiswerten balearischen Liegeplatzgebühren für eine 23-Meter-Ketsch und sonstige Unterhaltskosten bezahlt, wie Margot in ihrem Blog schreibt. Müßig wurden die mallorquinischen Buchten abgeklappert, die Nachbarinseln vom Meer aus neu entdeckt und schließlich begann man sogar über längere Törns nachzudenken. Über den Atlantik, in die Karibik, und sowieso soll es hinterm Horizont ja immer weiter gehen. 

Von den Wellen zu Kleinholz geschreddert

Doch dann kam der Sturm, der ihren Träumen ein jähes Ende bereiten sollte. In der Nacht vom 14. auf den 15. September blies es mit Windstärken von ca. 60 km/h über Caló de sa Torre bei Portopetro, wo die „Celestia“ an einer Boje festgemacht war.

Mit Sicherheit keine Schönwetterbrise, aber ca 32 Knoten Windspeed sind für die Balearen nicht gerade ungewöhnlich. Ob sich die „Celestia“ letztendlich von der Boje losriss oder sich die Boje aus der Grundverankerung löste, wird wohl nie geklärt werden. Tatsache ist: „Celestia“ trieb auf den nahegelegene Felsen zu, setzte dort auf und wurde innerhalb weniger Stunden von den heranrollenden Wellen zu buchstäblichem Kleinholz geschreddert. 

Das blieb von einer einst stolzen 23-Meter-Ketsch noch übrig

Am nächsten Morgen war der nahegelegene Strand von Tausenden Holzteilen übersät (Fotogalerie der „Mallorca Zeitung“). Augenzeugen berichteten, dass neben den Unmengen Holzbruchstücken auch Schwimmwesten, Matratzen, Teile der Masten, eine Niedergang-Treppe im Sand des Calo de sa Torre lagen. 

Die zuständige Gemeinde Santanyi informierte die Eigner und veranlasste eine Säuberung des Strandes. Letztendlich passten die Überreste der zerschellten „Celestia“ in zehn Müllwagenladungen. 

Kann es ein brutaleres und gleichzeitig lapidareres Ende für eine einst so stolze und liebevoll restaurierte Yacht geben? 

Tipp: André Mayer

7 Kommentare zu „Anders leben: 23-Meter-Ketsch zerschellt auf Mallorca – Ende eines Traums“

  1. avatar Karsten sagt:

    Hm… Dann mach ich Mal den Anfang der Besserwisser…. 23m Yacht ohne Ankerwache bei Wind?
    Kann mir das jemand erklären?

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 2 Daumen runter 9

    • avatar Marc sagt:

      Ankerwache halten wenn das Schiff an einer Boje liegt???

      Vielleicht erst den Artikel komplett lesen und erst dann versuchen der erste Besserwisser zu sein?

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 1

  2. nice story, thank you for sharing with us. but unfortunately the end was bad. it is a difficult situation for a ship that has spent so much labor.

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  3. avatar Tom Tanga sagt:

    Wetterbericht lesen, Bojenzustand prüfen, Ankerwache halten – mehr gibtz da nicht zu sagen!
    ….an schönen Tagen segeln gehn ist einfach…

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    • avatar Seilor sagt:

      @Tom Tanga: Dummer Kommentar, mehr gibts nicht zu sagen … Muringtonne ist ein ganz normaler Dauerliegeplatz. Prüfst du die Ketten vom Schwimmsteg, wenn Wind angesagt ist?

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      • avatar eku sagt:

        Noch einmal “Na Ja”
        Ja, prüfe ich! (bzw misstraue ich!)
        Vor Jahren vor Harriersand festgemacht an den Mooringbojen des Fachverbandes Segeln (oder wie auch immer)
        Nach dem ablegen (unbeaufsichtigtes Liegen wg trinken+essen in der Strandhalle) war es schon etwas verwunderlich, dass die Mooringboje uns folgte …
        Dann war da noch eine 2. (allerdings ohne Boot) – die folgte auch mit dem Strom …

        Schlussendlich: da haben sich nahezu gleichzeitig 2 Mooringbojen von ihrem “festem Platz” verabschiedet – habe ich auch zunächst nicht glauben können.

        Seid euch der Mooringbojen nicht sicher!
        Eine Steganlage hat mehrere Haltepunkte – kann auch schiefgehen ist aber entsprechend unwahrscheinlicher bzw dauert bis zum endgültigem Chrash etwas länger.

        Obacht! LG eku

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  4. it would be very hard for captain after see your special yacht. because he will doing everyting how he want. maybe next time he will have experince before put out to sea

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