Figaro 3: Mixed Team düpiert Männercrews – Samantha Davies und Yann Eliès dominant

Die Beste der Welt

Samantha Davies hat beim Sardinha Cup gezeigt, dass sie sich auf hoher See vor keinem Mann verstecken muss. Zusammen mit Yann Eliès siegte sie beim mit Spannung erwarteten Figaro3-Auftakt souverän gegen die stärksten Offshore Profis.

Figaro 3

Freude über den Sieg b eim Figaro Auftakt. © Breschi / Sardinha Cup

Etwa mehr als zehn Jahre ist es her, dass Samantha Davies eine besondere Beziehung zu Yann Eliès entwickelte. Beide segelten mit der Vendée Globe alleine um die Welt und westlich von Australien geriet der Franzose mit seiner IMOCA “Generali” in eine schwere Notlage. Er brach sich ein Bein und lag bewegungsunfähig unter Deck. Das Schiff wurde von vier Meter hohen Wellen hin und her geworfen.

Der Franzose konnte seine Verpflegung nicht erreichen und auch nicht die medizinische Ausrüstung nur zwei Meter von sich entfernt. Er nippte nur an einer halbvollen Cola-Flasche und wartete auf Hilfe. Die kam unter anderem von Marc Guillemot und Samantha Davies, die beide ihren Kurs änderten und mächtig Gas gaben, um den Kollegen zu erreichen.

Das Mixed Duo kurz vor dem Ziel. © Breschi / Sardinha Cup

Aber die Hilfe konnte nur psychologisch sein. Sie hatten keine Chance, zu dem immer schwächer werdenden Elliès an Bord zu kommen. Erst Besatzungsmitglieder einer australischen Fregatta konnten übersteigen. “Er wäre gestorben”, sagt einer der Retter. “Man überlebt nicht lange mit nur 300 ml Zuckerwasser.”

Schlenker des Schicksals

Davies erinnert sich noch gut an die bangen Stunden damals. Umso erstaunlicher ist der Schlenker des Schicksals, der die 44-Jährige nun zusammen mit dem ein Jahr älteren Skipper auf einer Yacht geführt hat und sie mit ihm einen großen Erfolg feiern darf.

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Einer muss auf die hohe Kante. © Breschi / Sardinha Cup

Das Duo gewann überlegen den mit Spannung erwarteten Auftakt der neuen Figaro3-Klasse vor der französischen Küste bei Saint-Gilles-Croix-de-Vie. Bei den drei mit unterschiedlichen Faktoren gewerteten Etappen gelang Eliès/Davies die Serie 7/4/1 im Feld der 34 Yachten, und sie behaupteten damit einen komfortablen 13 Punkte Vorsprung.

Samantha Davies. © Breschi / Sardinha Cup

Dabei steht die neue Klasse insbesondere im Fokus, weil das Design der Figaro3 nach wie vor aufstrebende Offshore-Spitzensegler in die Klasse lockt, aber insbesondere aktuelle Stars zurück in die Figaro-Szene kommen lässt.

Star-Nimbus aufs Spiel setzen?

Das war nicht zu erwarten. Die etablierten Pros haben schließlich viel zu verlieren. Wer einen lukrativen Skipper-Job zum Beispiel auf einem IMOCA bekleidet, muss nicht mehr das Risiko eingehen, mit gleichen Waffen zu kämpfen. Er kann sich auf sein schnelles Design verlassen wie zum Beispiel zuletzt ein Alex Thomson oder auch ein Francois Gabart. Warum den Star-Nimbus im Figaro Circuit durch eine unglückliche Winddrehung aufs Spiel setzen?

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Es ist knapp an der Startlinie. © Breschi / Sardinha Cup

Dennoch wagen einige der Besten die spezielle Herausforderung, eine neue Einheitsyacht auf Speed zu bringen. So kommt ein Loick Peyron nach einem Ausfall und Gesamtrang 27 noch nicht in Schwung, er muss mit 59 aber auch niemandem mehr etwas beweisen.

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Start zur letzten Etappe. © Breschi / Sardinha Cup

Aber der Auftritt des Volvo-Ocean-Race-Siegers Charles Caudrelier (45) wurde durchaus mit besonderem Interesse verfolgt. Der ex Dongfeng-Skipper (SR-Porträt), dessen Karriere mit einem Solitaire-du-Figaro-Sieg 2004 Fahrt aufgenommen hat, segelte auf Rang acht.

Marktwert steigern

Sein Dongfeng-Navigator Pascal Bidégorry (51) ist schon besser in Form auf Rang fünf. Er macht sich auch mächtig Druck, seit er ankündigte, auf der Suche nach Sponsorgeldern zu sein, um Francois Gabarts Rekord-Trimaran Macif zu kaufen. Gabart baut neu  und Bidégorry, der vor 19 Jahren die Solitaire du Figaro gewann, hat schließlich schon mal den 130 Fuß Tri “Banque Populaire V” (jetzt Spindrift) zum 24-Stunden-Rekord geskippert. Mit Figaro-Erfolgen will er sich in Position bringen und den Marktwert steigern.

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Ambitioniertes Spi-Setzen. Aber die neue Figaro sorgt mit dem Leefoil für mächtig Auftrieb. © Breschi / Sardinha Cup

Alles überragend ist aber die Leistung des Mixed Duos Davies/Eliès. Besonders Samantha Davies hat damit eine weitere Wertschätzung erfahren. Sie ist nicht durch ein besonderes Frauen-Projekt oder irgendeine Quotenregelung wie beim Volvo Ocean Race an Bord von Yann Eliés gekommen. Der muss seinem treuen Sponsor St. Michel schließlich Leistung abliefern.

Figaro 3, Elies

Yann Eliès. © Breschi / Sardinha Cup

Davies überzeugt seit Jahren durch Leistungsfähigkeit auf Augenhöhe, und seit sie den IMOCA “Initiatives Coeur” übernehmen und ihn mit Foils nachrüsten durfte, startete sie insbesondere 2018 sensationell mit einem ersten und zweiten Platz gegen einige der schnellsten 60 Fußer in die Saison.

Bei der Route dur Rhum fiel sie zwar aus, aber dennoch hinterließ sie einen starken Eindruck. So war es längst kein abwegiges Gerücht, dass sie auch als mögliche Skipperin für den 100 Fußer Tri des Rothschild-Rennstalls gehandelt wird.

Samantha Davies

Sam Davies mit ihrem schnellen IMOCA nach der Foil-Aufrüstung. © Vincent Curutchet / Initiatives-Coeur

Natürlich gehören zu dem Erfolg auf der neuen Figaro zwei Personen. Und es ist schwer abzuschätzen, wie groß der Anteil von Davies ist, auch wenn Eliès betont, dass es genau die Hälfte ist. Der Franzose ist mit drei gewonnenen Solitaire du Figaro schließlich ein echter Spezialist bei dieser Art der Hochseerennen.

Aber auf so einem Boot kann man sich im Zweihand-Modus nicht verstecken. Viele Figaro3-Skipper haben betont, wie viel Zeit an der Pinne nötig ist, um die neuen Semi-Foiler in Schwung zu halten. Auf den Autopiloten kann man sich offenbar nicht besonders gut verlassen.

So betont der Franzose: “Ich konnte wirklich in Ruhe schlafen, wenn sie das Kommando übernahm. Diesen Sieg teilen wir uns wirklich zu 50 Prozent!” Davies gibt die Komplimente höflich zurück. “Es war ein Vergnügen, mit Yann zu segeln. Es ist phantastisch, seine Art des Segelns so nahe zu erleben. Er schafft es immer, den richtigen Trimm zu finden. Es war super intensiv und ich habe viel gelernt. Und ich denke, auch ein wenig zu diesem guten Ergebnis beigetragen zu haben.”

So drängt sich der Eindruck auf, dass die Britin, die von den Franzosen liebevoll als französischste aller Briten bezeichnet wird, die zurzeit beste Hochsee-Seglerin der Welt ist. Carolijn Brouwer und Marie Riou wurden zwar zuletzt für ihre Erfolge beim Volvo Ocean Race geehrt, aber Davies zeigt noch eindrucksvoller, dass sie in der Männerwelt auch auf einem so physisch anstrengenden Boot wie der Figaro3 mithalten kann. 

Ergebnisse Sardinha Cup 2019

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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2 Kommentare zu „Figaro 3: Mixed Team düpiert Männercrews – Samantha Davies und Yann Eliès dominant“

  1. avatar Sven 14Footer sagt:

    Sehr gut! Ich freue mich besonders für SAm Davies!

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  2. avatar Drachenfan sagt:

    Warum wird die Leistung von Frauen hier immer in Frage gestellt? ” und es ist schwer abzuschätzen wie groß der Anteil von Sam Davies war…” Es ist eine Team Veranstaltung- man gewinnt zusammen, man verliert zusammen. Ich empfinde diese Art der Berichterstattung schlichtweg als tendenziös, spekulativ und im Endeffekt diskriminierend. Vielleicht war der Erfolg ja gerade wegen Sam Davies da? Lohnt sich vielleicht mal darüber nachzudenken…
    Auch beim SCA Team waren immer wieder negative Kommentare vom SR über die Frauen zu lesen, wie auch bei der letzten Vendee’ Globe. Und die Frauen haben dabei eine genauso starke Leistung gebracht wie die Männer.

    Weniger abschätzig und mehr bei den Fakten wäre besser!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

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