Kieler Woche: Internationale Klasse steuern auf ihr Finale zu – Deutsche Crews mit Erfolgsaussichten

Halbes Dutzend Sieganwärter

Ganz entspannt kann die Kieler Woche auf den Abschluss der ersten Hälfte zusteuern. Nach einem weiteren „schönen Tag auf dem Wasser“, wie es Regatta-Organisationsleiter Dirk Ramhorst umschrieb, ist schon ein volles Programm im Plan. „Zum Abschluss segeln wir in einem schmaleren Zeitfenster“, sagte Ramhorst, der erwartet, dass nach dem letzten Rennen am Dienstag viele Segler zügig abreisen werden. Denn eine große Siegerehrungszeremonie wird es wegen Corona nicht geben. Lediglich die Top-Platzierten können sich ihre Trophäen abholen und werden damit dann noch mal fotografiert. Ein halbes Dutzend deutscher Athleten*innen steuert dabei auf Kurs Kieler-Woche-Sieg. Die Dänen haben zwei heiße Eisen im Feuer, Niederlande und Polen jeweils eins.

Sehr gute Segelbedingungen gab es für internationalen Klassen der ersten Kieler-Woche-Hälfte bisher. Foto: Sascha Klahn

420er

Mit dem Start in die Finalrunden haben die polnischen 420er-Teams ernst gemacht. Lagen sie in der Vorrunde noch in Lauerposition, schoben sich nun gleich zwei Crews an die Spitze. Zofia Korsak/Karolina Cendrowska landeten einen Sieg und zwei zweite Plätze zum Sturm auf Rang eins. Ihre Landsmänner Patryk Kosmalski/Tomasz Lewandowski kassierten im ersten Tagesrennen zwar einen siebten Platz, konterten dann aber mit zwei Siegen. Zu Rang drei ist damit schon ein guter Vorsprung eingespielt. Den Bronzeplatz als beste Deutsche nehmen Lilli Zellmer (Rahnsdorf), Tochter von 2004er-Olympiastartet Lucas Zellmer (Berlin), und Vincent Bahr, Sohn von 1992-Olympiateilnehmerin Peggy Bahr, ein. Sie mussten am Montag eine Frühstart-Disqualifikation in den drei Rennen verkraften.

505er

Nachdem Wolfgang Hunger und Holger Jess an den ersten beiden Tagen schon einen dritten Platz als schlechtesten Resultat in der Fiven-Flotte kritisch beäugten, konnte ihnen der Ausrutscher im achten Rennen (Platz 7) gar nicht schmecken. Tatsächlich ist für das Duo aus Strande und Eckernförde der Weg aber geebnet in Richtung des nächsten Kieler-Woche-Sieges. Mit 13 Punkten Vorsprung auf die härtesten Verfolger, Kai Bertallot/Moritz Klingenberg (Kiel), und gar 19 auf die drittplatzierten Stefan Böhm/Gerald Roos (Ville) reicht Hunger/Jess am Dienstag ein zwölfter Platz in den beiden abschließenden Rennen zum Gesamtsieg.

Mit Holger Jess an der Vorschot ist Wolfgang Hunger im 505er eine Klasse für sich und auf dem Weg zum 23. Titel vor Kiel. Foto: Sascha Klahn

Contender

Der Bann ist gebrochen: Die deutschen Contender-Segler können den Dänen zur Kieler Woche doch die Tagessiege streitig machen. An Tag drei durften sowohl Weltmeister Max Billerbeck (Kollmar) als auch der WM-Vierte von 2019, Markus Maisenbacher (Hannover), jeweils einmal im Ziel als Sieger jubeln. An der Gesamt-Überlegenheit der Dänen ändert das indes nichts. Sören Dulon Andreasen führt weiterhin in der Dänen-Kombi vor Jesper Armbrust und Max Billerbeck. Markus Maisenbacher ist vor dem Abschlusstag Achter.

Europe

Mit einem konstanten Tag in einer ansonsten wechselhaften Ergebnisserie von vielen Spitzenseglern hat sich der Kieler Johann Tammen an die Medaillenplätze herangearbeitet. Von Platz vier aus hat er am morgigen Abschlusstag bei Punktgleichheit zum Dritten und nur drei Punkten Rückstand zum Zweiten durchaus Chancen auf das Podium. Die Spitze indes ist unangefochten. Anna Livbjerg (Dänemark) ist kaum mehr vom Goldkurs abzubringen. Dahinter stehen aktuell Cyril Richard (Frankreich) und Simon Christoffersen (Dänemark) auf zwei und drei.

J/24

Zwei Siege in vier Rennen reichten nicht zur Übernahme der Spitze. An Tag drei der J/24-Konkurrenz schien es, als könnte Manfred König (Hamburg) erfolgreich den Thron stürmen. Doch nach zwei Tagessiegen platzte die Erfolgsserie (Rang zehn) und so konterte sich Stefan Karsunke (Hamburg) zurück auf die Top-Position. Das Rennen um den Kieler-Woche-Sieg ist zwischen den beiden Crews damit bis zum Abschluss eng. Frank Schönfeldt (Hamburg) wird als Dritter wohl nicht mehr eingreifen können.

J/70

Vier Rennen und ein neuer Führender: Das Geschehen bei den J/70 hatte an Tag drei jede Menge zu bieten. Der bisherige Spitzenreiter Michael Grau (Hamburg) startete mit den Platzierungen 2 und 1 zwar top in den Tag, musste dann aber einen elften Platz in die Wertung einbringen und kassierte zum Abschluss sogar eine Frühstart-Disqualifikation. Das spielte seinem NRV-Vereinskameraden Claas Lehmann in die Karten, der zwar ohne Tagessieg blieb, aber solide zur Übernahme der Top-Position segelte. Carsten Kemmling als Dritter komplettiert nach einem wechselhaften Tag das NRV-Trio an der Spitze. „Wir haben das Projekt langfristig angelegt, segeln seit zwei Jahren zusammen. Ich habe eine tolle Truppe, und wenn man harmoniert, dann kann man auch gegen Semiprofis wie die von Michael Grau bestehen“, berichtet Spitzenreiter Claas Lehmann, der bereits seit 1984 in verschiedenen Klassen bei der Kieler Woche aktiv und noch immer stolz auf die erste Trophäe von der weltgrößten Regattawoche ist. Für den Abschlusstag setzt er auf guten Wind und die Vermeidung von Zweikämpfen. Dabei hat er den Luxus, im Gegensatz zur Konkurrenz noch keinen echten Streicher in der Serie zu haben. Für die kommenden Jahre setzt der Hamburger darauf, auch mal für ein deutsches Top-Ergebnis bei einer internationalen J/70-Meisterschaft sorgen zu können.

Die Crew von Michael Grau muss nach zwei Tagen an der Spitze das Gelbe Trikot ausziehen und an Claas Lehmann übergeben. Foto: Sascha Klahn

J/80

Schnell unterwegs und mit dem richtigen Blick für die Dreher und Böen: Martin Menzner lässt auf seinem Heimatrevier gemeinsam mit seiner Crew in der J/80 nichts anbrennen. Nach neun Wettfahrten streichen die Kieler einen dritten Platz und bringen sieben Siege und einen zweiten Rang in die Wertung ein. Da werden die Konkurrenten Arne Wilcken (Kiel, Platz 2) und Torsten Voss (Flensburg, Platz drei) nichts mehr an Menzners zwölften Sieg seit 2006 drehen können.

Laser 4.7

Batbold Gruner steht vor seinem größten Erfolg in der Laser 4.7-Klasse: Gekonnt hält der Niedersachse die internationale Konkurrenz in der Laser-Nachwuchsklasse auf Distanz. Obwohl der Start ins erste Rennen des Tages misslang, überzeugte der Segler vom Zwischenahner Meer mit Top-Geschwindigkeit auf dem Kurs und punktete mit einem 4., 6. und ersten Platz. Aber die skandinavischen Verfolger bleiben dran. Erik Norlén (Schweden) und Magnus Heegard (Dänemark) verbuchten auch jeweils einen Tagessieg und werden dem Deutschen zum Abschluss einen harten Fight liefern. „Ich werde morgen früh aufstehen, mich ein bisschen einlaufen und dann rechtzeitig auf das Wasser gehen, um mich einzufahren. Ich werde natürlich auf den Schweden achten und nicht gerade auf der anderen Seite starten“, erklärt Gruner sein taktisches Konzept, um den ersten Platz zu verteidigen. Die komplizierten Winde am Montag auf der Bahn kamen ihm entgegen, da er Gleiches von seinem Heimatrevier gewohnt ist.

Souverän verteidigt Batbold Gruner seit dem ersten Tag die Spitzenposition bei den Laser 4.7. Foto: Sascha Klahn

Laser Radial

Die Weltmeisterin von 2018, Emma Plasschaert, lässt dem Nachwuchs den Vortritt. Die Belgierin brachte an Tag drei zwei Rennen nicht ins Ziel, so dass der Niederländer Paul Hameeteman nun unangefochten an der Spitze steht. Während sich der Brite Arthur Farley vor der Dänin Anna Munch auf Rang zwei setzte, rutschte Plasschaert auf den fünften Rang ab – trotz eines zweiten Platzes zum Tagesabschluss.

Musto Skiff

Keine Veränderungen gab es auf den ersten drei Rängen der rasanten Skiffs. Iver Ahlmann (Kiel) knüpfte nahtlos an die Siegesserie des Vortages an und vergrößerte seinen Vorsprung auf Verfolger Paul Dijsktra (Niederlande) und Jan Busch (Aachen).

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