Minitransat: Henrik Masekowitz und sein zweites Atlantik-Abenteuer

"Unfreundliches Krabbelboot"

Undeutsche Regatta

Weil das Minitransat eine eher undeutsche und weit entfernte Regatta ist, hielten sich die deutschen Teilnahmen bis jetzt in Grenzen, mehr als zehn insgesamt sind es wohl noch nicht. Die Mittelmeer- und Alantikanrainerstaaten Frankreich und Italien zählen dagegen qualitativ hochwertige Flotten. Und: Bis heute starteten nur zwei Deutsche bei den avantgarditischen „Protos“, den Einzelbauten.

Aus deutscher Sicht fanden die meisten Teilnahmen bei den Serienbooten statt, also bei den Pogos, Dingos, Argos und Tamtams. Henrik segelte 2007 einen neuen TipTop von Erfolgsdesigner und Minisegler Sam Manuard, der seine Kohlefaser- und Neigekielerfahrungen aus der Protoabteilung in die Serienboote übertrug. Beides – Kohlefaser und Neigekiele – sind bei Serienbooten jedoch verboten. Es bleiben die minitypischen Rumpflinien und die maximal Sechseinhalb Meter Länge über alles.

Dieser Tage bleibt Henrik wenig Zeit, sich in designphilosophische Betrachungen der Favoritenboote zu ergehen, obwohl es wohl einiges zu sehen gäbe. Das Siegerboot von 2011 beispielsweise, das David-Raison-Design mit dem Scow-Bug, das seinerzeit die Köpfe verdreht hat. Ein ganz altes, neues Prinzip: Die Alten erinnern sich noch an die „Segelprähme“, die Scows, die ihrerzeit schnellsten Segelfahrzeuge überhaupt.

Apropos die Altvorderen. Wolfgang Quix, Matthias Beilken, Boris Herrmann, Jörg Riechers: Alles „deutsche Minis“. Beilken führte 1997 nach dem Start mit seinem Proto über alles, Herrmann war 2001 sogar der jüngste Minisegler bis dato und bleibt es bis heute (beim Start war er jünger, als Ellen MacArthur 1997). Und der Ebersberger Wolfgang Quix – heute weit in den Siebzigern – gehörte 1977 mit seinem Waarship 570 „Waarwolf“ zu den ersten Minipionieren überhaupt.

Segelrebellen trailern nach England

Jene Segelrebellen starteten damals von Penzance/England, weil derart kleine Boote Frankreichs Küstenregionen nicht verlassen durften, selbst der spätere Sieger Daniel Gilard musste sein Bötchen außer Landes trailern. In Frankreich gilt die bizarre Küstenregionsvorschrift übrigens bis heute, das „Mini“ funktioniert jedoch auf Ausnahmebasis.

Bei der ersten, englisch organisierten Veranstaltung, gab es keine Klasseneinteilung und die erste Etappe zu den Kanaren war eine Geschwaderfahrt. Es gab Tote.

Heute ist das „Mini“ höchst seriös und international emanzipiert, alle zwei Jahre starten rund 60 Einhandsegler. Aber einfach Boothaben und Mitsegeln wollen läuft bei den Minis nicht. Vorm Starten stehen rigorose Qualifikationen von Boot und Skipper und besagte strenge Konformitätskontrolle, weil sich kein Veranstalter der Welt mehr Himmelfahrtskommandos leisten kann.

Da Henrik bereits einmal Transat gesegelt ist und die Meilen anerkannt werden, konnte er der Quali die Fulltimebürde und etwas von der berüchtigten Schärfe nehmen. Denn immerhin ist der Hamburger Ingenieur mit einer erfolgreichen Wissenschaftlerin verheiratet, zusammen haben sie zwei Kinder.

Faxen dicke

Es gibt Stimmen, die behaupten, das „Mini“ zähle neben dem Vendée Globe, dem heutigen Velux 5 Oceans, der Route du Rhum und dem The Transat (dem ehmaligen Ostar) zu den wichtigsten Einhandregatten auf dem Planeten. Dem ist eindeutig so und Masekowitz ist der erste Deutsche, der sich anschickt, diese Tortur zweimal zu durchreiten. Alle seine Vorgänger hatten nach einem Mal die Faxen dicke und keine Puste mehr.

Doch obwohl die Wichtigkeit des Rennens nicht überschätzt werden kann, ist den Veranstaltern ihr Hauptsponsor flöten gegangen: Die schwimmende Bootsausstellung Salon Nautique in La Rochelle. Jedoch ist die legendäre Classe Mini die größte Offshoreklassenvereinigung der Welt, Tradition und Verbindungen weitreichend.

Deshalb wird 2013 nicht mehr vor dem monumentalen Fort Boyard gestartet, sondern wieder in Douarnenez. Und das Rennen heißt auch nicht mehr „Transat 650 Charente Maritime Bahia“, sondern wieder „Minitransat“. Und das – jetzt etwas weiter entfernte – Ziel liegt jetzt auch nicht mehr in Brasilien, sondern – natürlich mit Stopp auf den Kanaren – wieder in der Karibik. Aber es bleibt das „Mini“-Rennen. Und auch sonniger Passat kann kleine Boote ganz gehörig beißen.

Und apropos beißen. Ein letztes Wort, Henrik, zum Proviant, zur Hightech-Treckingnahrung, die in heißem Wasser aufquillt und nährstoffspendende Formen annimmt, nicht mehr: „Konsistenz wie Baukleber. Aber eigentlich doch ganz schmackhaft“.

Wenn der Startschuss fällt ist die unerbittliche Bastelzeit vorbei. Und fast so unwiederruflich laufen am Samstag alle Minis zum ledendären „Prolougue“ aus, einer minitypischen Schaulauf-Paraderegatta, die gerne genutzt wird, um mit Sponsrenvertretern zu segeln oder von den Lieben für anderthalb Monate Abschied zu nehmen – auf Wiedersehen auf einem andern Kontinent.

Ein sehenswerter einstündiger Film über Henriks Transat 2007 mit dem Serienboot „TipTop“ ist übrigens auf Henriks Webseite zu sehen.

 

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Ein Kommentar „Minitransat: Henrik Masekowitz und sein zweites Atlantik-Abenteuer“

  1. avatar Wolfgang sagt:

    Alle warten gespannt auf das Ende der Startverschiebung für das Minitransat. Wann gibt es dazu eine Kommentierung von SR ?

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