Volvo Ocean Race: SCA Frauenteam überholt Mapfre kurz vor der Ziellinie

Freude in pink

Was für eine Erlösung für das SCA TEam. Auf den letzten Meilen vor dem Ziel in Kapstadt segeln die Frauen beim Volvo Ocean Race noch an dem spanischen Mitfavoriten Mapfre vorbei.

Volvo Ocean Race

Das SCA Team auf der Ziellinie. © Corinna Halloran/Team SCA/Volvo Ocean Race

In der Nacht wehten noch 33 Knoten und die beiden im Rennen verbliebenen Volvo 65 Racer kämpften mit extrem hohen Wellen. Seit dem Morgen war es dann ein Nervenkampf in der Flaute. Die Frauen machten mächtig Druck.

“Wir haben nie aufgehört zu kämpfen”, sagt die Skipperin Sam Davies. “Das hat uns unser Coach Magnus Olsson beigebracht und wir haben diesen Spirit verinnerlicht.” Der legendäre schwedische Hochseesegler starb 2013 im Alter von 64 Jahren während eines Trainings mit den Frauen auf Lanzarote.

Für die Startruppe um Iker Martinez und Michel Desjoyeaux wurde es langsam eng. Die Gefahr wurde immer größer, dass aus einer vermurksten Etappe eine total verkorkste werden würde. Bei den letzten Positionsupdates konnten die Spanier zwar wieder einigermaßen beruhigende sieben bis acht Meilen zwischen sich und das pinke Boot legen. Aber dann kam vor dem Ziel die große Flaute.

Mapfre segelte näher unter Land parkte vollkommen ein und ließ die Frauen auf einem Kurs weiter entfernt von Land völlig unbehelligt passieren. Das sah nach einem sehr uninspirierten Verteidigungsmatch aus. Schlimmer konnte es für die 49er Olmpiasieger Martinez/Fernandez jedenfalls kaum kommen. Eine Stunde fehlte ihnen schließlich auf SCA.

Volvo Ocean Race

© Shoemaker/Volvo Ocean Race

“Wir müssen eine Menge ändern”, sagt der Onboard Reporter. “Aber die Jungs sind so erfahren, sie werden an den richtigen Schrauben drehen.” Schon wird aber spekuliert, dass eseinen größeren Crewwechsel an Bord geben soll. Ohnehin war geplant, dass Martinez wegen seiner Nacra 17 Olympiakampagne einige Etappen aussetzen wird.

Kurz nach dem Wendepunkt bei Fernando de Noronha wurden die Mitfavoriten durch elektische Probleme gebremst, durch die sie schon fast einen Notstopp hätten einlegen müssen. Dabei verloren sie den Anschluss an die Spitze.

Für die Frauen dagegen ist dieser Sieg im Duell ein wichtiger psychologischer Boost. Nur zu Beginn des Rennens konnten sie zeigen, dass sie absolut mithalten können. Die große Freude über den Coup bei der Ansteuerung von Gibraltar währte allerdings nur kurz. Danach machte SCA jedoch einige taktische Fehler und verlor mehr und mehr den Anschluss.

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© Shoemaker/Volvo Ocean Race

In solchen Phasen kann ein neues Team schnell auseinanderbrechen. Aber die Frauen haben gezeigt, dass sie kämpfen können. Nicht immer wird das beim Segeln belohnt. Dongfeng fand im Zweikampf mit Abu Dhabi zum Beispiel nicht die Überholspur. Aber Team pink hat sich im Finale mit dem Happy End noch einmal großen Respekt bei der Konkurrenz erarbeitet. Das macht Hoffnung auf ein noch stärkeres Frauenteam bei den nächsten Etappen.

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© Corinna Halloran/Team SCA/Volvo Ocean Race

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Carsten Kemmling

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18 Kommentare zu „Volvo Ocean Race: SCA Frauenteam überholt Mapfre kurz vor der Ziellinie“

  1. avatar Seeadler sagt:

    Respekt für das kontinuierliche Fighten trotz des großen Rückstands!
    Eine Empfehlung an den Redakteur. Nachdem der interessierte Leser informiert wurde, dass es sich bei dem SCA-Team um ein reines Frauenteam handelt, einfach das Team so im Text benennen wie alle anderen auch – beim Hauptsponsor oder bei den Namen der wesentlichen Crewführer. Alles andere liest sich so, als ob die Mutter von Wickie n Schiff gekapert hat und nun den Jungs auf ihre Streifzüge folgt. Klar gibt es ganz klare Unterschiede im Männer- und Frauensport, nicht nur beim Segeln. Aber muss man ja nicht dauernd dick auf’s Brot schmieren, oder?
    Besten Gruß!

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  2. avatar Super-Spät-Segler sagt:

    Kommt jetzt als nächstes ein Artikel “Können Spanier nicht segeln?” 😉

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    • avatar Alex sagt:

      oder sind sie mit Absicht rechts abgebogen um sich die Berge aus der Nähe anzusehen und um den Frauen den Weg zum Ziel frei zu machen? 😉

      Ich denke auch, ab jetzt sollte die Zeit sein, wo geschlechterlos, mit dem Manschaftsname Berichtet und Kommentiert wird.

      Danke an die Teams für den ausgesprochen spannenden Schlussteil des ersten Laufes.
      So kann es gerne weiter gehen und der Beste soll gewinnen.

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      • avatar dubblebubble sagt:

        …naja geschlechterlos wäre schon komisch, wenn es solche Berichte wie oben nur gibt eben weil es ein Frauenteam ist.

        Oder wo wurde bei SR zuletzt darüber berichtet wenn der Letzte wegen techn. Problemen des Vorletzten einen Platz nach vorn gespült wird?

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        • avatar Gerti sagt:

          absolut zutreffend !! Dieses Gender-Gedöns hier nervt

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        • avatar Alex sagt:

          Das ist so nicht ganz richtig.
          Die Probleme mit dem Strom hatte Mapfre nach der Wendemarke. Erst danach, als das Problem schon behoben war, hat SCA richtig abreisen lassen.
          Das SCA wieder aufschließen konnte, verdankte sie einer Schwachwindzone in der das Mittelfeld ausgebremst wurde und einem frischeren Wind auf der eigenen Spur.

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  3. avatar Tango sagt:

    Gibt es konkrete Zahlen ?

    Wieviel Prozent (in zeitlicher Hinsicht) lagen die Damen hinter dem Etappensieger ?

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    • avatar C.H. sagt:

      Abu Dhabi: 25d 3h 10min = 36.180 min
      SCA: 26d 23h 37min = 38.857 min

      macht irgendwas bei 7 % Differenz

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      • avatar Tango sagt:

        Danke !

        Das macht also 70m Rückstand pro Kilometer und ist mehr als ich erwartet habe.
        .

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        • avatar Sebastian sagt:

          Das Ergebnis dieser Rechnung ist nicht sehr aussagekräftig. Man kann minimal langsamer sein und deshalb in ein anderes Wettersystem rutschen und schon werden aus wenigen Meilen Rückstand schnell 100 Meilen. Hat man beispielsweise in den Doldrums sehr eindrucksvoll sehen können.

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          • avatar Tango sagt:

            Naja, meiner Erfahrung nach liegen die guten Segler bei allen Bedingungen vorn und die schlechteren regelmässig hinten.

            Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 7 Daumen runter 7

          • avatar Sebastian sagt:

            Ja, die Plazierung ist aussagekräftig, aber nicht der zeitliche Abstand.

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          • avatar Tango sagt:

            Sebastian schrieb: “Hat man beispielsweise in den Doldrums sehr eindrucksvoll sehen können.”

            Habe mir gerade am Tracker angesehen und festgestellt, dass die Damen nicht in den Doldrums zurückgefallen sind.

            Stattdessen segelten sie im Südatlantik (Roaring Fourties) einen nördlichen – eher windarmen – Kurs, während die Männer im Süden den Starkwind suchten, fanden und davonzogen.

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  4. avatar AlCapone sagt:

    Möchtegern Segler….

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  5. avatar Rheinischer Bohnapfel sagt:

    “Elekt(r?)ische Probleme”? Netter Versuch! Mir ist langsam schleierhaft, wie Iker Martinez zu seinen Einheitsklassenerfolgen gekommen ist. Ich denke da an die Katastrophen beim letzten VOR: falsche Tonne gerundet, ‘ne andere geknutscht, regelwidriges luven von Puma (kurz vor einer Brücke, Lissabon oder Auckland), untermediokre Taktik in der Karibik gen Miami. Alles Situationen, wo ich von einem “round the cans”-racer Anderes erwarten würde. Letztes Mal lange vorne mit dem neben Groupama anerkannt absolut schnellsten Boot und einem Navigator mit bestem Ruf. Bei Luna Rossa abserviert. Jetzt von den “girls” supercool austaktiert. Dann schau’ ich mir noch ein paar Interviews mit Martinez an und denk’ mir: Charisma wie ein Kaffefilter. Hat jemand übrigens MD beim Leinenaufschießen nach dem Anlegen wahrgenommen? Stille Bitternis im Gesicht. Kann ich verstehen.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 2 Daumen runter 6

    • avatar Highlander sagt:

      anstatt nur Team Mapfre zu kritisieren einmal eine positivere Darstellung…
      die Spanier sind die noch wahren Gentlemen im Segelsport…
      Als letztmaliger Gewinner der Cape Town Etappe und des dortigen Inport Races war Iker Martinez und sein Team sicherlich bestens vertraut mit den dortigen lokalen Windverhältnissen…
      Trotz diesem Wissen steuerte er sein Boot in Führung liegend direkt in diesen großen Windschatten der Berge, und hat dem Boot der Ladys somit die Chance ermöglicht an Ihnen vorbei zu ziehen,
      welche danach Ihren zweitletzten Platz gefeiert hatten, als hätten Sie die Etappe gewonnen…
      Bei über 2 Tagen Rückstand auf das Siegerboot spielt es aber letztendlich keine große Rolle mehr, ob man den 6. oder den 7. Platz belegt.. 🙂

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    • avatar Tango sagt:

      “Elekt(r?)ische Probleme”

      Der Tracker vermittelt zumindest den Eindruck, dass Mapfe derzeit fernab der anderen Boote repariert wird.

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