Segel-Bundesliga: Vier Aufsteiger aus dem Norden – Titelkampf in 1. Liga spitzt sich zu

Dramatisches Finale

Nach einem dramatischen letzten Flight in Glücksburg ist der Titelkampf vor dem Finale in Berlin immer noch spannend. Vier Punkte fehlen dem NRV nur auf den Meistertitel. Ein Absteiger steht dagegen schon fest.

So oft waren sie schon so nahe dran. Der Blankeneser Segel-Club hatten nach dem Aufstieg in die zweite Liga vor drei Jahren klar die erste Liga im Visier. Aber es wollte einfach nicht klappen. Die Hamburger scheiterten meist tragisch und knapp. 

Auch in dieser Saison schien wieder der erste Nicht-Aufstieg-Platz abboniert. Zu stark und konstant segelte die Konkurrenz auf den ersten vier Plätzen. Die Hierarchie war fest etabliert wie nie in der zweiten Liga.

NRV, Glücksburg

Wechslehafte Bedingungen und teilweise Starkwind auf der Flensburger Förde. © Sven Jürgensen

Die Absteiger der vergangenen Saison Seglervereinigung Itzehoe und Flensburger Segel-Club planten den Wiederaufstieg generalstabsmäßig, verstärkten sich mit neuen starken Steuerleuten, wie Julian Ramm beim SVI (ex Kieler Yacht-Club) und Jan Hauke Erichsen (FSC) und gewannen in dieser Reihenfolge deutlich.

Auch der Akademische Segelverein Warnemünde holte mit dem Coach und Segelmacher Robert Remus einen zusätzlichen starken Mann an die Pinne, erhöhte sein Trainingspensum und organisierte eine J/70 zum Üben. So ersegelt das Team in Flensburg mit Rang sechs souverän den dritten Aufstiegsplatz und wird 2018 als einziger Club aus den neuen Bundesländern in der ersten Liga starten.

Vor dem Zweitliga-Finale im hohen Norden war klar, dass nur der vierte Platz schwer umkämpft sein würde. Der Schlei Segel-Club hat mit zwei zweiten und einem vierten Rang in der Saison gezeigt, dass die Qualität eigentlich für den Aufstieg ausreicht. Aber am letzten Spieltag ging dem Team um ex Match-Race-Meister Andreas Willim, der diesmal unter anderem Sohn Luke dabei hatte, den frisch gebackenen 49erFX-Junioren-Europameister, dann doch die Puste aus.

Platz 13 des SSC gab Blankenese eine Steilvorlage für den Aufstieg. Aber sie schienen mit einem letzten Platz im verflixten 13. Rennen erneut zu scheitern. In diesem Moment  wären die Vertreter von der Schlei punktgleich ins Oberhaus gelangt. Aber dann rissen sich die Feuerherdt Brüder, Marc-Daniel Mählmann und Björn Athmer noch mal zusammen, zauberten die Serie 3/1/3 auf die Bahn und sind nun endlich erstklassig.

Sechs Team verlassen die 2. Liga

Die Entscheidung für den Abstieg aus der 2. Liga fiel dagegen ziemlich deutlich aus. Nach dem neuen Format sind sechs Teams betroffen. Vier hatten sich erst über die Qualifikation 2016 einen Liga-Platz gesichert, aber der Duisburger Yacht-Club, die Entdecker und Seefahrer Fördervereinigung mit Frank Schönfeldt, der Segel-Club Ville und der Lübecker Segler-Verein konnten die Klasse nicht halten. Dazu gesellen sich die Seglergemeinschaft Loheider See aus Duisburg, die zum Schluss mit Rang fünf noch einmal stark auftrumpfte und der Segler-Verein Stade, der mit einem letzten Platz abschloss.

Sie alle haben noch einmal die Chance, bei der neuen Pokal-Regatta (13. bis 15. 10. in Glücksburg), bei der nach einem komplizierten System verschiedenste Vereine startberechtigt sind, Zweitliga-Plätze zu ergattern. Aber im Unterschied zu früher stehen nur zwei Plätze zur Verfügung. DSBL Pokal

Die übrigen vier Plätze sind an die Sieger der Regionalliga-Regatten vergeben. In der Region Süd (7 Teilnehmer) hat sich schon der Augsburger Segler Club mit Musto Skiff-Weltmeister Andi Lachenschmidt am Steuer qualifiziert, im Norden ist der Segelclub Eckernförde nach dem sensationellen, überlegenen Kieler-Woche-Sieg in der 2. Liga dabei. Jens Marten, der Opti-WM-Sechste von 2008 sitzt am Steuer.

Im Westen (14. Teilnehmer) hat sich der Segel-Club Sorpesee Iserlohn mit dem J/70 Spezialist und ex Varianta-Meister Rüdiger Margale am Steuer den Zweitliga-Platz gesichert. In der Region Ost gibt es noch kein Ergebnis.

Zuspitzung in der 1. Liga

Bei der 1. Liga ging es in Glücksburg um den vorletzten Spieltag der Segel-Bundesliga. Die amtierenden Deutschen Meister und Champions-League-Sieger vom Deutschen Touring Yacht-Club hätten eine Vorentscheidung für den dritten Titelgewinn herbeiführen können.

Fünf Punkte lagen sie vor dem NRV und dem SMCÜ vom Bodensee.  Und Maximilian Weiß am Steuer schien bei seinem zweiten Einsatz in dieser Saison erstmalig mit Patrick Follmann und den Taraboccia-Brüdern früh eine Vorentscheidung erzwingen zu können.

Vor den letzten vier Rennen des Finaltags lagen die Bayern in Führung, die Hamburger waren Fünfte und Überlingen kämpfte um die Top Ten. Damit wäre der Vorsprung vor dem Wannsee-Finale im November auf kaum mehr einzuholende zehn Punkte zum NRV angewachsen.

Aber Tobi Schadewaldt legte mit Taktiker Daniel Reichart, Florian Weser und Malte Päsler nach einem durchwachsenen zweiten Tag noch die Serie 2/2/1/1 hin und überholte den DTYC noch im direkten Vergleich ( 46. Rennen ).

Nach einem kurzen Beharken im Vorstart sicherten sich die Hamburger die bessere rechte Seite, führten an der ersten Tonne während der große Konkurrent als Letzter in Luv ankam. Weiß, der Championleague-Sieger von 2016, musste eigentlich nur auf Rang vier steuern, um diese Regatta zu gewinnen und den Vorsprung in der Tabelle auszubauen.

Stattdessen gelang es ausgerechnet dem Lindauer Segler-Club, den vierten Platz um wenige Zentimeter zu verteidigen. In Abwesenheit des etatmäßigen Steuermanns Veit Hemmeter segelten die Lindauer in Flensburg auf den letzten Platz und sind nun in die Abstieg-Zone gerutscht.

So fügte es sich, dass der NRV noch punktgleich wegen der besseren Siegbilanz am DTYC vorbei segelte. Fast hätte es sogar noch zum obersten Podium-Platz gereicht, aber im selben Rennen überholte der VSaW noch Überlingen auf der Ziellinie und siegt in der Gesamtwertung mit einem Punkt Vorsprung. Steuermann Tim Elsner, der bei den Berlinern sonst eher als Taktiker zum Einsatz kommt, setzte damit den rasanten Aufstieg aus dem Tabellenkeller fort. Man musste sich zuvor schon Sorgen um die Berliner machen, die im vergangenen Jahr noch Vizemeister geworden waren.

Der Aufstieg des VSaW aus dem Tabellenkeller.

Der Chiemsee Yacht-Club hätte den Berlinern im Falle eines Sieges im letzten Rennen noch in die Suppe spucken können. Zumal Leopold Fricke mit seinen Jungs eine Serie von drei ersten Plätzen gestartet hatte. Aber mit Rang vier zum Schluss, als die linke Seite nicht mehr funktionierte, rutschen sie noch knapp vom Podium.

Vor dem Finale in Berlin ist es nun auf den hinteren Plätzen wieder dramatisch geworden im Kampf um den Abstieg. Chiemsee auf Rang zehn hat nur sechs Punkte Vorsprung auf den Hamburger Segel-Club, der den ersten von vier Abstiegsplätzen belegt. Drei der vier Aufsteiger sind damit in großer Bedrängnis. Der Schweriner Yacht-Club hat schon vor dem Finale rechnerisch keine Chance mehr, und dem Potsdamer Yacht-Club fehlen schon neun Punkte. Allein die Segelkameradschaft “Das Wappen von Bremen” hat sich auf Rang sieben solide im Oberhaus etabliert.

Ergebnisse aus Glücksburg

Gesamtwertung

Crewliste 1. und 2. Liga Glücksburg

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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