Volvo Ocean Race: Der Ärger beim AkzoNobel Team – Gab es eine Palast-Revolution?

Warum der Skipper gehen musste

Die Volvo Ocean Race Schmutz-Geschichte um das AkzoNobel-Team geht in die nächste Runde, obwohl bereits ein neuer Skipper benannt ist. Der geschasste Tienpont will ein Schlichtungsinstitut anrufen.

Simeon Tienpont gibt nicht auf. Er soll heute zwei Tage vor dem Volvo-Ocean-Race-Start in Alicante einen Termin vor dem holländischen Schlichtungs-Institut NAI anstreben, um vielleicht doch noch seinen Skipper-Platz einzunehmen.

Aber diese Tür scheint endgültig verschlossen. Inzwischen hat sein Wachführer Brad Jackson die Aufgaben übernommen und der Amerikaner Rome Kirby ist eingeflogen, um die fehlende Crewposition zu besetzen.

Jackson hat das Volvo Ocean Race 2011-12 auf Puma (Platz 3) an der Seite des 28-Jährigen aus Newport gesegelt. Zusammen strandeten sie nach einem Mastbruch auf der kleinen Insel Tristan de Cunha im Südatlantik. 2013 gewann Kirby den 34. America’s Cup in San Francisco mit dem Oracle Team USA .

Nun stellt sich die Frage, wie es zu diesem ungewöhnlichen Wechsel so kurz vor dem Start kommen konnte. Wer hat den Schwarzen Peter? War Tienpont die treibende Kraft? Hat er sich mit dem Sponsor überworfen, oder wollte AkzoNobel ihn loswerden? Gab es gar eine Palast-Revolution. Gab es ein Zerwürfnis zwischen Crew und Skipper?

Rome Kirby der neue US-Ersatzmann für AkzoNobel. © VOR

Darauf deutet ein Bericht des niederländischen Senders NOS hin. Darin sagt die Kommunikationsbeauftragte des AkzoNobel Teams Emily Caroe: “Die Crew hat entschieden, wer der Skipper sein soll, und das ist Brad Jackson.” Das Votum fiel offenbar eindeutig gegen Tienpont aus.

Zwerwürfnis zwischen Skipper und Sponsor

Die niederländische Website ClubRacer spricht davon, dass das Zerwürfnis zwischen Tienpont und AkzoNobel begann, als der Skipper die zahlreichen Sponsor-Verpflichtungen in den Etappenstandorten kritisierte. Er soll schließlich nicht mehr in die Planung mit einbezogen worden sein. Außerdem soll nach dem Bau des einzigen neuen Bootes der Flotte für zwei Millionen Euro das Geld nur noch stockend geflossen sein.

Das AkzoNobel Team in Aktion. © James Blake / Volvo Ocean Race

Tienpont fiel immer mehr in Ungnade. So schreiben die Holländer, dass eine längere Testsegel-Phase dem Umstand zum Opfer gefallen sei, dass der Sponsor Gelder für das Trainingsboot zu spät an die Volvo Ocean Race Organisatoren zahlte. Der Skipper mietete daraufhin eine andere Yacht.

AkzoNobel baute Druck auf, indem auch Gehälter für die Crew zurückgehalten wurden. Neue Verträge direkt mit dem Sponsor sollen den Seglern angeboten worden sein.

Allianzen gegen Tienpont

ClubRacer spekuliert weiter, dass der Grund für den Verlust des Rückhalts bei der Crew  auch mit der Nationalität zu tun habe. “Mit zwei Neuseeländern und einem Australier im Team ist es schwer Verbündete zu finden.” Damit sprechen die Holländer ein in Profikreisen weit verbreiteten Vorwurf an, dass insbesondere die englischsprachigen bezahlten Segler Allianzen bilden, um zum Beispiel Europäer von ihren Positionen an Bord zu verdrängen.

AkzoNobel hinter dem Renn-Favoriten Mapfre. © James Blake / Volvo Ocean Race

Die Crew musste sich offenbar für oder gegen Tienpont entscheiden. Schließlich hat sie Jackson den Treueschwur geleistet. Ob er allerdings diese Position behält, wird sich nach der ersten Etappe zeigen. Immer wieder fällt der Name Chris Nicholson, der zuletzt unrühmlich mit dem Vestas-Projekt verbunden war. Unter seiner Führung als Skipper segelte der VO65 vor Mauritius auf die Steine. Mit dabei war der Däne Nicolai Sehestedt, der nun auch im Aufgebot des AkzoNobel-Teams steht.

Das alles sind keine guten Nachrichten für ein Team, dass möglichst schnell und erfolgreich um die Welt segeln will. Es muss sich zeigen, ob unter diesen Voraussetzungen eine gute Leistung möglich sein wird. Vielleicht gelingt es eine Jetzt-erst-recht-Mentalität aufzubauen.

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „Volvo Ocean Race: Der Ärger beim AkzoNobel Team – Gab es eine Palast-Revolution?“

  1. avatar Steehl sagt:

    Jetzt segelt er wohl doch…

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