Der Kajakmaran-Mann Andreas Gabriel kommt nach Hause

"Der Moment, in dem das Meer zu mir spricht"

Nach nächtlicher Kajakmaran Rettungsaktion, nackich und nur mit Stirnlampe bewaffnet © A.Gabriel

Heute Morgen ist ein besonderer Morgen, denn ich verlasse nach zwei Nächten meine hübsche Bucht des Grauens. Eine Brandungswelle hat mich in jenem Moment an den Strand geworfen, als ich mich eigentlich bereits gegen sie entschieden hatte.

Dass ich mit Fredericos Flasche Rotwein im Kopf um 21 Uhr 30 im Zelt wach wurde, nackt und mit Stirnlampe bewaffnet bis um 24 Uhr meine Karre retten musste, ist noch wieder eine eigene Geschichte.

Die hübsche Bucht des Grauens; am Morgen danach wird alles getrocknet © A.Gabriel

Alles ist wieder trocken, sauber und ich bin bereit für die Wellen, die ich den ganzen gestrigen Tag beobachtete, um ihre Intervalle zu studieren. Stelle fest dass es angenehmer ist, “unten ohne” 300 kg
im morgendlichen Sonnenschein bei bester Stimmung den Strand hinunter in das Wasser zu ziehen, als es nachts wutschnaubend bergauf zu reißen.

Meine Klamotten hängen im Mast und ich drehe das Boot so schnell wie ich nur kann mit der Schnauze in die Wellen, um nicht so nass zu werden. Der Außenborder läuft…zähle die Wellen … 1, 2, 3 bis 6 … eine kleine hinterher … Los Meister! … JETZT!!!! Rauf auf das Boot und Vollgas.

Der Proviant neigt sich dem Ende entgegen - eine grössere Stadt muss wieder angelaufen werden © A.Gabriel

Hat gut geklappt, Juchhuu!! Rein in die Klamotten und weiter gehts. Ohne Positionen in meinem GPS bin ich heute Richtung Taranto unterwegs in die Zivilisation. Mein Wasser und auch meine Essenvorräte sind fast am Ende.

Obwohl man eine Stadt dieser Größenordnung kaum übersehen kann, ärgere ich mich ein wenig über meine fahrlässige Vorbereitung. Nach 8 Meilen umfahre ich ein weit vorgelagertes, sehr millitärisch aussehendes Kap.

Radarantennen … alles bewacht und eingezäunt. Bin ich zu dicht dran, ich ewiger Spion, ich? Wieder eine Lautsprecherstimme!!! Diesmal allerdings auf Italienisch. Für mich aber alles kein Thema, bin ja schon 7 Tage hier. Übersetze in rasender Geschwindigkeit ins Hessische: “mach disch hiä vom Aggä, du Nussscheel”. Natürlich muss ich grinsen, aber wohl ist einem irgendwie nie bei solchen Aktionen.

Ein Boot nähert sich mit rasender Geschwindigkeit … Oha! Nee, düst vorbei:-)Puuhh, wohl alles gut. Da! Taranto … Oh mein Gott … Riiiieeesig tut sich da eine Stadt, weit zurückgelagert in einer Bucht auf. In meinem Glas sehe ich Tanker, Frachter, ätzend viele Beladungskräne, hunderte roter Bojen und komische gelbe mittendrin. Zudem läuft anscheinend  ein Felsengürtel durch die ganze Bucht parallel zum Festland. Für mich ein unergründbares Seezeichenspektakel, mystischer Art.

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Andreas Gabriel

... ist Frohnatur, Geschichtenerzähler, Abenteurer und Maurer zugleich. Er brach von Tönning in NORDfriesland Ende April 2011 auf, um mit seinem Kajakmaran Europa zu umrunden. Über Kanäle, Rhein, Main, Donau, ins Schwarze Meer und dann über das Mittelmeer zurück. Alles ohne Geld. Andreas Gabriel erzählt wahre Geschichten, die er unterwegs erlebt, und seine Zuhörer freuen sich, dass er eigentlich ihren Traum lebt. Ihre Unterstützung kommt postwendend. Dass dieses spannende und intensive Reisen funktioniert, hat er schon in den ersten 2 Etappen bewiesen. In der dritten Etappe geht es von Laredo / Nordspanien nach Hause nach Tönning. Seine Webseite lautet www.der-mit-dem-wind-faehrt.de
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10 Kommentare zu „Der Kajakmaran-Mann Andreas Gabriel kommt nach Hause“

  1. avatar Lyr sagt:

    Ein Glück… langsam glaubte ich schon du willst dich umbringen. Willkommen zurück in Deutschland (im Winter). Deine Geschichten waren sehr faszinierend und über jede Neue habe ich mich noch mehr gefreut.
    Jetzt hab eine tolle Zeit mit deiner Familie, freue mich jetzt schon auf die Fortsetzung deiner Crusoe-Abenteuer mit neuer Kraft im neuen Jahr!!

    cheers

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 11 Daumen runter 0

  2. avatar Marc sagt:

    Und was ist mit dem armen Kajakmaran? Wird der zurückgelassen? Der erziehlt doch sicherlich einen super (Sammler)Preis oder gehört in ein Museum!

    *schon mal ein Buch bestell*

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    • avatar stefan sagt:

      …wieso, soweit ich seine Planungen am Anfang verstanden habe, war eine Unterbrechung im Winter geplant. Die Fortsetzung folgt dann im kommenden Frühjahr.

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  3. avatar Henrik sagt:

    Habe mich in den letzten Tagen oft gefragt “Wie will der Kerl im Dezember auf dem Atlantik überleben ?!”

    Schade um die Vollendung der Tour aber Hut ab vor der Vernunftentscheidung ! Nächstes Jahr gehts weiter…

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  4. avatar matti sagt:

    Jetzt darfste Dich auch mal wieder rasieren 😉
    Gute Erholung und Glück auf, Andreas!

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  5. avatar Uwe sagt:

    Ich habe die Reise mit Spannung verfolgt und bin gespannt, wie es weiter geht. Hut ab vor der Tour – ich habe mich mal mit einem Faltboot aufs Meer gewagt, und fand das Meer aus der schwimmenden Ente-Perspektive bisweilen recht bedrohlich.

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  6. avatar seven sagt:

    Unglaublich,man kann in den letzten 3 absätzen ganz real seine freude spüren wieder nach hause zu fahren!
    Chapeau Kajakmaran Mann und komm gut über den Winter!

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  7. avatar Horst Hennig sagt:

    Hallo Andreas,

    super Sache die Du da machst. Deine Internettberichte klasse, mach so weiter, werde Deine Reise weiter
    verfolgen.

    Alles Gute und immer eine handbreit Wasser unterm Kiel.

    Liebe grrüße Horst

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