Der Kajakmaran-Mann Andreas Gabriel kommt nach Hause

"Der Moment, in dem das Meer zu mir spricht"

"Da fährst du nicht hinein, da findest du weder rein, noch wieder raus!", beschließe ich spontan. Dann lieber verhungern und verdursten. © Google Maps API

“Da fährst du nicht hinein, da findest du weder rein, noch wieder raus!”, beschließe ich spontan. Dann lieber verhungern und verdursten. Der Wind hat jetzt etwas zugenommen, während ich witzelnderweise, in Selbstgesprächen versunken einen Slalomparkuhr (kleines Wortspiel muss erlaubt sein:-) durch den Bojenwald veranstalte.

Eine Besonderheit ist mir aber natürlich nicht entgangen in diesen Momenten. Es ist nicht nur der Wind, der mich horchen lässt. Auf den Wellen haben sich kleine Krissel gebildet. Vorboten für etwas hier draussen, dass nicht normal ist. Ich werde etwas unruhiger … sehe eine weitere Stadt im Fernglas. Schätze die Entfernung auf 10 Meilen ein. Jetzt ist es 12:30 Uhr. Die Tage sind bereits sehr kurz und die Sonne verschwindet ab 16:00 Uhr. Ich muss jetzt schnell sein und entschlossen vorgehen, für ein sicheres Nachtlager.

Meile für Meile nichts in meinem Glas, nur steile Strände und viel Brandung. “Oh Gott, die Stadt auf die ich zusteuerte, war keine! Eine Hotelkette mit ebenfalls nur Strand und hoher Brandung. Wat nu, Meister? Wat wat wat? Oha, da! Rechts (“Steuerbord” für Delius-Klasing Terroristen), eine Brandungsmole. “Das guckst du dir erstmal an!”

Nach 1,5 Meilen bin ich bei ihr und was ich sehe, ist nicht sehr einladend. 14:00 Uhr ist es jetzt, ich fahre weiter. Sehe ein Boot mit zwei Tauchern in meinem Fernglas. Frage die beiden, wie weit es bis zum nächsten Hafen sei? “KEIN Hafen”, so die Antwort. Meine Frage, ob ich denn dort hinter der Mole irgendwo hineinfahren könne, verneinen die beiden energisch.

Hier mein Intuitionsschlenker © Google Maps API

Fahre wieder weiter … aber nur eine Meile. “Du musst zurück und hinter diese Mole, Andreas!” Lieber ein wenig Brandung hinter einer Mole, als unkontrollierbares Wellenwirrwar, an irgendeinem Strand.

Ich gehe im Halbschutz der Mole auf den Sand für einen Lagecheck und was sich mir auftut nach zwei Minuten Besichtigung, ist ein Paradies für schutzsuchende Kajakkat-Kapitäne. Ein alter versandeter Hafen mit “Dreikammer-Schutzsystem”!!! HALB GESCHÜTZT–GUT GESCHÜTZT–ENTENTEICH.

Just in dem Moment, in dem ich mich erstmal für die zweite Kammer entscheide, ist er da, der Grund für die Krissel auf dem Wasser. DER SIROCCO!!! Dieser schnelle, gefürchtete Südwind mit der genauen Bezeichnung: Sirocco GT 8 Turbolader mit Lachgasdirekteinspritzung. Innerhalb einer Stunde, verwandelt sich meine Moleneinfahrt in das Tor zur Hölle, ein Wahnsinn.

avatar

Andreas Gabriel

... ist Frohnatur, Geschichtenerzähler, Abenteurer und Maurer zugleich. Er brach von Tönning in NORDfriesland Ende April 2011 auf, um mit seinem Kajakmaran Europa zu umrunden. Über Kanäle, Rhein, Main, Donau, ins Schwarze Meer und dann über das Mittelmeer zurück. Alles ohne Geld. Andreas Gabriel erzählt wahre Geschichten, die er unterwegs erlebt, und seine Zuhörer freuen sich, dass er eigentlich ihren Traum lebt. Ihre Unterstützung kommt postwendend. Dass dieses spannende und intensive Reisen funktioniert, hat er schon in den ersten 2 Etappen bewiesen. In der dritten Etappe geht es von Laredo / Nordspanien nach Hause nach Tönning. Seine Webseite lautet www.der-mit-dem-wind-faehrt.de
Spenden

10 Kommentare zu „Der Kajakmaran-Mann Andreas Gabriel kommt nach Hause“

  1. avatar Lyr sagt:

    Ein Glück… langsam glaubte ich schon du willst dich umbringen. Willkommen zurück in Deutschland (im Winter). Deine Geschichten waren sehr faszinierend und über jede Neue habe ich mich noch mehr gefreut.
    Jetzt hab eine tolle Zeit mit deiner Familie, freue mich jetzt schon auf die Fortsetzung deiner Crusoe-Abenteuer mit neuer Kraft im neuen Jahr!!

    cheers

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 11 Daumen runter 0

  2. avatar Marc sagt:

    Und was ist mit dem armen Kajakmaran? Wird der zurückgelassen? Der erziehlt doch sicherlich einen super (Sammler)Preis oder gehört in ein Museum!

    *schon mal ein Buch bestell*

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 0

    • avatar stefan sagt:

      …wieso, soweit ich seine Planungen am Anfang verstanden habe, war eine Unterbrechung im Winter geplant. Die Fortsetzung folgt dann im kommenden Frühjahr.

      Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  3. avatar Henrik sagt:

    Habe mich in den letzten Tagen oft gefragt “Wie will der Kerl im Dezember auf dem Atlantik überleben ?!”

    Schade um die Vollendung der Tour aber Hut ab vor der Vernunftentscheidung ! Nächstes Jahr gehts weiter…

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

  4. avatar matti sagt:

    Jetzt darfste Dich auch mal wieder rasieren 😉
    Gute Erholung und Glück auf, Andreas!

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 0

  5. avatar Uwe sagt:

    Ich habe die Reise mit Spannung verfolgt und bin gespannt, wie es weiter geht. Hut ab vor der Tour – ich habe mich mal mit einem Faltboot aufs Meer gewagt, und fand das Meer aus der schwimmenden Ente-Perspektive bisweilen recht bedrohlich.

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 0

  6. avatar seven sagt:

    Unglaublich,man kann in den letzten 3 absätzen ganz real seine freude spüren wieder nach hause zu fahren!
    Chapeau Kajakmaran Mann und komm gut über den Winter!

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

  7. avatar Horst Hennig sagt:

    Hallo Andreas,

    super Sache die Du da machst. Deine Internettberichte klasse, mach so weiter, werde Deine Reise weiter
    verfolgen.

    Alles Gute und immer eine handbreit Wasser unterm Kiel.

    Liebe grrüße Horst

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *