Knarrblog: Sommertörn Lyö – Aarö

Back to the roots. Spülen ...

Die Abendsonne leuchtet auf dem Weg nach Aarö.

Ich hasse es! Da bewegt man sich auf einer der exklusivsten Arten vorwärts, auf einer hübschen Segelyacht. Man genießt einen herrlichen Tag auf See, die Sonne, den Wind, das Leben. Es ist sogar noch ein Platz im vollen Aarö frei. Der Tag sollte mit einem netten Roten auf der Hafenmole ausklingen. Stattdessen … spülen!

Endlich etwas Wind. Die Dynamic 35 springt richtig gut an.

Spülen. Das ist diese Tätigkeit, die seit der vielleicht sinnvollsten Erfindung der Menschheit, der Spülmaschine, getrost aus dem Sprachschatz gestrichen werden konnte.

So wie das Höhlenmalen, seit unsereins nicht mehr in Höhlen wohnt, oder das Bärenerlegen, seit Bären in freier Wildbahn immer seltener werden.

Spülen. Das stammt noch aus der Zeit von Frau Tilly, oder so, die für ein Spülmittel warb, das die Hände beim Spülen nicht zu abgenutzten Spülhänden machte, sondern quasi im Whirlpool entspannen ließ.

Spülen ist also nicht mehr. Aus und vorbei. Es sei denn, man begibt sich auf einen Sommertörn. Einmal im Jahr muss man wieder ran. Jeden Tag diese erniedrigende Arbeit verrichten.

Wo man sonst nur die Teile in die Maschine stellt und sich mit dem Lebenspartner über den Arbeitsablauf des Ein- und Ausräumens, des strukturierten Platz Ausnutzens und des Sinn oder Unsinns von Vorspül-Aktivitäten auseinandersetzt, muss man sich nun wirklich die Hände dreckig machen.

Diese Zeilen werden mit aufgequollenen, rissigen Fingern in die Tastatur gehackt, weil Frau Tilly längst in Rente ist und ihre Nachfolger die Spülmittel nicht der Belastung der Hände durch Schotzug und Spülwasser angepasst haben.

Wie auch immer. Es nervt, dass man beim Fahrtensegeln spülen muss. Denn wer schleppt schon eine Spülmaschine mit. Aber irgendwie ist es auch ein Zeichen des Back-to-the-roots-Charakters, den das Segeln mit Schneckenhaus ausmacht. Man muss sich einfach wieder daran gewöhnen, die einfachen Dinge des Lebens nicht aus der Hand genommen zu bekommen.

Vermutlich ist damit dieser Entspannungs-Charakter verbunden, den das Fahrtensegeln zweifellos beinhaltet. Und der ist umso größer, je mehr man seine Komfort Zone verlässt. Nach diesem Muster müsste am Ende des Törns eine Art Hass-Liebe zum Spülen entstehen. Mal sehen …

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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Ein Kommentar „Knarrblog: Sommertörn Lyö – Aarö“

  1. avatar Kai sagt:

    Sei beruhigt….
    Dein Schicksal teile ich mit Dir:-(
    Spüle auch hier am Waginger See beim Campen. Sollte eigentlich Erholung sein und dann diese leidige Angelegenheit….
    Ich versuche seit heute meine beiden Kids zumindest für das Abspülen des Frühstücks zu mutivieren.
    Da lasse ich mich doch lieber von Dir anschreien, da ist dann wenigstens der Gardasee um mich ;-)und kein spülen….

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