Opti-Vater-Saga Teil II

Der Junge wollte zur Regatta! Das Ende einer Karriere?

Der Junge sitzt im Opti © C. Kemmling

Nun ja, eigentlich weiß der Junge ja gar nicht, wie toll Regatten sind. Von alleine wäre er nicht darauf gekommen. Aber es schien, dass ihm beim Club-Training das raumschots hin- und hersegeln mit den Anfängern immer weniger Spaß machte.

Irgendwann wird der Neunjährige noch glauben, segeln sei langweilig. So wie der ältere Bruder. Aber um Gottes Willen! Dieses zarte Flämmlein aufkeimender Lust sollte doch nicht so ohne weiteres verlöschen.

Also Wettrennen, Regatta. Der Junge soll beurteilen können, ob segeln wirklich langweilig ist. Bloß wie den ersten Schritt gehen? Der Junge hat einen Kumpel an Schlei, der dort die Rennen der C-Gruppe in der Schlei-Liga bestreitet. Der schwärmt: „Das ist nett.“ Kein Wunder, er gewinnt sie auch meistens.

So beschließt der Familienrat: erste C-Regatta für den Jungen auswärts! Nun ja, der Aufwand scheint übertrieben. Der Junge soll ja kein Profi-Segler werden. Er soll ja nur diesen verdammten Sport gut finden. Die Freunde wollen wir doch sowieso besuchen.

Ein Tag im Juli bei denn Lüttseglern auf dem Holm in Schleswig. Ordentliches Wetter, ordentlicher Wind. Der Junge fährt mit der Truppe seines Kumpels aus dem Hafen. Vor dem Wind. Ausgerechnet platt vor dem Laken. Kann er das eigentlich schon? Checkt er, dass ihn der Baum aus dem Boot fegt, wenn er unkontrolliert herüber schägt? Das Achterliek winkt. Ist er eigentlich warm genug angezogen?

Der Junge entschwindet aus dem Sichtfeld. Die Mutter macht sich Sorgen. Der Vater etwas weniger. Er darf das auch nicht so zeigen. Ist unmännlich. „Der wird das schon packen…“

Die Familie fährt mit dem Auto zur Startlinie. Optis wimmeln umher. Wo ist der Sohnemann? Die Mutter wird immer unruhiger. Der Wind weht stärker als erwartet. „Er ist nicht warm genug angezogen!“ „Ja, ja“, denkt der Vater und verdreht die Augen.

Der Junge ist immer noch nicht entdeckt. Ist irgendetwas passiert? „Er ist nicht warm genug ANGEZOGEN !!!“. Der Ton der Mutter verschärft sich. Mütterlicher Instinkt oder so. „Jaaahaaa!!“, denkt der Vater genervt. Es wird langsam peinlich. Die anderen Eltern gucken schon.

Der Vater bringt unmerklich etwas Distanz zwischen sich und diese Frau. In der Hoffnung dass man seinen daneben stehenden Kumpel für den Ehemann hält. Es wird schon alles gut gehen. Wie immer, wenn sich die Frau Sorgen macht.

Da ist ja auch der Sohnemann. Sein Segel flattert. Kein Wunder. Das Schiff liegt auf einem Gummiboot. Es fährt mit Vollgas Richtung Hafen. Hüstel, nun ja.. Sollte die Liebste Recht behalten? Ähem…

Der Junge heult. Er ist an der Startlinie gekentert, hat aufgerichtet und war dann wohl nicht warm genug ANGEZOGEN. Klar, er hat ja auch noch keine Profi-Klamotten-Ausrüstung. Wer weiß, ob er überhaupt Spaß hat. An diesem Tag jedenfalls nicht. Das Ende einer viel versprechenden Karriere?

Der Vater hat noch Hoffnung. Seine Reputation als Kinder-Versteher dürfte zwar ziemlich gelitten haben. Was soll Mann auch gegen mütterliche Instinkte ausrichten? Aber der Junge scheint auf den ersten Blick keinen bleibenden Schaden mitgenommen zu haben. Nach ein paar Stunden sind die Tränen getrocknet. Plötzlich ist das Erlebnis ein großes Abenteuer. Ob es weiter geht?

Opti-Vater-Saga Teil I

Carsten Kemmling
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