Digger Hamburg: Reise an einen besonderen Ort – Ist das nun der Segler-Himmel?

Ziel gefunden, das nie eines war

Stephan Boden hat mit seiner “Digger” ein Traumziel in Dänemark erreicht, ohne es gesucht zu haben. Er beschreibt die einzigartige Atmosphäre und will den Ort unbedingt geheim halten.

Digger Hamburg

Ausblick von “Lycken”. Ein Ort im Himmel? © Digger Hamburg

Die folgenden Zeilen schreibe ich ohne Angaben von Zeiten und Routen. Ich werde falsche Angaben machen und auch richtige. Ganz sicher werde ich falsche Fährten legen. Warum? Weil ich einen Ort gefunden habe. Einen Ort, den ich entdeckt habe und für mich behalten werde. Ich werde nicht einmal verraten, wann ich diesen Ort besucht habe und wann dieser Artikel geschrieben wurde. Ich bitte auch alle, die wissen wo ich diesen Ort gefunden habe, dieses für sich zu behalten. Geht los:

„Stephan trägt übrigens mit seinen Revierführer-Filmen die Schuld, dass viel mehr Segler nach Lyø fahren.“ Die vorstellenden Worte, die Max zu seinem Freund Jakob über mich sagte, gingen bei mir runter wie Öl. Und zwar wie ranziges Öl, dass mit Sand und vergammeltem Fisch versetzt ist. Wenn dem wirklich so sein sollte, tut mir das irre leid.

Ich habe Lyø 2002 kennengelernt. Wir bekamen den Tipp damals in einer Kneipe auf Ærø von einer alten Dame, die auch noch „Lykken“ (bedeutet so viel wie „Glück“) hieß. Lykken gab uns diesen Geheimtipp mit auf den Weg. Damals war Lyø noch ein kleiner, enger Fischerei- und Fähranleger, in dem auch Platz für ein paar Segelboote war.

Lyø hat viel verloren

Im letzten Jahr war ich etwas geschockt, wie groß der Hafen ausgebaut wurde und was dort im Sommer los ist. Mag es der Insel vielleicht auch wirtschaftlich gut tun, so hat Lyø viel von dem verloren, warum es mal mein Lieblingsziel in der dänischen Südsee war. Für viele ist Lyø dennoch der Einstieg in eine tiefere Ebene dieses Reviers, fernab von den großen Häfen mit Automaten und Restaurants am Steg.

Digger Hamburg

Stephan und Polly beim Ausflug auf “Lykken”. © Digger Hamburg

Es geht aber noch viel tiefer. Der alte Hafen von Drejø zum Beispiel. Allerdings wurde auch der wohl von den Motorbratzen entdeckt, die diesen Hafen am Wochenende übervölkern und in dem man laute Musik hört. Musik, die man nicht hören will. Schon gar nicht in Drejø Gamle Havn.

Das war die Vorgeschichte.

Nun habe einen neuen Ort gefunden. Einen Ort, der eine unglaublich eigenständige Ausstrahlung hat. Ich werde nicht verraten, ob dieser Ort eine Insel ist oder einfach nur ein Fleckchen Erde auf Fyn, Langeland oder Ærø. Ganz große Boote passen hier nicht hinein. Bei 35 Fuß ist definitiv Schluss.

Alles hier ist wunderschön

Dieser Ort ist wunderschön. Was nicht ungewöhnlich ist. Denn irgendwie ist hier alles wunderschön. Amerikanische Segelyachten ankern in der Region, weil es – 1000 mal geschrieben und immer noch gültig – eines der schönsten Segelreviere der Welt ist.

Und dann segelte ich zufällig zu dem Ort, den ich einfach mal Lykken nenne. Nach dem Anlegen war es zunächst wie immer: Ich habe Polly genommen und bin erst mal durch Lykken gegangen. Schön hier. Wieder mal. Der Hafen war nicht besonders voll. Ein paar Dänen kommen zu Tagesbesuchen her und legen dann wieder ab. Wegen des guten Wetters habe ich entschieden, hier einen Strandtag zu machen.

Wobei der Begriff Strand, seitdem ich das SUP als Dingi habe, einen anderen Stellenwert bekommen hat. Ich suche immer nach einsamen Stränden, die man nicht zu Fuß erreicht. Habe ich auch hier gefunden – schöner als alle anderen bisher. Keine Steine im Sand. Ein paar Algen und Wasser. Wasser mit Farbe und Klarheit, die an Gin erinnert.

“Schönheit” hängt von Sanitären Anlagen ab

Abends bin ich noch einmal herumgelaufen. Und habe noch viel mehr Schönes entdeckt. Wenn man Zeit für etwas hat, schärft man die Sinne für Details. Viele Segler legen in Häfen ab, klaren das Schiff auf, stellen den Cobb an Land, „grillen“, gehen zurück aufs Schiff, schlafen, duschen und legen ab. Ob ein Törnziel schön ist, hängt für sie dann von den sanitären Anlagen oder der WLAN Qualität ab. Wie bereits gesagt: ich bekam vor kurzem als „Geheimtipp“ von einer Dame den Handelshafen von Faaborg genannt…

Vor ein paar Tagen schrieb mir der Redakteur des Magazins „Adrenalin“, ob ich irgendwann in den nächsten Tagen Zeit hätte, ein Skype-Interview zu führen. Ich schlug vor, dass zu machen, sobald ich einen Hafen mit Internet habe (mein Stick ist leider kaputt).

Nun war ich in „Lykken“ und ich war noch nicht fertig mit „Lykken“. Abends, als ich mit einem – ich nenne jetzt keine Namen – anderen Segler gegrillt habe, der die Besonderheiten hier auch erkannt hat (er hat auch Zeit), habe ich eine Münze geworfen. Und diese Münze entschied: „Stephan, bleib noch. Fahr nicht.“ Also bin ich am nächsten Morgen mit meinem Rechner bewaffnet losgezogen, auf dem Weg nach einem Hotspot.

Was hier ziemlich absurd wirkt. Ein Hotspot hier sollte so wahrscheinlich sein wie ein Tyrannosaurus Rex, der in einem Ferrari F40 telefonierend an einem vorbei fährt und den Stinkefinger zeigt, während sich Hello Kitty auf dem Beifahrersitz rasiert. Keine 200m vom Hafen entfernt fuhr der Ferrari an mir vorbei.

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Digger Hamburg

Kleiner segeln - größer leben. Filmemacher und Autor Stephan Boden verbringt jeden Sommer auf dem Wasser. Früher auf seiner VA18 "Digger" jetzt auf der Bente24, die er selbst initiiert hat. "Auf See habe ich Zeit, das schärft den Blick für Details." Zu seinem Blog geht es hier

25 Kommentare zu „Digger Hamburg: Reise an einen besonderen Ort – Ist das nun der Segler-Himmel?“

  1. avatar Piet sagt:

    Schönheit liegt ja im Auge des Betrachters.

    Wenn Herr Boden es dort so schön findet weil Ihn jeder “zuvorkommend” behandelt kann ich nur Herzlich Glückwunsch sagen.

    Es gibt Tausende Geheimtips in der Dänischen Südsee. Jeder kann Sie entdecken wenn mann sich von Hafenführern lossagt und auf erkundungstour geht.

  2. avatar Manfred sagt:

    Schön geschrieben, DANKE!

  3. avatar Skiffi sagt:

    Bringt einem ja wirklich viel als Leser, wenn man nicht erfährt, wo dieser Ort zumindest grob liegt. Entweder man möchte etwas mitteilen, dass sollte man den Ort nennen, oder man hält ihn geheim, dann braucht man aber auch keinen Artikel über diesen Ort publizieren!

    • avatar Piet sagt:

      Wird sicher Exclusiv im Buch veröffentlich, wenn du verstehst 😉

      Wenn man etwas vom Maketing versteht durchschaut mann soo viel.

      • avatar SR-Fan sagt:

        nicht mit dem Buch – erst bei der Verfilmung der (fast) Weltumseglung 😉

      • avatar SR-Fan sagt:

        Kreativ wäre auch eine internationale Schnitzeljagd (im Fahrten-Regatta-Modus) aus den Anrainerstaaten per Boot (vorzugsweise VA18) mit Ziel “Secret-Neu-Lykken”. Die notwendigen Tipps für eine erfolgreiche Teilnahme verstecken sich im neuen Reiseführer “SWEDEN hidden places” des Veranstalters und Bestsellerautors “Digger”

        VG

      • avatar Digger sagt:

        Du bist aber ein richtiger Experte. Und ich beneide Dich um die Fähigkeit, Dinge zu durchschauen, die es gar nicht gibt. Respekt!

    • avatar Sven sagt:

      Die Botschaft soll nicht sein, schaut mal, da müsst Ihr alle hinfahren sondern die Botschaft ist, dass es abseits der Häfen viele nette Plätzchen gibt. Jedenfalls für die, welche die Natur und den Charme der Dänen kennenlernen wollen.
      Danke für den Bericht Digger! Mir macht er sehr vil Lust, möglichst gleich zum DK Urlaub mit Boot aufzubrechen.

      • avatar SR-Fan sagt:

        Ups – ist ja Dänemark, nicht Schweden.
        Ich glaube, die Kernaussage des Artikels verstehen hier eigentlich auch alle – trotz, oder wegen der Anspielungen. Letztlich gönnen wir Digger ja sein Paradis – oder? 😉

        VG

      • avatar Skiffi sagt:

        @Sven: Danke, jetzt verstehe ich endlich den Hintergrund. Hätte nicht gedacht, dass es in Dänemark schöne und einsame Ecken gibt (ironisch gemeint!)

      • avatar Digger sagt:

        Sven, danke. Genau so war das gemeint.

  4. avatar Johnny Rotten sagt:

    Is’ klar Digger, die Amerikaner behaupten ja auch sie waren auf dem Mond.

  5. avatar Anne sagt:

    Jemand schon ne ahnung wo er war ?

    • avatar SR-Fan sagt:

      Als ich neulich mal selbst gesammelte Pilze aß, träumte ich anschließend von einer ganz ähnlichen Umgebung. Auch den Mädels mit den bunten Kleidern begegnete ich dort – nur Digger mit Hund hat zu meinem vollkommenen Glück gefehlt 😉

      VG

  6. avatar Norman sagt:

    Oh, den Ort kenn ich…

  7. avatar Uwe sagt:

    Typisch Digger: Viel Lärm um nichts !

  8. avatar dubblebubble sagt:

    Man kann Dinge im Ausland auch schön finden ohne Deutschland schlecht zu machen.

  9. avatar Marcus sagt:

    Lustig.

    Er glaub weil er Lyö in seiner Hobby Dvd erwähnt hat wurde dieser Ort “überrant”
    Nur weil dort eine renovierte Marina ist und ein paar mehr besucher.

    Bitte Digger erwähne nie wieder einen Ort!!!!!
    Diese werde ja eh nur von Touristen massen wie auf Malle überrannt und geschändet.

  10. avatar Digger sagt:

    Putzig, wie viel Lärm oft wegen solch eines kleinen, unbedeutenden Artikels gemacht wird. Liegt das daran, das so viele nie segeln gehen, dafür immer kommentieren?

    Den Ort werde ich übrigens im Buch auch nicht verraten, egal was die ausgewiesenen Marketing Experten so vermuten. Das Buch ist im Übrigen über die Tour vom letzten Jahr, aber egal.

  11. avatar Joop sagt:

    An all die Premium-Schlauen hier: Könnt Ihr nicht selber was auf die Beine stellen, anstatt Euer Mäkel-Diplom über Diggers Blog zu machen?

    An Digger: Ich finde es schön, dass und wie Du schreibst. Könnte nur mehr davon haben.

    Cheerio

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