Digger’s Blog: Diskussion um gute und schlechte “Seemannschaft”

Ein gequälter Begriff

Segeln mit Hund. Schlechte Seemannschaft? © Digger Hamburg

Segeln mit Hund. Schlechte Seemannschaft? © Digger Hamburg

Es gibt etwas, das ich mittlerweile am Segeln gar nicht mehr mag. Es ist keine Situation, sondern ein Begriff. Genauer gesagt der Umgang mit einem Begriff. Ein Begriff, mit dem sogar ziemlich gemein umgegangen wird. Er wird herumgeworfen wie ein Gummiball und oft so eingesetzt, wie es einem gerade gefällt. Und wenn die Argumente ausgehen. Die Rede ist von der “Seemannschaft”.

Eigentlich ist die Seemannschaft etwas wunderbares. Wikipedia erklärt diesen Begriff wie folgt: “Seamanship is the art of operating a ship or boat”, nicht mehr und nicht weniger.

Genau das ist es. Nur wird das oft anders betrachtet. “Seemannschaft” wird immer gern von Besserseglern eingesetzt. Segler, die wissen, wie es geht. Und es den anderen erklären müssen. Havariert irgendwo eine Yacht, kommt in den einschlägigen Internet-Foren ganz schnell das Thema “schlechte Seemannschaft” auf. Ohne zu wissen, wie die Situation an Bord war.

Nicht genug aufgeräumt unter Deck der Varianta 18? Schlechte Seemannschaft? © Digger Hamburg

Nicht genug aufgeräumt unter Deck der Varianta 18? Schlechte Seemannschaft? © Digger Hamburg

Mich erreichte schon der Vorwurf “schlechte Seemannschaft”, weil in einem Film die Fender an Deck lagen oder es unter Deck unaufgeräumt war. Hund und lose Leinen im Cockpit kann auch als “schlechte Seemannschaft” dargestellt werden. Streng genommen ist Einhandsegeln immer “schlechte Seemannschaft”, weil es in Schlafphasen des Skippers keine Wache an Deck gibt.

Aber in meinen Augen gibt es keine gute Seemannschaft. Es gibt nur die Seemannschaft. Entweder beherrscht man die Kunst, ein Boot zu führen oder nicht. Die Habecks, die vor Jahren auf einer 21 Fuss Etap mit ihrem kleinen Sohn rund um die Welt gesegelt sind, wurden häufig angeprangert und scharf kritisiert. Und immer fiel dann der Begriff der “schlechten Seemannschaft.” Ist es aber nicht. Die 3 sind auf einem Boot kaum größer als eine Jolle um die Welt gesegelt. Und heile angekommen. Gut gemacht. Kunst beherrscht.

Segelt jemand ohne nennenswerte Probleme um die Welt, spricht man schnell von guter Seemannschaft. Segelt ein anderer die gleiche Tour und gerät in einem Orkan in Seenot, dann wird von schlechter Seemannschaft gesprochen. Es war ja unverantwortlich, was er tat.

Zu kleines Boot, allein an Bord. Schlechte Seemannschaft? © Digger Hamburg

Zu kleines Boot, allein an Bord. Schlechte Seemannschaft? © Digger Hamburg

Wie man diesen Begriff strapazieren kann, erklärt eine Nachricht und ein Forenbeitrag, den ich irgendwo über unsere DIGGER Tour gelesen hab. Als ich in Sæby entschied, nicht weiter gen Norden zu segeln, weil das Wetter so unbeständig war und unser kleines Boot – und vor allem wohl ich – mit dem vielen Durchschnittswind und der Welle an einer Grenze angekommen war. Da schrieb einer irgendwo in irgendeinem Forum: schlechte Seemannschaft, mit einem 18 Fuss Schiff so eine Tour zu machen. Ein anderer schrieb mir: gute Seemannschaft, so eine Entscheidung zu treffen. Na was denn nun?

Wenn man sich an Bord ein Bier nach dem anderen reinpfeffert, dann ist es in meinen Augen keine Schlechte, sondern gar keine Seemannschaft.

Wenn ich dem anderen Schiff frühzeitig anzeige, dass ich abfalle und eine klar erkennbare Kurskorrektur vornehme, um eine Kollision zu vermeiden, dann ist es keine gute, sondern einfach nur Seemannschaft.

Wenn jemand einen Fehler an Bord macht, ist es keine schlechte Seemannschaft, sondern oft eine wichtige Erfahrung die man braucht, um die Kunst des Bootsführens zu lernen.

Seemannschaft ist immer auch eine Frage der Perspektive. Der Skipper, der sich bei 7 Bft. zu unsicher fühlt und im Hafen bleibt, beherrscht die Seemannschaft genauso gut wie der andere, der bei diesen Verhältnissen gern rausgeht und zum nächsten Hafen segelt. Dieser schöne alte Begriff wird zu breitgetreten. Ich benutze ihn daher kaum.

Dabei ist das schade. Ich empfehle jedem das Standardwerk, welches in meiner Bordbibliothek unverzichtbar ist. Ein Buch mit dem Namen “Seemannschaft”. (Delius-Klasing, ISBN 978-3-7688-3248-9 EUR: 39,90) Das Buch umfasst alles, was zu der angesprochenen Kunst gehört. Und es gibt keine anderen Ausgaben mit den Adjektiven “gut” und “schlecht”. Einfach nur: Seemannschaft.

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Digger Hamburg

Kleiner segeln - größer leben. Filmemacher und Autor Stephan Boden verbringt jeden Sommer auf dem Wasser. Früher auf seiner VA18 "Digger" jetzt auf der Bente24, die er selbst initiiert hat. "Auf See habe ich Zeit, das schärft den Blick für Details." Zu seinem Blog geht es hier
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48 Kommentare zu „Digger’s Blog: Diskussion um gute und schlechte “Seemannschaft”“

  1. avatar 123 sagt:

    Ich finde der Begriff bedeutet nicht ein Schiff zu führen, sondern sicher zu führen.
    Dazu gehört es unteranderm auch, das man das Schiff recht ordentlich hält. Also Leinen aufschiesst etc.

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    • avatar Schärenkreuzer sagt:

      …Du meinst “Kehrwoche”… 😉

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    • avatar Bigboat-Mitfahrer sagt:

      Komisch, auf den meisten erfolgreichen Regattayachten heißt es unisono “only a clean Cockpit is a happy Cockpit”. Wenn hier so gegen Ordnung und Leinenaufschiessen gewettert wird (Stand Do 14:35 20 mal Thumbs Down), heißt das dann, daß die keine Seemannschaft betreiben? Ich denke 123 hat einfach recht.

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      • avatar Digger sagt:

        Ich glaube, hier hat niemand gegen aufgeschossene Leinen gewettert. Es gibt aber manchmal Situationen (bei mir jedenfalls), in denen eine Leine auch mal lose rumliegt. Veröffentliche davon ein Foto, und Du wirst sehen was passiert.

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  2. avatar götz sagt:

    Def. schlechte Seemannschaft – keine Schwimmweste – und sowas als Schreiber – finde ich grenzwertig, speziell wenn über das Thema geschrieben wird.

    Vielleicht einfach mal die letzte Yacht lesen, in welchen Situationen es die meisten Unfälle mit Todesfolgen gibt.

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    • avatar Olli sagt:

      Na dann ließ mal Uwe Röttgering, oder steht der auf der schwarzen Liste, weil er öffentlich Schenk kritisiert?

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      • avatar Olli sagt:

        ..und was bitte ist eine Schwimmweste???!!! Oder meinstest Du eine Rettungsweste? Die sähe anders aus als eine Schwimmweste. Und dann überleg mal, was es einem Einhandsegler nützt, wenn er eine Weste trägt. Möglicherweise kommst Du zu dem gleichen Schluß wie normal denkende Menschen.

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        • avatar Marc sagt:

          Dann treibt er wenigstens bis er erfriert 😉
          Spaß beiseite, das sicherste ist nicht über Bord zu gehen, da sind sich alle Offshore Segler einig. Und eine Rettungsweste kann auch stören und dadurch behindern.
          Bei schönem/ruhigem Wetter(wie auf dem Foto) und rundum durch eine Reling geschützt fände ich es auch einhand auch durchaus vertretbar ohne zu segeln.

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    • Die letzten beiden Todesfälle, von denen ich las, war ein Co-Skipper beim Ausbildungstörn (trug Rettungsweste) und ein Einhandsegler, dessen Yacht morgens an eine Mole unter Segeln gefunden wurde. Und er hing (mit Rettungsweste) hinterm Schiff am Lifebelt.

      Mich würde mal interessieren, wie viele ohne Schwimmweste ordentlich einen im Tee hatten.

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      • avatar 123 sagt:

        und wieviel durch eine Rettungsweste noch am Leben sind interessiert dich nicht oder wie?

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        • avatar Andreas Ju sagt:

          @ 123: Rettungsweste hin oder her: das einzig wirklich wichtige ist ein Lifebelt, speziell beim Einhandsegeln. Der ist dann meinetwegen nackt angezogen allemal sinnvoller als jede Rettungsweste.

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        • avatar Digger sagt:

          @123 – Doch, aber oben schrob man von Todefällen. Ich trage Rettungswesten. Aber nicht immer. Meistens fotografiere ich nicht mehr, wenn ich Rettungswesten trage. Deshalb hab ich auch wenig Bilder, in denen ich Rettungswesten trage.
          Hab mir übrigens ne Seereling montiert und am Heck ne Leine gespannt. So als Sicherung. Vor meiner Reise haben mich viele kritisiert und gesagt, die Reling sei Quatsch, ich solle anständige Ausreitgurte nehmen. So kommt eins zum anderen.

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      • avatar götz sagt:

        der Vater meines Freundes war nüchtern als er den Baum vor den Kopf bekam – mit Weste würde er noch leben – und da gibts einige Beispiele -ich hab mch mit meinem Kat überschlagen und bin mit dem Kopf gegen den Mast – 10 Min bewußtlos im Wasser – ohne Weste wäre es das gewesen – ich hab da eine klare Einstellung, ohen Weste kommt keiner mit raus.

        und klar, wenn man allein an Bord ist, sollte man eingepickt sein

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  3. avatar WB sagt:

    Danke Digger, schön geschrieben und 100% Zustimmung ! Es gibt einfach zu viele spießige Oberseemänner in unserem Sport. Der letzte Kommentator hier, der bemängelt das du auf dem Bild keine Schwimmweste trägst, geht genau in diese Richtung. Wundert mich das er nicht auch noch bemängelt das dein Hund nicht angeschnallt ist und ne Weste trägt.

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  4. avatar Rutgers Schwippschwager sagt:

    Solange sich Bavaria-Wohnmobilkutscher, die bei drei Windstärken die Maschine anschmeissen und sich bis zum nächsten Hafen hinter ihrem Sprayhood verkriechen anmassen, über Seemannschaft anderer Segler zu urteilen, lässt mich das ebenso kalt, wie die vermeintlich besseren Kapitäne am Steg. Man könnte ebenso sagen, dass man das in Seemeilen gar nicht mehr ausdrücken kann, wie weit mir das am, Verzeihung, A…. vorbeigeht.

    Aber: Bald ist ja wieder Wohnmobilsaison, dann stell ich mich an den Steg und schreie “SCHLECHTE SEEMANNSCHAFT!!!” wenn sich einer mit Brüllruderautoparksystem und Rückfahrkamera unter ständigem Gezeter der Ehefrau – aber mit Schwimmweste – in die Box bugsiert…

    Schließlich beherrscht er sein Boot nicht und von Kunst kann da erst recht keine Rede sein…

    Digger, wir sollten mal ein Bierchen trinken – an Land…

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  5. avatar Backe sagt:

    Seemannshaft?
    Das könnte so ein spezielles Gefängnis für Seeleute sein. (Also für die, die von der BSU wegen Nichtaufräumens ihrer Kojen und Nichtanleinens ihrer Selbst bzw. ihrer Vierbeiner überführt wurden…)
    Oder ist es das Gegenteil einer Landsmannschaft. (Also diese trachtentragenden Spätaussiedlerverbände…)
    Oder es ist schlicht derjenige Teil der Mannschaft, der eine Yacht auf See bewegt. (Während die Landmannschaft zuhause bleibt und den nächsten Reparaturstop in Ushuaia vorbereitet.

    Also, ich finde diesen Begriff auch sehr verwirrend. Vielleicht lege ich mich auf der nächsten Messe am Yachtstand auf die Lauer und warte, bis Bobby auftaucht. Ich meine, der kann mir das bestimmt verklaren. Oder, was meinst Du, Uwe?

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  6. avatar Rutgers Schwippschwager sagt:

    By the way:

    Bei der ODBM ist eine Crew mit einer Varanta 18 bei anspruchsvollen Bedingungen mit bis zu 45 Knoten Wind mitgesegelt. Die haben einen Preis bekommen, zwar für das sportlichste Manöver, aber vor allem als Anerkennung, dass sie dieses kleine Boot bei den Bedingungen sicher und erfolgreich bewegt haben.

    Kunst ? Ja, definitiv…

    Seemannschaft ? Ja, definitiv…

    Kopfschütteln von den Dickschifffahrtenseglern am Steg ? Ja, definitiv…

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  7. avatar Andreas Ju sagt:

    Nach meiner Erfahrung diskutieren über Seemannschaft am fanatischsten immer Männer 50+ mit Vollbart, von Beruf Lehrer oder in irgendeiner Behörde, mit einer schwimmendenden Wurstbude (die aber stets tip-top gepflegt und poliert ist) und die zweimal täglich den Seewetterbericht im Radio hören und Wetterinformationen aus dem Internet verachten. Und die einen verständislos ansehen, wenn man sich mal aus deren Backskiste voller Werkzeug eine Eisensäge ausleihen möchte, weil man selbst keine dabei hat.

    Und erfahrungsgemäß lohnt es sich nicht die Bohne, sich über die aufzuregen.

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    • avatar Backe sagt:

      Die Eisensäge brauchst du, um aus der Seemannshaft auszubrechen, oder?

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      • avatar Andreas Ju sagt:

        @ Backe: Eine Eisensäge kann man halt immer gebrauchen!

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      • avatar Friedrich sagt:

        Und was ist bitte der Schaft vom Seemann?

        Ich finde auch, eine gut Mannschaft auf See ist was schönes. Aber was die leute alles aus diesem total überbewerteten Wort gemacht haben, zzzz. Soll sogar ein Buch geben, das so heißt, gesegelt wird da aber wenig, die meisten Leute – ich auch – haben es nur stolz im Regal stehen (“guck ma, so ist das mit uns alten Salzbuckeln”), aber noch nie drin gelesen (ich). Für Einhandsegler gilt das eh nicht (o-Ton aus alterwürdigen Hanseatischen Seglerkreisen höchsten Ranges: “Das hat rein gaaaar nichts mit Seemannschaft zu tun!!!”). Stimmt, Einhandsegler haben ja keine Mannschaft. Also vergiss es mal sowieso, Digger.

        Um mein Schiff heile durch die Weltmeere zu segeln, oder auch nur über’n Wannsee, brauch ich kein Besserwisserwort, sondern Instinkt, Bauch- und Pogefühl, ab und zu nen klaren Kopp (oder nen Klaren im Kopp) und dann sind die Leinen eh aufgeräumt (oder auch nicht und das hab ich dann davon).

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    • avatar WB sagt:

      Jepp, that’s real life! Bei einem statistisch belegten Durchschnittsalter der dt. Yacht-Eigner von rund 60 Jahren ist die antiquierte Auslegung von Seemannschaft leider allgegenwärtig. Blaumützenträger mit dickem Kiel machen nicht nur im DSV die Politik, sondern auch in vielen Vereinen, Clubs und Institutionen. Wer die Diskussion um die Führerscheinreform und Funklizenz verfolgt hat, natürlich alles im Sinne einer guten Seemannschaft, bekommt einen Eindruck davon was beim Segelsport falsch läuft. Komischerweise sind es die Kommerziellen (äh… offen Kommerziellen, denn keiner wird wohl behaupten das der DSV mit seiner Scheinpolitik nicht kommerziell agiert), die da mittlerweile gegensteuern. Ich hoffe das der Druck von außen bewirkt, dass Seemannschaft in Form von lächerlicher Etikette, Dogmen, unsinnigen Reglementierungen und Regulierungen irgendwann verschwindet. Wenn der letzte Youngster fluchtartig den Opti verlassen und dem Segelsport den Rücken gekehrt hat, weil er auf so eine ‚Seemannschaft’ keinen Bock hat, hat der Segelsport ein echtes Problem.

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      • Die Tochter einer Freundin hat in den Ferien mal nen Optikurs belegt. Sie fand das Segeln ziemlich gut, hat aber nicht weitergemacht, da sie den Umgangston und die Ausbildung “wie bei der Armee” fand.

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        • avatar Andreas Ju sagt:

          Ich hatte mal bei einem bekannten Kieler Club angefragt, ab welchem Alter die mit dem Opti-TRaining beginnen (mein Sohn war da 5). Antwort: “Wenn die Kinder lesen und schreiben können.” Ich: “????”. Antwort: “Schließlich müssen die doch erstmal bei der Theorie mitkommen.” Dankeaufwiedersehndaswirdnixmituns.

          Habe ihn dann beim KYC angemeldet und die machen das wirklich sensationell gut. Regel 1: Fun first. Im Zweifelsfall (viel Wind) bleiben die Anfänger im Hafen und spielen Fußball, wo man den Spaß am Segeln sicher nicht verlieren kann. Und ja, so ein wenig lockere Theorie gibt’s zwischendurch auch: Der Lütte konnte einen Palstek vor der Schuhschleife.

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  8. avatar Bigboat-Mitfahrer sagt:

    Im Frühjahr hat Uwe Röttgering hier auf SR schon einmal Reimer Böttger zum Thema Seemanschaft zitiert. RBs Ausführungen sind m.E. nach Benchmark:

    http://segelreporter.com/blog/2012/02/29/streiflicht-uwe-roettgering-zitiert-reimer-boettger-zur-guten-seemannschaft/

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  9. avatar seven sagt:

    Sicherlich ist das was man landläufig als “Seemannschaft” oder “gute Seemannschaft ” versteht, teilweise veraltet. Es kommt aus einer Zeit als Segeln noch Beruf oder Elitär war. Es war eine Verhaltens Anleitung und eine theoretische-Maritime Ausbildung. Ich bin mir sicher das darin vieles überholt ist (wie z.b. das Stehen an Bord ist un-seemännisch !) Doch es geht darin auch um die Rücksicht , Respekt ,Sicherheit und das man den anderen Seglern das Leben nicht unnötig erschwert.
    Vielleicht sollte sich mal einer aus der Segelnden/Schreibenden Zunft hinsetzen und die Seemannschaft ins zeitgemäße übersetzen und ergänzen.

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    • avatar Digger sagt:

      Ich würde mal sagen, dass dieser Begriff ‘unantastbar’ ist. Schreibt man das moderner um, hagelts ordentlich. Ausserdem finde ich die Wikipedia Erklärung sehr treffend und gut.

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  10. avatar sailor sagt:

    stimme dem Artikel zu. Ob Seemannschaft oder nicht an Bord eines Schiffes ist individuell verschieden. Hängt ab vom Fahrtgebiet, der Seetüchtigkeit des Bootes, Ausrüstung, Erfahrung der Crew und nicht zuletzt von der eigenen Definition des Skippers. – So weit, so gut, schließlich herrscht hier Meinungsfreiheit und somit auch das Recht über die individuelle Deutung solch schwammiger Begriffe.

    Schade ist es allerdings, dass in dem Artikel gleichermaßen die Leute verurteilt werden, die für sich noch einen Schritt weitergehen und für die es sehr wohl gute und schlechte Seemannschaft geben kann.
    Das stellt den Autor auf die gleiche Stufe mit eben solchen “Besserseglern”.

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  11. avatar SR-Fan sagt:

    Der Begriff ist halt so schwammig, dass jeder seine Ansicht reinpacken kann – ähnlich wie die Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung 😉

    Was erwartet man da in einem Land, in dem …
    wegen eines Skiunfalls plötzlich die Skihelme ausverkauft waren
    die Leute fast ausnahmslos Fahrradhelme als “Pflicht” ansehen
    die Autos schon beim Umparken anfangen zu piepsen
    man SUVs wegen des besseren Überblicks über den Stadtverkehr kauft
    die Nachteile eines Rollgroßes wegen der Sicherheit in Kauf genommen werden
    die Anzahl der Toiletten an Bord höher als die der Segel ist
    … ups ich schweif ab 😉

    Das ganze kombiniert mit der (gefühlten) Anonymität des Internets und der vielleicht in Deutschland etwas stärker ausgeprägten Verbreitung des erhobenen Zeigefingers lässt schnell mal Effekte wie “Lehrer ich weiß was”, “Ich habs doch gleich gesagt”, “Wie kann man nur”, “mir wäre das nicht passiert”, … entstehen. Schlicht – im richtigen Kontext sind mir wohl alle mal Klugscheißer vor dem Herren – die Möglichkeit sich im Internet zu allem zu äußern, offenbart es nur mehr Lesern als früher 😉

    VG

    PS: Trotzdem habe ich was gegen Leute, die sich auf Grund ihrer Unsportlichkeit, ihres eingeschränkten Horizontes und vielleicht auch Problemen mit einem “hohen Schwerpunkt” – dafür aber stark alkoholisiert über die Sicherheit auf anderen Booten ne Meinung bilden.

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  12. avatar Hecht sagt:

    Im Versicherungsrecht hat der Begriff der Seemannschaft insbesondere bei Yacht-Kaskoversicherungen eine entscheidende Bedeutung. So entfällt der Versicherungsschutz bei grob fahrlässigem Verhalten.

    Fahrlässig handelt derjenige, der die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht lässt. Ihr ahnt was jetzt kommt. Die im Verkehr erforderliche Sorgfalt ist gleichgesetzt mit “guter Seemannschaft”.

    In diesem Zusammenhang ist “gute Seemannschaft” also ein objektiver Begriff und kann über mehrere Tausend Euro entscheiden.

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    • avatar CDR sagt:

      Wirklich? “Gut” ist eine objektive Kategorie?

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      • Versicherungen kann sicherlich fast nichts besseres passieren, als so ein überaus dehnbarer Begriff.

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      • avatar Hecht sagt:

        Meiner Ansicht nach heißt der Verhaltenskodex “gute Seemannschaft”. Gut wird in diesem Zusammenhang also nicht im eigentlichen Sinn des Adjektives “gut” benutzt.

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  13. avatar Digger sagt:

    Hach, ich weiss warum ich den Begriff nicht mag.

    Übrigens: niemand hier zweifelt den Sinn und Nutzen von Rettungswesten an. Das ist so sinnlos wie übers Anschnallen im Auto reden. Rettungswesten kommen im Artikel nicht einmal vor.

    Und bevor jemand den Aschenbecher bemerkt: Ja. Das ist ein Aschenbecher

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    • avatar SR-Fan sagt:

      Das stimmt – bei Dir kamen die Schwimmwesten nicht vor ;- )
      Leider läuft jede Diskussion über Seemannschaft immer wieder auf das Thema Sicherheit und hier speziell auf Schwimmwesten hinaus. Vehement geführt von Diskussionsteilnehmern, die teilweise die Westen schon im Hafen anlegen – und das als Maßstab proklamieren.

      VG

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  14. avatar Holger sagt:

    Fangt an zu segeln !!! Und

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  15. avatar Holger sagt:

    Und versteckt euch nicht hinter dem Begriff ” Seemannschaft!!!

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  16. avatar Jan-X sagt:

    1. Bitte zitiere vollständig. Auch der Wikipedia-Artikel enthält eine sehr umfangreiche und gute Definition der Dinge, die ‘Seamanship’ ausmachen.

    2. Dieser Artikel spricht auch deutlich von “guter Seemannschaft”: ‘However, the practice of good seamanship should be the goal of all.

    3. Ja, aus Fehlern lernt man. Aber nicht immer, manchmal ist es danach zu spät.
    Eine ausgerauschte Großschot, weil jemand den Knoten vergessen hat? Bei 5kts Wind kein Problem. Bei 30 kts Wind bringt der schlagende Baum dich um.

    4. Seemannschaft bedeutet also, bewährte “Standard-Arbeitsabläufe” an Bord durch kontinuierliches Training zu übernehmen, damit Schaden im Voraus vermieden wird und man nicht erst aus den eigenen Fehlern lernen muss. Oder wie es ‘dein’ Wikipedia-Artikel sagt: “Above all, Seamanship means Safety onboard and this is managed through continuous training and implementation of good working practices”

    5. Die Entscheidung, einen lang geplanten Traumtörn abzubrechen, weil es die Varianta eben doch nicht so weit packt: Exzellente Entscheidung und (gute) Seemannschaft. Besser im nächsten Sommer wiederkommen als nie mehr wiederkommen. Vor Cornwall wird gerade eine Seglerin vermisst, die sich übernommen hat: http://alturl.com/yqjph

    6. Mit welcher Schnoddrigkeit hier in einigen Kommentaren/Votings mit dem Thema Rettungsweste umgegangen wird: Schlimm, wirklich schlimm. Ja, sie ist unhandlich, ja, sie ist schwer, ja, man schwitzt im Sommer drunter, ja, ihr werdet sie wahrscheinlich nie wirklich brauchen. Und wenn doch? Mir ist die Weste x-mal lieber als “Todesursache: Faulheit”. (Gilt natürlich auch für den Lifebelt).

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    • avatar Digger sagt:

      Ja, ich habe den Artikel natürlich gelesen. Und zwar ganz. Ich beziehe mich aber nur den einen zentralen Satz. Er gefällt mir. Und er sagt eigentlich alles.

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      • avatar Jan-X sagt:

        Wenn du ihn ganz gelesen hast, warum tust du dann so, als würde sich hinter diesem “zentralen Satz” ein luftleerer Raum auftun, den jeder nach Belieben mit seiner eigenen Art füllen kann.

        Schau, diese Beschreibung eines Anlegemanövers, das der Eigner und Skipper einer Varianta 18 im Mai auf Lyö vollbracht hat, ist sicherlich nicht gerade die “art of operating a ship or boat”:

        Zitat Anfang:
        “Dummer Fehler 1 – Mit zu wenig Geschwindigkeit in die Box. Dalben hinten belegt und einen kurzen Gasschub am Außenborder.

        Dummer Fehler 2 – Ich stand dabei blöderweise auf einer Heckleine, so dass ich sofort seitlich abtrieb und etwa durch 3 Boxen quer fuhr. Kathleen stand schon auf dem Vorschiff und guckte mich ziemlich fragend an.

        Der Segler am Steg schaute weg.

        (…)
        Also wieder Gas gegeben und dabei machte ich:

        den dummen Fehler 3: beim Gasgeben habe ich wohl die Pinne quer gestellt, so dass ich wieder quer durch die Boxen fuhr.

        Der Segler am Steg schaute erstaunt. Ich begann zu schwitzen und konzentrierte mich darauf, die Ruhe auszustrahlen, die ich nicht mehr hatte. Es war mir peinlich.

        Nochmal zurück. Und nochmal ansetzen. Und dann:

        Wiederholung des Dummen Fehler 2: die Heckleinen hatten sich vertüdelt. Ich fuhr zum 3ten Mal quer. Dieses mal jedoch etwas mehr an den Steg. Kathleen wollte dem Segler die Vorleine zuwerfen. Sie musste weit werfen, denn ich hatte bereits das Ende der Heckleinen in meiner Hand. Sie hat gut geworfen. Wir waren fest. Zwar 3 Boxen weiter weg als geplant, aber das wurde durch Ziehen von Leinen wieder gerichtet.”

        Zitat Ende

        Kommt dir irgendwie bekannt vor, oder?
        Angekommen? Ja. “Art”? Nein.

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        • avatar Digger sagt:

          Huch, das bin ja ich. Nein, das ist sicherlich keine gute Seemannschaft. Anlegemanöver versemmeln ist ganz ganz sicher ‘schlechte’ Seemannschaft.
          Ich weiss auch nicht, ob es in dem Falle besser gewesen wäre, Kathleen auf dem Vorschiff zu beschimpfen, um von meiner eigenen Unzulänglichkeit abzulenken. Es wäre in jedem Falle eine denkbare, weil stark verbreitete Alternative gewesen.

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  17. avatar CDR sagt:

    Starker Beitrag, gerade weil er zur Kontroverse einlädt.
    Aber das dann wieder über Schwimm- und Rettungswesten oder Leinen aufschießen debattiert wird zeigt, wie richtig Digger liegt 🙂

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    • avatar peter sagt:

      Nein – es zeigt wie gut er polarisieren kann, um auf sich aufmerksam zu machen. Die Plattform hier ist viel zu schade für solche sinnfreien Beiträge. Es interessiert mich nicht wenn irgendjemand in irgendwelchen Foren von irgendwelchen Trollen negatives Feedback zu seinen Bildern bekommt.
      Vielleicht wäre ein Leserbrief an die Seglerbild das richtige Medium. Neben grandiosen Beiträgen wie “Vater-Sohn-Ding” hat so ein polemisches Geschreibsel nichts verloren.

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      • avatar Digger sagt:

        Polarisieren geht schnell. Stell’ dich mal ne Stunde auf den Steg. Der eine kommt vorbei und sagt: “Na? Schön die Aussicht geniessen?” Der andere kommt an und mault: “müssen sie hier im Weg stehen?”

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        • avatar VA182013?? sagt:

          Starker Tobak, den du hier aushalten mußt, Digger Hamburg 🙁 Und das für die authentischen, persönlichen Einblicke in die Erlebnisse eines sensationellen Törns, der die Seglergemeinde beteiligen und motivieren wollte für das, was die meisten vergessen zu haben scheinen: es geht in unserem Sport um Spaß und die Möglichkeiten diesen so individuell auszuüben, wie man das für sich persönlich als die besten Variante(a) ansieht. Die Besserwissereien, die über Kritik an elementaren Dingen wie Schwimmeste tragen hinaus gehen führen hoffentlich nicht dazu, dass sich jemand mit den Erzählungen über einen herausragenden Törn zukünftig öffentlich zurückhält. Wobei Textpassagen aus deinem eigenen Blog heraus zu verwenden, um Dir zu verdeutlichen, dass “ein Eigner und Skipper einer Varianta 18” sich sogar öffentlich zu schlechter Seemannschaft bekannt hat, schon was von Comedypreis-verdächtigem Witz hat 🙂

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  18. avatar Gunni sagt:

    Als ich vor Jahren bei Starkregen mit Tempo 30 auf der Autobahn in Aquaplanig geraten und in den Graben gerutscht bin kam die Polizei und der Beamte meinte ich wäre zu schnell gewesen… Ich hab natürlich protestiert bei Tempo 30 auf einer Autobahn… er hielt dagegen, jeder der einen Unfall baue sei zu schnell gewesen, auch wenn man mit Tempo 5 ein Garagentor rammt war man offensichtlich zu schnell… was soll ich sagen, da hat er recht.

    Das Gleiche ist es mit der schlechten Seemannschaft. Wann auch immer einem etwas ungeschicktes passiert war es unbestritten schlechte Seemannschaft. Ich zitiere mal “Seamanship is the art of operating a ship or boat” folglich ist alles was unerwünscht passiert per Definition schlechte Seemannschaft, völlig unabhängig davon wie gut oder schlecht jemand vorbereitet war, wenn etwas ungeplantes passiert war es nicht gut genug. Die Frage ist meines Erachtens eher ob man anderen schlechte Seemannschaft vorwerfen sollte bzw. ob etwas das jemand anders macht als man selbst dadurch unbedingt schlechte Seemannschaft ist.

    Meines Erachtens ist das aber keine Frage der Seemannschaft, sondern der Menschen bzw. der Gemeinschaft und Gesellschaft in der Menschen miteinander leben. Wann schlechte Seemannschaft beginnt und wo sie Endet ergibt sich auch aus dem Begriff meine ich. Wenn z.B. unter Deck nicht klariert ist und dies in irgend einer beliebigen Situation Einfluss auf die Schiffsführung hat war es wohl eine Frage der Seemannschaft, ja auch, wenn es darum geht dass eine nicht ordentlich aufgeschossene Leine sich vertüdelt hat und daher nicht rechtzeitig zu Verfügung stand, wenn nicht, der Segler einfach ein Schlamper. 😀

    Eines sollten meiner Meinung nach aber Alle nicht vergessen: Leben und leben lassen. Wer bitte hat noch nicht aus seinen Fehlern lernen müssen und weil man über mehr Erfahrung verfügt, ein anderes Sicherheitsbedürfniss hat oder schlicht anderer Meinung ist, muss man sich nicht über andere Stellen, auch nicht moralisch, denn das sind die Diskussionen über Seemanschaft doch oft, ein aufspielen aus moralischer Sicht und nicht mehr.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

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