Kajakmaran-Mann: Andreas Gabriel kämpft mit dem Alltag – Abenteuer-Buch ist fertig

Rückkehr in die "Normalität"

Andreas Gabriel war gut drei Jahre rund Europa mit seinem Kajakmaran unterwegs. Nun versucht er, zuhause wieder Fuß zu fassen. Im Winter hat er seine Abenteuer aufgeschrieben. Das Buch ist ab morgen im Handel.

Andeas Gabriel

Andreas Gabriel wieder zuhause. Beim Basketball mit seinen Jungs. © Andreas Gabriel

Vom Abenteuer in den Alltag und der Alltag als Abenteuer Ich bin wieder zuhause. Es ist ruhig hier in Tönning. Ich bin ruhig. Ich bin innerlich ruhiger, als ich jemals zuvor. Meine Wahrnehmung ist so extrem runtergefahren, dass vieles zuviel ist und wenig das Optimum zu sein scheint.

Man muss sich nicht vertun. Drei Jahre lang geistig und körperlich unterwegs zu sein, entfernt einen von vielem, das hier wichtig erscheint. Es ist wie der Gang von der Wüste in die Stadt. Vieles fällt mir auf, das mich zufrieden macht. Der Kühlschrank ist gefüllt, die “Angst” vor Hunger einfach nicht mehr da. Ein unsagbarer, innerlicher Druck im Kampf um feine Geschmäcker zwischen meinen Lippen hat endlich sein Ende gefunden.

Wie selbstverständlich trage ich ein Schlüsselbund und gehe ein und aus. So, wie es mir gerade in den Sinn kommt. Die Sprüche meiner Jungs klingen in mir, wie das Gesabbel von Shakespeare. Wenn ich dusche, rede ich mit dem Wasser. Mein Duschwasser und das Meer kennen sich, es muß einfach so sein. Das Meer kennt mich und so finden wir alle wieder zusammen. An einem jeden Tag.

Verändertes Gesicht

Hier in meinem Zuhause ist das “Ruhen” und “in den Himmel starren” möglich, aber nicht für ewig. Meine Ruhe ist zu ruhig in einem System, in dem ein jeder etwas zu leisten hat. Je länger ich ruhig bin, desto unruhiger wird es um mich herum. Noch vor Weihnachten war ich fertig mit dem Manuskript für mein Buch “Übers Wasser”. Gerade rechtzeitig, denn mein Gesicht hat sich verändert.

Im Kreise der Familie mit den beiden Söhnen und Freundin Sabrina. © Gabriel

Im Kreise der Familie mit den beiden Söhnen und Freundin Sabrina. © Gabriel

Durch monatelanges Schreiben und intensives Nachdenken, alleine in einem dunklen Wohnzimmer scheint die Haut um meine Nase zu verblühen. Fast wie eine Seerose, unachtsam an Land geschmissen. Ich kriege es nur noch mit Medikamenten in den Griff und weiß doch ganz genau, dass es nur zwei Kumpels benötigt, die diesen Zustand langfristig wieder in den Griff bekommen: Die Sonne und das Meer!

Vor Weihnachten begann ich auch über Krankenversicherung nachzudenken. Es ist jetzt über 3 Jahre her, dass ich so etwas Fürstliches besaß und ich fühle mich etwas unsicher. Wovon bezahlen? Ich spüre den Unmut in der Familie, sie alle sind in Sorge um mich. Was mache ich nur?

Null Panik

Andreas Gabriel

Wieder zuhause. Andreas Gabriel bei der Ankunft in Tönning. © Gabriel

Doch mir fällt etwas auf: Innerlich regt sich in mir gar nichts. Keine Unsicherheit…null Panik. Nein, ganz im Gegenteil. Mein Inneres ist unerschütterlich geworden und sich absolut sicher, dass es bald passieren wird. Genauso, wie es sich auf meiner Tour rund Europa zurechtgelaufen hat an einem jeden Tag. Und genau so wird es auch an Land passieren.

Aber doch weiß ich, dass ich im Fluss der heimatlichen Gesellschaft in Bewegung bleiben muss. Mit der gleichen Überzeugung und Kraft, wie auf dem Wasser. Das Wort “Multitasking” kommt mir in den Kopf, als ich wieder mal für Stunden auf dem Sofa liege und mich freue, dass es da unter mir steht. Ich muss laut lachen. Andreas Gabriel: Du hast es verlernt. Deine Birne ist total verkümmert.

Vieles bewegen und über Vieles nachdenken ist mir irgendwie abhanden gekommen. Ich muss Geld verdienen, um mich zu versichern. Davon werden andere auch Wind bekommen. Finanzamt, Berufsgenossenschaft, Steuerhebesatz…Nach und nach kommen mir Wörter in den Kopf, die mit Sympathie ja nun so gar nichts gemeinsam haben. Auf geht`s mein Alter. Tief in Dir, werden die Fähigkeiten auch hier zu überleben noch stecken…irgendwo.

Baugewerbe angemeldet

Nur Tage später bin ich beim Amt, melde mein Baugewerbe an und bin fast stolz, diesen ersten Schritt getan zu haben. Um Aufträge musste ich mir noch nie Sorgen machen. Das würde von ganz alleine kommen und war sicher. Einen großen Auftrag hat man mir bereits versprochen, was sollte also schiefgehen?

Nun bereichert mit einem Stück Papier finde ich mich erneut liegend auf dem Sofa wieder. Gewerbe hast Du…Auftrag hast Du…Aber wie kommst Du dahin ohne Auto? Du kannst Dich nicht jeden Tag holen und bringen lassen. Wovon willst Du das jetzt bezahlen?

Gabriel vor Mykonos © A.Gabriel

Gabriel vor Mykonos © A.Gabriel

Zwei endlos lange, einsame Tage in Gedanken mussten vergehen, bis es schließlich an der Tür klingelt und das Gesicht meines Vaters bis über beide Backen grinsend vor mir steht. (Nur nochmal für die Akten: Wir hatten kein Gespräch zu diesem Thema) “Sohn, ich habe ein Auto für Dich. Ein Kombischnäppchen mit Vollausstattung. Ich zahle dir das Auto, Steuern und Versicherung für ein halbes Jahr. Lege einfach los und dann zahlst du es mir zurück.”

Rückkehr in die Gesellschaft

Sprachlos und doch begeistert über die grenzenlose Kraft meines Vertrauens nehme ich seine Hand in meine. Ich bin aufgeregt, denn ich weiß, dass sich meine Rückkehr in die Gesellschaft jetzt nicht mehr aufhalten lässt. “Pa, komm rein…”

Irgendwie bin ich zurückgekehrt und angekommen. Ich bin noch lange nicht beim “Multitasking”, aber es wird besser. Besser? Was ist besser? Will ich überhaupt so sein, wie ich es früher war? Eigentlich ist es wurscht. Ich bin zufrieden an einem jeden Tag.

Sogar jetzt, wenn der Tank meines Autos 70 Euro verschlingt und ich weiß, dass ich in der Wildnis der Küsten 2 Monate davon leben könnte. Zufriedenheit ist zu meinem Hauptthema geworden und mir gefällt die Aufgabe, sie zu erhalten, zu sammeln, gar im Überfluß zu bunkern.

Mir gefällt der Gedanke, dass eine neue Geschichte kommen wird und dass ich mir vorgenommen habe, Zufriedenheit an andere Menschen zu verteilen. Wie das gehen soll? Keine Ahnung, aber mir fällt was ein. Sicher…ich muß mich nur auf das Sofa hauen und zwei Tage darüber nachdenken:-)

Tönning am 23.04.2014
Ich habe eine Krankenkassenkarte. Ziemlich abgefahren, oder?

Mein Buch “Übers Wasser” ist im Handel ab 29.04.2014 erhältlich


Gebundene Ausgabe, 304 Seiten:  19,99 €
Auf Buchtitel klicken, bei amazon bestellen, AG und SR dabei unterstützen – Danke !

 

Fernsehtermine:

  • RTL sendet am 29.04.2014 um 18 Uhr
  • Am 16.05.2014 bin ich beim NDR zu Gast auf dem roten Sofa

Bis bald mit einem neuen Abenteuer !

Andreas Gabriel Website

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Andreas Gabriel

... ist Frohnatur, Geschichtenerzähler, Abenteurer und Maurer zugleich. Er brach von Tönning in NORDfriesland Ende April 2011 auf, um mit seinem Kajakmaran Europa zu umrunden. Über Kanäle, Rhein, Main, Donau, ins Schwarze Meer und dann über das Mittelmeer zurück. Alles ohne Geld. Andreas Gabriel erzählt wahre Geschichten, die er unterwegs erlebt, und seine Zuhörer freuen sich, dass er eigentlich ihren Traum lebt. Ihre Unterstützung kommt postwendend. Dass dieses spannende und intensive Reisen funktioniert, hat er schon in den ersten 2 Etappen bewiesen. In der dritten Etappe geht es von Laredo / Nordspanien nach Hause nach Tönning. Seine Webseite lautet www.der-mit-dem-wind-faehrt.de
Spenden
https://northsails.com/sailing/de/

Ein Kommentar „Kajakmaran-Mann: Andreas Gabriel kämpft mit dem Alltag – Abenteuer-Buch ist fertig“

  1. avatar Manuela sagt:

    Ein ganz tolles Buch, das ich nur empfehlen kann! Ich habe es vor einigen Wochen zum Geburtstag geschenkt bekommen und habe es innerhalb von einem Wochenende durchgelesen. Die Story berührt und das Buch motiviert einen unglaublich!

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