Knarrblog: Mit der Waarship 570 nach Dänemark – Gaaanz wichtig, der Heizlüfter

Platz ist in der kleinsten Hütte

Corona macht bescheiden. Es muss ja nicht der aufwendige, exklusive Urlaub sein. Der Norden tut’s auch. Zumal sich das vergangene Jahr mit karibischen Bedingungen empfohlen hat. Aber offenbar kann man sich darauf nicht verlassen.

Wir haben den Einstieg in den Uraub ja schon ein paar Tage verzögert. Lieber die ersten Sturm- und Regentage noch in Hamburg aussitzen. Wenn man dann aber schon im strömenden Regen zum Schiff fährt, überlegt man doch den Plan B. Wellness-Tage im Hotel? Wandern im Süden? Oder wieder umdrehen und Zuhause abhängen – Serien gucken? Nee, das hatten wir nun ein Paar Monate.

Außerdem lockt das Meer. Die Freiheit auf dem Wasser. Und das kleine blaue Schiffchen, dass sich mit einem Augenzwinkern “Raumschiff” nennt. Wir sind ja schon mit den größten Kloppern gesegelt, aber diese Waarship 570 hat etwas Herzerwärmendes.

Kenntnisreich restauriert von seinem niederländischen Vorbesitzer, einem 19-jährigen Bootsbauer, und liebevoll ausgerüstet von Britta und Carsten. Sie segeln normalerweise ihre sportliche J/92 regelmäßig vom Neustädter Segler-Verein bis hoch in die ostschwedischen Schären. Aber Stockholm lockte. Und das war auf eigenem Kiel für sie nicht erreichbar. So entstand die Idee mit dem Trailerboot. Sie legten sich die Waarship als Zweitschiff zu – und erlebten dort 2019 den perfekten Törn. Fazit: Das Wetter muss schon mitspielen.

Wolfgang Quix mit seiner legendären “Waarwolf” 1977, mit der er über den Atlantik segelte. © Teamquix

Nun also wir. Eine schöne flexible Möglichkeit in Corona-Zeiten. Back to the roots. Wie damals mit zwei Pärchen und zwei Babies im Maxi Cosi auf der Jeanneau 26. Wir nehmen uns vor, bei schlechtem Wetter außerhäusig zu nächtigen. Den uns wärmstens empfohlenen Heizlüfter wollen wir eigentlich gar nicht mitnehmen. Es geht schließlich um einen Sommerurlaub.

Erstmal hält uns der Wind im Hafen. Der deutsche Langfahrt-Pionier Wolfgang Quix hat mit einer Waarship 570 zwar die Minitransat (1977) bestritten, und allein deshalb lässt sich an der Seetüchtigkeit des Schiffchens nicht zweifeln. Aber man muss ja nicht sofort losknüppeln.

Mit zwei Tagen Verspätung und Wind von achtern geht’s schließlich los Richtung Großenbrode. Ein schöner Schmetterling-Kurs. Ich verliebe mich in dieses Schiffchen. Jede Welle ist zu spüren, jede Windveränderung. Je kleiner das Boot, umso größer die Nähe zu den Elementen und der Segelspaß. Die eine oder andere Rampe wird schon mal mit über acht Knoten abgeritten, bevor sich die Kleine wieder auf die 5,5 Kn Rumfgeschwindigkeit besinnt.

Ziel ist Dänemark. Und dann wollen wir pünktlich zum Liga-Start am 16. Juli in Kiel sein. Als Nicht-Schleswig-Holsteiner habe ich mich ordnungsgemäß (wie hier beschrieben) für sechs Nächte angemeldet und die Foreningen af Lystbådehavne hat prompt eine Bestätigung geschickt. Ob die wirklich jemand sehen will?

Die erste Nacht im fremden Hafen (Großenbrode). Bordleben auf 5.70 Metern. Ganz wichtig, der Heizlüfter:

Das Wetterfenster soll sich nur kurz öffnen, indem der steife Westwind mal eine Pause macht. So verholen wir uns mit einer hübschen Kreuz durch den Fehmarnsund nach Heiligenhafen. Ich fürchte schon die Düse unter der Brücke, aber die Waarship zeigt, dass sie auch gegen Strömung und Wind ankreuzen kann.

Hübsche Kreuz bei Glitzerwasser durch den Fehmarnsund. © SegelReporter

© SegelReporter

Brücke geschafft. © SegelReporter

Perfekte Bedingungen auf dem Weg nach Heiligenhafen. © SegelReporter

Die Kreuz im Fahrwasser von Heiligenhafen ist dann doch etwas zu sportlich. Ein Meter Tiefgang sind zwar wenig, aber der lang anhaltende West-Sturm hat dann doch mehr Wasser aus dem Hafen gezogen, als gedacht. Ein kurzes Aufsetzen im Sand erinnert daran, es mit der Arroganz des Kleinboot-Seglers gegenüber Tiefenangaben nicht zu weit zu treiben.

Kreuz im Heiligenhafen-Fahrwasser – mit kurzem Aufsitzen bei der ersten Wende. © SegelReporter

Der Absprung nach Bagenkop ist fies. Flaute genau von hinten und Nieselregen. Der Motor wird gequält.

Etwa zur Hälfte krame ich auch mal den alten Varianta-Spinnaker raus, der sich seit Urzeiten im Familienbesitz befindet. Ein hässliches Teil. Viel Vortrieb bringt er auch nicht. Aber der Skipper hat was zum Spielen.

Nach gut sieben Stunden ist das erste größere Seestück geschafft. Bagenkop empfängt uns mit einem vollen Tag Dauerregen. Von Corona keine Spur. Niemand interessiert sich für potenziell infizierte deutsche Segler, oder unsere Anmeldebestätigung. Mundschutz trägt hier auch niemand. Das Virus wird einfach weggespült.

Viel Platz für das “Raumschiff” in der letzten Hafenecke von Bagenkop. © SegelReporter

Blick über den Hafen zur markanten Bagenkop-Kirche. © SegelReporter

Einmal kurz die Sonne sehen. © SegelReporter

Mit der Nase in den Wind gedreht. Doppelte Liegeplatzgebühr? © SegelReporter

Magic Moment am Abend. © SegelReporter

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Knarrblog: Mit der Waarship 570 nach Dänemark – Gaaanz wichtig, der Heizlüfter“

  1. avatar Holzwurm sagt:

    Hallo Carsten,
    da seid ihr ja auf den Geschmack gekommen :-), sehr schöner Bericht. Mit kleinen Booten GROßES erleben !!!
    Stefan und ich waren auch vor einer Woche im “hohen Norden” unterwegs …. gibt mit den kleinen Booten halt auch immer was zu erleben …. genießt die Zeit.
    Schöne Grüße Kai

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

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