Knarrblog: Sommertörn Schweden-Schären – Wie ging das noch mit dem Mooring-Anleger?

Vorhang auf zum Hafen-Kino

Okay, dann gehe ich mal ins Wasser. Eigentlich kein Spaß. Es nieselt aus wolkenverhangenem Himmel, man würde nicht freiwillig auf die Idee kommen, einen Badegang im Hafen zu unternehmen. Aber es hilft nichts. Die Mooring-Leine hängt irgendwie komisch am Ruder.

Irgendwas stimmt mit der Mooring-Leine nicht. © SegelReporter

Da war doch was. Wenn das kein Déjà-vu ist. 2011 habe ich mich schon einmal zum unfreiwillig, komischen Helden gemacht. Im Hafen von Anholt ging es abwärts nach einem spektakulären Anlege-Versuch.

Das Beste: Nach acht Jahren haben wir dasselbe Schiff bezogen, eine Omega 42. Sie heißt jetzt „Vanilla“, ist inzwischen in den Besitz eines Duisburger Club-Kollegen übergegangen, der die Geschichte damals bei SegelReporter verfolgt hat, und scheint sich auf die gleiche Weise beim damaligen Urlaub-Skipper in Erinnerung rufen zu wollen. Eine eigenartige Begrüßung. Schleicht man sich so in das Herz des temporären Herrchens?

Zwei Wochen wollen wir zu zweit Schären und Umfeld unsicher machen. Die Jungs haben wir zum Wellenreiten nach Frankreich geschickt. Das ist dann doch etwas cooler. Der “Kleine” wird dieser Tage immerhin 18. Der klassische Segelurlaub seit 17 Jahren mit Mutti und Papi auf dem Boot ist wohl passé.

So übernehmen wir das Schiff von den Freunden in Rönang auf Tjörn und haben gut 14 Tage Zeit, es zum Heimtahafen Rörvig im Norden von Seeland/Dänemark zu bringen.

Schweden begrüßt uns erstmal mit Sturm. Segeln fällt aus bei stattlichen sieben Bft. Ein Ausflug zur gegenüberliegenden Insel Astol mit der Fähre ist das Maximum.

Naturbad im Sturm auf Astol:

Dann die erste Etappe nach Skärhamn. Wahrlich nicht weit, aber man muss sich wirklich erstmal wieder an dieses Segeln zwischen den Steinen gewöhnen. Überall schäumende Felsen, die sich wie eine undurchdringliche Wand auftürmen. Erst im letzten Augenblick nach überwundenem Fluchtreflex geben sie eine Durchfahrt frei. Wie hat man das eigentlich früher ohne Plotter gemacht?

Also Skärhamn. Laut Hafenführer ein „charmantes Plätzchen mit wundervoller Ausstattung“. Ob die blonde Hafenmeisterin gemeint ist, die am Ende des Stegs steht und ihre beiden Kolleginnen? Aber irgendwie will es nicht funken zwischen uns. Etwas zu mürrisch schickt sie uns vom angepeilten Platz weg, und plötzlich sehe ich mich einem Manöver mit Mooring-Leine gegenüber. Dabei waren im Buch schicke Heck-Tonnen avisiert.

Wie ging das noch mit diesen Tampen, die am Steg im Wasser hängen? Rückwärts, oder vorwärts einparken? Und wie reagiert noch dieses lange Schiff? Wir haben es ja ausprobiert. Der Rad-Effekt lässt das Heck nach Backbord schwenken. Aber im engen Hafen?

Puls wie beim Bundesliga-Vorstart

Die Nachbarn sind mit dem Heck am Steg vertäut. So liegt auch der Bug hübsch im Wind. Ob ich ihn dort lange genug halten kann, bis die Mooring vorne fixiert ist? 42 Fuß bieten eine ordentliche Angriffsfläche, wenn sie mal quer treiben. Der Puls nähert sich etwa dem Bereich wie bei einem Bundesliga-Vorstart.

Aber es sieht doch alles ganz gut aus. Langsam zurücksetzen, die Leine am Heck fischen, und dann den moddrigen, glitschigen Tampen zum Bug führen. Zack, fest gemacht, perfekt. Denkste. Vorhang auf zum Hafen-Kino Erster Akt – wer weiß, wie viele noch kommen 🙂

Eine zweite Mooring-Leine hat sich irgendwie verdreht und hängt komisch am Ruder. Da hilft kein Zuppeln und Zerren am Tampen, kein staksen mit dem Bootshaken. Also raus aus den Klamotten, und Abtauchen.

Früher habe ich das öfter gemacht, um Kescher und Sonnenbrillen aus dem Wasser zu fischen, und vor Kindern und Frau den Helden zu spielen. Nun kommt es mir gar nicht so heldenhaft vor. Denn inzwischen hat sich am Steg ein Grüppchen versammelt, das beratschlagt, was zu tun ist.

Die blonde Hafenmeister-Schwedin, die sonst allen beim Anlegen hilft, ist nicht dabei. Ich wusste von Anfang an, dass mein Augenaufschlag irgendwie nicht mehr funktioniert. Ob es der Altersunterschied ist?

Unter Wasser ist das Malheur dann erkennbar. Tatsächlich hat sich die zweite Mooring-Leine um die Welle des Faltpropellers gedreht. Der Tampen sitzt relativ locker. Nach gut fünf Tauchgängen reicht mir ein netter Schwede eine Taucherbrille, und die glitschige Leine ist schnell befreit.

Magischer Moment in Skärhamn. © SegelReporter

Vielleicht wären wir doch besser vorwärts eingeparkt, oder hätten eher den Leerlauf eingekuppelt. Vielleicht hängt diese doofe Leine aber auch einfach blöd im Wasser. Ist es eine Falle für doofe Segler? Es wäre ein schöner Gedanke, und würde das ganze mögliche Unvermögen des Skippers nicht so deutlich machen.

Es gibt sogar eine Begebenheit, die für die These spricht, dass der Anleger nicht ganz so einfach ist. Etwa eine halbe Stunde später parkt ein Schwede neben uns ein mit seiner hochbordigen Dufour 40. Sieht einfach aus mit dem jaulenden Bugstrahlruder. Aber zack, auch er rauscht mit der Schraube in die Mooring.

Ich biete Hilfe an, aber er wendet sich dann doch lieber an einen Profi. Am Hafenmeister-Büro hängt ein Zettel mit der Nummer eines Profi-Tauchers. Ein schöner Service. Er ist in Nullkommanix am Steg und schneidet dem Schweden die Mooring aus der Schraube.

Ein schöner Aufreger für den ersten Tag des Sommertörns. Immerhin öffnet sich danach kurz der Himmel bevor die Sonne abtaucht. Der Hwird in weiches Abendlicht getaucht. Ein magischer Moment. Will Schweden uns gnädig stimmen? Mal sehen, was da noch kommt.

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Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „Knarrblog: Sommertörn Schweden-Schären – Wie ging das noch mit dem Mooring-Anleger?“

  1. avatar MNQ sagt:

    Danke für dieses nette Stückchen und viel Vergnügen bei den weiteren Vertüdeloptionen, die die Schärensegelei bietet! Marcus

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  2. avatar Jörg sagt:

    Knarrblog rulez 🙂
    Hoffentlich habt ihr mehr Wetterglück im Norden der Ostsee

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