Knarrblog Sommertörn: Punta del Chiarito – Trubel, warmes Wasser, Einsamkeit

Der Jungbrunnen

Im Westen nur eine Bucht weiter als St. Angelo liegt Punta del Chiarito, eine heiße Quelle, die hier zu den geheimeren Spots gehören soll. Na ja, die vollbesetzten Wassertaxis brausen aus dem Hafen herüber.

Segel Sommertörn Italien Neapel

Zur Groborientierung: Die Punta del Chiarito heißen Quellen liegen beim ‘A-Fähnchen’ © Google Maps

Aber auch wir sind neugierig, was es mit diesem warmen Wasser auf sich hat. Schließlich ist Heißwasser bei 30 Grad im Schatten genau das, was einem fürs absolute Glücklichsein fehlt.

Wir pirschen uns an den Felseneinschnitt heran, wo zahlreiche Boote vor Anker liegen. Schwer zu sehen, was da genau abgeht. Wo ist nun die Attraktion? Wir recken die Hälse.

Der Anker fällt auf 12 Meter Tiefe zwischen Steinen. Ein etwas unheimlicher Liegeplatz mit gurgelnden Steinen kaum zwei Bootslängen entfernt in Lee. Aber das Geheimnis des warmen Wassers will erforscht sein.

Mit Brille und Schnorchel bewaffnet geht’s Richtung Land. Bunte Fische stieben auseinander. Wie in einem Aquarium, durch das man mit der Hand fährt. Ein großer Krebs flüchtet sich hinter einen der großen Steine, über die wir mit abnehmender Wassertiefe mit den Körpern rutschen. Eine letze Steinbarriere noch, dann sitzen wir im warmen Becken. Schulter an Schulter zusammen mit etwa 30 wildfremden Menschen. Am Maschendrahtzaun dahinter hängt ein Schild “bitte nicht baden” auf italienisch Deutsch und Englisch. Hmm, muss man nicht verstehen.

© SegelReporter

Hinter dem Mobo sind die Badewannensitzer zu sehen © SegelReporter

Es ist wirklich kuschelig warm. Eine skurrile Szene. Man will sich gar nicht vorstellen, wie die Temperatur wirklich entsteht, wenn so viele Menschen in lauwarmer Brühe sitzen. Wie damals beim Babyschwimmen.

Andererseits könnte man sich ja auch einfach in eine Badewanne setzen und das warme Wasser aufdrehen. Auch ein Whirlpool funktioniert ähnlich. Aber das hier läuft unter freiem Himmel ab. Ist das der Unterschied? Oder das Gemeinschaftserlebnis? Hmm.

Es ist wohl eher der feste Glauben daran, dass dieses Wasser aus der Quelle irgendwo unter den Steinen etwas mit dem Körper macht. Wie zum Beweis räkelt sich nebenan auf dem Steg eine junge, schöne Italienerin im giftgrünen Bikini. Vielleicht war sie vor einigen Stunden noch eine durchschnittliche Mittfünfzigerin? Das muss die Faszination sein. Ein Jungbrunnen. Man merkt geradezu wie sich die Gesichtshaut strafft. Wäre doch schön, wenn sie nicht mehr im Wind flattert.

Jetzt müsste ich nur noch die Achselhaare rasieren, ist sich die eigene Brut sicher. Das trage man heutzutage so. Dann könnte ich auch wieder unter die Leute. Na Klasse. Dann hat sich der skurrile Ausflug gelohnt.

Für die Nacht fahren wir aber lieber 500 Meter zurück um die Ecke. Dort der absolute Gegensatz. Einsamkeit statt Trubel . Wir sind das einzige Schiff unter der wohl 100 Meter hohen Wand, in die eine steile Treppe geschlagen ist. Von oben gesehen scheint das Schiff auf türkisem Teppich zu schweben.

In der stockdunklen, mondlosen Nacht umschwirren Fledermäuse das Boot. Sie kommen aus der Höhle, die die Jungs per Gummiboot erkundet haben. Natur pur, ein perfekter Spot.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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