Meinung America’s Cup: Liebe Kiwis, jetzt reicht es aber auch…

Den Sack zumachen

Liebe Kiwis,

so langsam ist es jetzt aber auch genug. Meinetwegen könnt ihr den Sack zumachen.

Matchpoint...© o'Brian / monstacartoons.com

Matchpoint…© o’Brian / monstacartoons.com

Wir haben ja jetzt verstanden, dass der America’s Cup sehr spannend sein kann. Dieses Duell wird ohnehin in die Geschichtsbücher eingehen. Ihr müsst die Oracle Jungs nicht mehr zappeln lassen.

Es gibt doch jetzt schon nur Sieger.

Ihr gewinnt die unglaublichste Segelregatta aller Zeiten und entführt die Kanne in das Land der Hobbits.

Larry hat etwas mehr Respekt in der Segelwelt zurück gewonnen, das längst verspielt schien. Ja, Geld stinkt nicht. Ja, wir haben ihn immer falsch verstanden. Ja, er wollte wirklich immer nur das Beste für den Sport, koste es was es wolle, auch den Cup.

Russell hat ein paar Sympathien in seinem Geburtsland gewonnen, weil er nicht nur nehmen kann sondern auch geben. Den Cup nämlich. SR wird dann exklusiv auch mit der Story herauskommen, dass er gar kein Verräter ist sondern ein Doppelspion, der seit vielen Jahren unter den Feinden lebt, um die Kiwis mit Know How vom Rest der Segelwelt zu füttern.

Der Segelsport hat das Interesse von Menschen gewonnen, die weniger dem Angeln als dem Skateboarden nahestehen.

SegelReporter hat jede Menge neuer Leser gewonnen.

America's Cup Kartoon

Die schwarze Katze aus Sicht des AC Kartoonisten.© o’Brian / monstacartoons.com

Alle sind glücklich und zufrieden. Mehr wollen wir doch gar nicht. Jetzt macht diesem Geduldspiel endlich ein Ende.

Ich mag nämlich meinen Flug nicht zum dritten Mal umbuchen. Langsam wird das echt teuer. Ich mag gar nicht daran denken, was die endlose Zeit in der US Airways Warteschleife kosten wird, weil der Automat wohl mein Ti Äitsch nicht versteht.

Ich mag langsam mal wieder meine Familie anders als auf diesem krisseligen Skype Bildschirm sehen.

Ich mag nicht mehr meine Unterhosen und T-Shirts wenden. Auf Dauer funktioniert dieser Trick nicht für immerwährende Frische.

Ich mag nicht noch eine Drachen Mittwoch-Regatta verpassen.

Ich mag nicht mehr jeden Morgen einem anderen Wachmann erklären, dass ich bisher immer mein Leihfahrrad vor das Mediencenter stellen durfte.

Ich mag nicht mehr den dicken US-Fotografen neben mir sitzen haben, der den ganzen Tag online pokert.

Ich mag nicht mehr den einsamen, traurigen Saxophon-Spieler hören, wenn ich abends mit meinem Rad die Market-Street hochstrample.

Ich mag mich nicht mehr so unwohl fühlen, wenn mit dem Einbruch der Dunkelheit in dieser reichen Stadt die Bettler wie Zombies aus ihren Löchern auf die Straßen kommen.

Ich mag mich in der Stadt der Jungen nicht mehr so alt fühlen. Wo werden die Ü-40er hier eigentlich alle hingesperrt? Man sieht sie nicht. Irgendwie unheimlich.

Ich mag mich nicht mehr von Chicken Wraps aus dem Supermarkt, der in einer Apotheke steckt, ernähren.

Ich mag dem australischen Spuckhügel nicht mehr beim gewollt amerikanisch sein zuhören. Ja sein Team ist „fantastic“, ja, er kann dieses Ding noch drehen, ja, auf dem Wasser will er den Barker natürlich „killen“. Es klingt so aufgesetzt, um endlich ein paar Amis vor die Fernseher zu locken. Die Jungs sind doch alle gute Segel-Kumpels.

Ich mag nicht, dass die Oracle Jungs nach der PK sofort wieder verschwinden und nicht wie die Kiwis noch zu einem Plausch zur Verfügung stehen.

Ich mag diese Verschwörungstheorien nicht, dass Larry die Kiwis fürs Verlieren bezahlt, um doch noch den Cup zu gewinnen. So ein Blödsinn!

Ich mag mich aber auch nicht so negativ anhören.

Natürlich war es eine tolle Zeit in San Francisco – man beachte die Vergangenheitsform – in der alle unseren Sport plötzlich so toll finden. Drei Wochen am Nabel der Segelwelt.

Ich liebe diese Stadt, wo alle Ü-40er irgendwo hingesperrt werden bis sie erst als Zombies wieder auf die Straße dürfen. Hier fühle ich mich noch Ü-30.

Ich liebe diesen morgendlichen Weg zur Arbeit von der 23nd die Valencia runter dann rechts ab auf die Market und schließlich entlang der Embarcadero. Immer im 20er Fahrrad-Päckchen mit den ganzen IT-Spezis zwischen den Ampelphasen Vollgas und Vollbremsung, um nun ja den Windschatten der Rennrad-Vorderfrau mit der viel zu kurzen Hose nicht zu verpassen. Ein Rätsel, warum es gerade bei den Bergen hier so in ist, ohne Gangschaltung zu fahren.

Ich liebe die Coolness vom Münchener 18-Footer Segler Phillipp Berner, der mich in seiner Wohnung pennen lässt, während er an seinem erfolgreichen Startup KeepSafe werkelt. Das Segel-Netzwerk funktioniert.

Ich mag Ainslie, wie er immer bei der Pressekonferenz da oben sitzt und so wissend in sich hineinlächelt. Endlich steht er beim America’s Cup in vorderster Front. Und das noch als Taktiker. Das hat er nie gelernt, nie gewollt. Gedanklich bastelt er bestimmt schon am Schattenkabinett für sein eigenes britisches Team.

Ich mag dieses Segelrevier mit den traumhaften Windbedingungen, wo eigentlich viel zu wenige Leute segeln.

Liebe Kiwis ich mag es nun auch, dass ihr endlich diesem Drama ein Ende bereitet!

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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https://northsails.com/sailing/de/

15 Kommentare zu „America’s Cup: Liebe Kiwis, jetzt reicht es aber auch…“

  1. avatar Uwe Kramer sagt:

    Moin Carsten, danke für deine Berichterstattung hier, spannender als Formel 1.

    Ich denke auch, den Sponsoren ist genug Dank gezollt, Samstag zur besten Sendezeit, Sack zu

    LG, Uwe

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    • avatar Martin Dielen sagt:

      …und was machen wir ab übermorgen…!?

      (OK – es gibt ja noch den Wind und die Wale…)

      😉

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  2. avatar 4MastBark sagt:

    Sack zumachen! War ne geile Zeit mit den Segelreportern ….
    Bitte das nächste Segelevent 🙂
    Hoffe es kommt auch für Euch genug dabei rum!

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  3. avatar fockaffe sagt:

    Ich glaube, ich kann’s nachfühlen. Trotzdem bitte die gute Laune behalten, bis zum letzten Winschklicken und Schotknarren. Ist doch für uns ‘ne geile Zeit. Auf jeden Fall schon mal Danke.

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  4. avatar christine grafl sagt:

    Liebes ETNZ, bitte macht den sack endlich zu. Mein apotheker glaubt mir nicht mehr das die magen und herzbeschwerden immer nur zwischen 22.00 und 23.45 auftreten, mein mann will wieder in ruhe frühstücken und nicht vor dem ersten kaffee mit mir regattaanalyse betreiben müssen und ich brauch endlich wieder mehr als 8 stunden schlaf.
    Good luck und danke für 2 unvergessliche wochen.

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    • avatar Manfred sagt:

      Hej, hej, da bist Du nicht allein.
      Mir wird das schon gar nicht mehr geglaubt, dass mit mir ab 22.00h nichts mehr läuft. Die nicht unbedingt segelaffine “Beste aller” kann das nämlich überhaupt nicht glauben. Da ist ja Fussie WM schneller zu Ende.

      Bei Einladungen mache ich mich immer so ab halb zehn unbeliebt, damit ich nach Hause oder zu Freunden kann, zum AC schauen.

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  5. avatar Stefanz sagt:

    Hast du die Ergebnisse von der Norddeutschen Meisterschaft im Drachen? Schaffen es deine Jungs auch ohne dich?

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  6. avatar hanseatic sagt:

    Sehr schön geschrieben der Artikel und spitzenmäßige Berichterstattung aus SF Carsten. In dieser Qualität hat die deutschsprachige Seglerwelt so etwas bisher noch nicht gesehen! Danke dafür und weiter so!

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  7. avatar Philipp K. sagt:

    Carsten, wenn’s knapp zur DM MR in Berlin wird, ich bin One man Short 😉 pk

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  8. avatar christine grafl sagt:

    Das kann doch alles nicht wahr sein. Jetzt wird wieder auf morgen verschoben.

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  9. avatar Olperer sagt:

    @Carsten, der Link zu KeepSafe geht nicht, da http:// davor fehlt.

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  10. avatar Norbert Peter sagt:

    Oh Mann, Carsten, ich habe mich echt weggeschmissen bei diesem Artikel, so vieles davon ist uns auch in gemeinsamen Gesprächen da unten aufgefallen, aber das Rätsel, wohin die Alten verschleppt werden, hat keiner von uns lösen können….Eine positive Sache fehlt noch: Seit Tristan und ich wieder nach Haus geflogen sind, hast Du doch ein Zimmer mit einer Couch für Dich allein – nix mehr Isomatte und dicker Teppich! 🙂

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    • avatar Gabriel sagt:

      Ich glaube die älteren Leute ziehen zur Familiengründung gerne in die South Bay- Palo Alto und so. Wärmer, weniger Nebel, und mehr Platz. Viel billiger ist es aber auch nicht. Oder sie haben echt Asche und wohnen mit Bay view in einer Villa in Pacific Heights.

      @Carsten: Tolles Stadtportrait! Das mit den Fixies ist mir auch ein Rätsel. Ab und zu sehe ich einen bärtigen Hipster mit einem Fuß auf dem Hinterrad bremsend die Post Street runterheizen. Auch beliebt sind superschwere Aero-Alufelgen in schrägen Farben mit farblich passend lackierter Kette. Gleichfarbige Socken bringen Bonuspunkte.

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  11. avatar Michael sagt:

    ….. ich glaube dass die Lernkurve der Oracle Jungs viel steiler nach oben geht, als wir alle wahrhaben wollen. Ich hoffe inständig, dass ich mich irre und die Kiwis den Sach heute Abend zu machen.
    Danke für die hervorragende Berichte und das Engagement.

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