Knarrblog: NRV-Mittwochsregatta. Diese verdammten Tonnenrundungen

Wie kann man so blöd sein?

Saubere Leetonnenrundung bei der Drachen Mittwochsregatta. Wir sind vorher leider falsch gerundet (nicht im Bild), bleiben aber noch vor dem Pulk. © K. Lahme

Drei dramatische Mittwochsregatten, dreimal passiert irgendein Mist. Knapp zehn Drachen halten wieder einmal gleichzeitig auf die Leemarke zu. Wir liegen ziemlich weit außen. Blöde Situation. Das wird nix. Also Spi runter, abstoppen, warten bis sich die Kolosse im Pulk um das Fass schieben. Da gibt es garantiert irgendwo eine Lücke in der Innenkurve.

Das ist zwar regeltechnisch etwas kritisch, weil wir absolut null Vorfahrt vor irgendeinem Schiff haben. Aber wenn man niemanden behindert, niemand sein Recht einfordert, weil die Lücke groß genug ist, dann darf sich auch niemand beschweren.

Ha, da ist sie tatsächlich die Lücke. Bestimmt acht Drachen schleudern in die Außenkurve. Wir stechen innen rein, wenden sofort, gehen frei nach rechts, herrlich… Es ist sooo schön. Wir sehen gar nicht zurück zu dem schreienden Pulk, der mit sich selbst beschäftigt ist. Augen geradeaus! Wo ist die nächste Tonne?

Aber irgendwie fühlt es sich doch komisch an. Das Manöver war zwar gut. Aber so frei sollten wir eigentlich auch nicht sein. Klasse!! Ein Blick zurück zeigt, dass uns niemand folgt. Es war die falsche Leetonne!!! Wie kann man so blöd sein?

Schöner Spaß. Irgendwer hat die Meute darum gehetzt auf einer mit Tonnen und Schiffen überfüllten Alster. Viele sind hinterher gefahren, aber wir haben es durch das tolle Manöver am perfektesten verbockt.

Eine andere hübsche Szene am nächsten Mittwoch. Endlich einmal ein Start gegen den Wind. Gutes Timing, exakte Position an der Linie, Platz zwei von 19 Schiffen an der Luvtonne. Vor dem Wind rauschen wir in Lee am Führenden vorbei. Aber er liegt innen.

Also luve ich ihn hoch, etwas über den Dreilängenkreis und drehe dann als erster zur Tonne. Ein schönes Manöver. Wir liegen querab zu Marke als es ruft: „ehyyyy, anders rum…“ Na super. Die große Welle gemacht, aber die Kurskarte nicht verinnerlicht.

Schamesröte dürfte sich auf dem blank geputzten Deck gespiegelt haben. Nach der Ehrenrunde bleibt immerhin noch Platz zwei. Der Vorsprung war groß genug.

Und nun gestern: Es stürmt und regnet. Ein Hamburger Radiosender baut eine Arche für die offensichtlich drohende Sintflut. Eigentlich sollte man nicht segeln gehen. Nur sieben Drachen sind am Start. Aber immerhin.

Raumschots-Anlieger-Start. Böen hämmern in das Rigg. Spi oder nicht Spi? Der Kurs ist spitz. Nicht Spi! So häufig sind wir mit diesem Teil noch nicht bei Wind gesegelt. An der ersten Tonne stellt sich heraus: Doch Spi, wäre richtig gewesen.

Dann eben wieder an der Leetonne. Hoffen, dass Gegner in die Außenkurve schleudern und innen durch. Sieht gut aus. Nur ein Boot macht an der Tonne dicht. Klar, dass wir nicht rein dürfen. Abfallen, hinten rum und wir wären gut dabei.

Aber irgendwie will das Schiff nicht abfallen, oder ich. Hakt da etwas im Kopf? Unser Drachen schießt im rechten Winkel auf den Gegner zu. Der schreit, sieht das Unheil kommen. Keine Ahnung, was sich in meiner Birne abspielt.

Irgendwann ist der Punkt, an dem ich nicht mehr am Heck vorbei komme. Anluven im letzten Moment. Die Stange der Tonne klötert unter dem Kiel. Dem Segelfreund auf dem anderen Drachen steht der Schreck im Gesicht geschrieben.

Ja, ja ich habe die Kontrolle verloren. Ja, ja natürlich fahre ich den fälligen Strafkreis. Da muss man sich nicht aufregen. Nicht so schreien. Hallo! War nicht bös gemeint. Wollte mich wirklich nicht reinquetschen. Bin noch etwas limitiert beim Umgang mit diesem Schwertransporter bei Starkwind.

Mann, Mann, Mann, wie kommt es zu diesen Ausfallerscheinungen? Ist mir ein Rätsel. Passiert das, damit ich es hier schreiben kann? Sonst habe ich mich eigentlich eher als soliden Fehler Vermeidungs Segler gesehen. Es muss diese Mittwochsregatta-Atmosphäre sein.

Ist ja eigentlich nur Spaß. Zehn Minuten vorher auf die Yacht springen, eine halbe Stunde um die Tonnen segeln und danach ein gepflegtes Bierchen. Fehler erzeugen Lachen, statt Ärger. Geht ja um nix. Jux und Dollerei. Na ja…

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Carsten Kemmling

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6 Kommentare zu „Knarrblog: NRV-Mittwochsregatta. Diese verdammten Tonnenrundungen“

  1. avatar Stefan sagt:

    90 Grad, Langkieler, Crash…. Kommt mir irgendwie bekannt vor. Willst Du uns nervös machen?

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

    • avatar stefan sagt:

      …vielleicht möchte Carsten einen Spannungsbogen bis Flensburg aufbauen? ;-))

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      • avatar T.K. sagt:

        Er segelt halt im “Deja vu Modus”

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        • avatar Dirty Harry sagt:

          Vielleicht sollten besser 10 oder 12 Tonnen im Kreis ausgelegt werden, dann gäbe es tatsächlich Rundungen. Für Eckungen ist ein Drachen nicht konzipert. Johan Anker sollte 1929 ein Jugendboot mit Koch- und Schlafgelegenheit im Skärgard konstruieren und das ist ihm schlecht gelungen.

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  2. avatar Christian sagt:

    solide Fehler-Vermeidungs-Segler sind doch sowas von langweilig… Crash & Burn Modus macht mehr Spaß (allerdings nur solange du nicht auf mit meinem Boot segelst 😉

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  3. avatar Tim sagt:

    Im J24 Jargon werden Drachen übrigens auch als ‘Spundwände’ bezeichnet.

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