Knarrblog: Schweden Törn – Stömmarna – Stora Kornö – Mollösund

Tolle Feile

Die Lotus 40 hoch am Wind vor Lysekil. © SegelReporter

Herrlich, wie dieses Schiff am Wind fährt. Schmal, lang, neue Segel, neuer Mast. Der Eigner ist ein exzellenter Regattasegler, und genau so fühlt sich diese Feile an. Ausgewogenheit auf dem Ruder, Ergonomie im Cockpit beim Segeln.

Beim Drachensegeln weigere ich mich, wie Peter Pirat auf dem Steuerbänkchen in Lee zu hocken und bei der Wende die Pinne über den Kopf zu heben. Dabei mag es manchmal durchaus Sinn machen.  Aber bei diesem Fahrtenschiff ist diese Position Klasse. Hinten in der Cockpit-Rundung sitzen, Ellenbogen entspannt auf der Achterkajüte, der Pinnenknauf schmeichelt wohlig in der Handfläche.

Die Norweger motoren mit dicken Bavarias vorbei, wir haben immerhin fünf Knoten auf der Uhr – ha, so lässt es sich kreuzen bis zum Ende der Welt. Aber da wollen wir eigentlich nicht hin. Wohin eigentlich?

So langsam funktioniert die Spontan-Erkundungsreise nicht mehr. Plätze ohne Versorgung gibt es genug, aber auf dem spartanischen Schiff geht langsam der Proviant aus. In den Häfen wird’s schon was geben. Wir steuern Kungsviken im Nordwesen von Orup an. Hübsch, vier Plätze für Gastlieger, aber kein Strom, keine Nahrung. Weiter zum nächsten um die Ecke.

Beim Einschnitt Richtung Lysekil ist ein weiterer Hafen eingezeichnet. Stömmarna soll es heißen. Nach Gastliegern sieht es gar nicht aus. Keine roten oder grünen Schildchen. Ein alter Mann mit Schlapphut blafft herüber. Der Ton hört sich nach “Abhauen!” an, die Gesten zeigen eher freundlich einen Platz, den wir nutzen können.

Im Minutentakt blubbern Mobos vorbei

Nicht schön hier, nur Wasser und Strom locken. Im Minutentakt blubbern Mobos zum Steg gegenüber, wo sich offenbar die einzige Tanke im Umfeld befindet. Dieselgeruch weht herüber, aber egal. Wir liegen jetzt fest und wollen nicht mehr weiter.

Auch nicht als die Nachfrage nach frischen Brötchen ein freundliches Schmunzeln bei den Stegnachbarn erzeugt. Lebensmittel Fehlanzeige. “Das bekommen wir hin”, sagt eine freundliche Dame und verschwindet. Kurz darauf bringt sie ihren Süß-Brötchen-Vorrat. “Nein, nein, nichts zahlen”. Eine zweite Schwedin kommt mit Brot. Die Nachricht über die hungernde deutsche Familie hat sich herumgesprochen. Nette Menschen.

Wenigstens Hafengeld wollen wir zahlen, auch wenn niemand darauf eingerichtet scheint. “Wenn ihr Pech habt, kommt ein alter hässlicher Kerl und kassiert”, sagt der Mann mit Schlapphut. Wie lange sollen wir warten? Die Skipperin will keine Zechprellerin sein, der Skipper will los, ein klassischer Disput.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „Knarrblog: Schweden Törn – Stömmarna – Stora Kornö – Mollösund“

  1. avatar Liese sagt:

    Unsere Erfahrungen waren leider andere 🙁
    Ganz anders als in DK- keine Ahnung woran es lag … Zumindest zu 90%

    Danke für die Fahrtenseglerreports 🙂

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  2. avatar Flyer2 sagt:

    “Geile Feile” wäre auch ein netter Titel gewesen. ^^ Schöne Story in der man insbesondere im letzten Teil zu spüren glaubt, daß hier ein sehr zufriedener Skipper schreibt.

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