“Trivia” Onboard-Bericht: Schwere Zwölfer Kollision mit “Vanity”

“Es knirscht und splittert…”


"Trivia" zu Besuch bei "Vanity". Auch die "Thea" (r) erleidet einen massiven Schaden, nachdem sie mit dem Startschiff kollidierte © Ernasigne

Der Aufschlag ist unvermeidlich. Ich ducke mich. Die Finger krallen sich um das Backstag. Die Nackenmuskeln sind gespannt, die Haare aufgestellt, die Schultern hochgezogen. Wie stark wird der Aufprall wenn zwei 30 Tonner ineinander fahren? „Trivia“ rauscht mit acht Knoten auf die Backbordseite von „Vanitiy“ zu.

Wir segeln mit der klassischen 12mR Yacht “Trivia” beim Baresso Coffe Meter Yacht Cup in Kopenhagen gegen die gleichen Gegner, die wir im Juli beim Rolex Cup in Kiel noch knapp besiegt hatten. Ich bin für die Taktik zuständig und stehe auf dem Achterdeck hinter Steuermann und Eigner Wilfried Beeck.

Die Sekunden vor dem Crash. "Trivia" (l.) halst kurze Zeit später auf "Vanity" zu, um Richtung Startlinie zu kommen. "Thea" hat nach der Kollision mit dem Startschiff die Segel geborgen. "Heti" ist gestartet. © Ernasigne

Es knirscht und splittert. Der Bug unseres Zwölfers schiebt sich an der Bordwand hoch. Hoffentlich steht dort niemand. „Ich konnte im letzten Moment wegspringen“, sagt der Focktrimmer der „Vanity“ später. Einen Kontakt mit dem spitzen Bug hätte er nicht überlebt.

Ich sehe die weit aufgerissenen Augen des dänischen Profi-Taktikers Stig Westergaard. Eben noch rief er „No jibe“, nicht halsen. Das war ein netter Versuch, uns von der Startlinie fernzuhalten. So macht man es beim Match Race. Aber wir sind weit genug entfernt, um die Halse abzuschließen und dann Wegerecht zu verlangen.

Das Problem: „Vanity“ macht überhaupt keine Anstalten ihrerseits mit einer Halse auszuweichen. Skipper Wilfried ist irritiert, und versucht im letzten Moment, hinter dem Heck der dänischen Yacht herumzuschwingen. Aber dafür ist es zu spät.

Die verbogene Holepunktschiene auf "Vanity" © Carsten Kemmling

Der Rumpf kracht auf die Bordwand. Die Spitze hakt unter die Fockschot, reißt sie durch und hebelt dabei die Holepunktschiene aus dem Deck. Hässlich verdreht schabt der scharfe Edelstahl-Beschlag die Farbe vom Rumpf der „Trivia“.

Ich sehe in unser Rigg. Bricht es durch das plötzliche Abstoppen? Aber der Aufprall ist erstaunlich sanft. „Die großen Racer, mit denen ich sonst segele, hätten ein großes Loch abbekommen“, sagt später Stig Westergaard, Finn Champion, Soling Weltmeister und Volvo Ocean Race Segler mit dem Team Russia.

Die Wunden der "Trivia". Der Bug hat etwas abbekommen. © Tanja Weichenhain

Aber der hochgezogene Löffelbug verhindert den Vollkontakt. Wilfried sagt später: „Ich habe so einen Crash schon mal gesehen. Es war wichtig, dass wir keine tragenden Teile wie Wanten oder Backstag getroffen haben.“

So stoppt „Trivia“ durch die Reibung auf der Bordkante des gegnerischen Schiffes und rutscht in Zeitlupe wieder rückwärts ins Wasser. Wie ein großer, behäbiger Wal.

Kein Geschrei, keine Anschuldigungen alle Beteiligten sind geschockt. Ist jemand verletzt? Wie groß ist der Schaden? Wie konnte das passieren? Wo lag der Fehler? Warum sind sie nicht ausgewichen? Wieso sind wir im rechten Winkel eingeschlagen?

Antworten und Bilder  im zweiten Teil

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Carsten Kemmling

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3 Kommentare zu „“Trivia” Onboard-Bericht: Schwere Zwölfer Kollision mit “Vanity”“

  1. avatar Andreas sagt:

    Kaum zu glauben, dass da nicht mehr passiert, wenn sich zwei Wale unabsichtlich “besteigen”.

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  2. avatar Matti sagt:

    Son ähnliches Ding hatte ich als Junge auf dem 420er bei einer Alster-Herbst-Wettfahrt auch. Dort ist allerdings an der Raum-Tonne ein Drachen mit seinem Bug zwischen mich und meine Vorschoterin gerauscht. Wir waren innen an der Tonne und gerade beim anluven für die Kreuz. Der wahnsinnige Steuermann kam von hinten und wollte mal eben innen an uns vorbei. Er dachte wohl, sein Drachen wäre so wendig wie ein Laser. Oder er hat gar nix gedacht. An Steuerbord schabte er an der Tonne entlang, mit dem Bug kerbte er unsere Scheuerleiste. Wir hatte großes Glück, dass er nicht einen von uns aufgespießt hatte – das wäre sicher ein Wirbelsäulenbruch gewesen.
    Ich weiß immer noch nicht, warum so etwas sein muss …

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    • avatar laser1982 sagt:

      Raumtonne und dann auf die Kreuz, das gibt es auch nur auf der Alster? Ergo Winddrehung um “roughly” 135° links oder rechtsherum um auf dem 2. Raumgang an die Kreuz zu gehen? Das war doch eine Leetonne bestimmt?

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