Undercover Agent

Will Erdmann zur Vendee Globe? SEGELreporter.com recherchiert hinter den Kulissen

Paparazzi Foto. Erdmanns neuer Open 60 vor dem Haus. Er hat sich zu Fasching als „Kathena Nui“ verkleidet. © Carsten Kemmling

Faschingsfest in Goltoft. Höhepunkt der Feier-Saison in der maritimen Hochburg. © Carsten Kemmling

Spätestens als „Zwanzig Zentimeter, nie im Leben kleiner Peter“ von Interpretin „Möhre“ alias Comedian Mirja Boes durch den Raum wummert, kommt der Gedanke auf, dass diese Undercover-Recherche als SEGELreporter ziemlich hart werden dürfte.

Wir befinden uns in Goltoft, einem 200-Seelen-Dorf an der Schlei. Aschermittwoch ist längst vorbei. Jeder sollte wissen, dass damit auch der Karneval vorbei ist. Aber so weit im Norden ticken die Uhren anders.

Das Feiern hat keine Priorität. Warum sollte auch ein Hamburger aufs Land fahren, um dort Karneval, äh Fasching, zu feiern? Vielmehr geht der SEGELreporter einem anonymen Insider Tipp nach, demzufolge sich Wilfried Erdmann, der berühmteste Goltoft-Bürger, unter den Gästen befinden soll.

Der SEGELreporter hofft, den Einhand-Weltumsegler zu identifizieren, sich mit einem Bierchen zu nähern, ihn dumm von der Seite anzuquatschen und dann erstklassige Undercover-Informationen über eine mögliche, geplante Teilnahme an der nächsten Vendee Globe zu erhalten.

„Ey Wilfried, habe gehört, du baust dir einen Open 60 im Garten“, – oder so ähnlich.

Höhepunkt der Feier. Die Verkleidungen sind super. Die Stimmung ist auf dem Siedepunkt

Also, wo ist er? Die Leute sind alle bis zur Unkenntlichkeit verkleidet. Der Piraten-Look wäre passend. Aber dem Mann quellen die Brusthaare aus dem aufgeknöpften Hemd. So behaart ist unser Wilfried doch nicht, oder?

Oder ist es der Typ mit dem Zweireiher und der Kapitänsmütze? Aber auf die Frage nach dem Open 60 weiß er nichts Schlaues zu antworten. Stattdessen nähert er sich der Begleitung des SEGELreporters. Der wirft sich dazwischen und kurz bevor er zuschlägt findet er heraus, dass es sich offenbar um den Bruder von „Werner“ handelt, dem verehrten Erfinder des gleichnamigen Comics.

Die spätere Internet-Recherche ergab, dass der Mann 2004 laut der Seite des Puch-Clubs-Hamburgwww.1990greif.de „ein über vier Meter langes Monstergeschoss auf zwei Rädern, angetrieben durch die anarchistische Zündfolge von 24 Dolmar-Kettensägenmotoren mit einem Höllensound“ über den Lausitzring geprügelt hat.

Spannend, aber bei der Wilfried-Recherche hilft dieser Mann nicht weiter. Mit steigendem Alkoholkonsum nimmt der Spaß des SEGELreporters an der Party in gleichem Maße zu, wie die Professionalität seiner Arbeit abnimmt.

Er verliert sich in Engtanz-Schrittfolgen, deren Erinnerung er längst für verschüttet hielt. Selbst zu Lady Gagas „Pokerface“ – ja, so weit reicht die Musik-Bandbreite, des DJs – versucht er einen Foxtrott zu stolpern.

Von einem als Frau verkleideten Mann – Wilfried ist es nicht, obwohl die Vermutung einer Astrid-Verkleidung nahe lag – ist zu erfahren, dass dummerweise einige Bälle der freiwilligen Feuerwehr gleichzeitig woanders gefeiert werden. Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit, den Segel-Promi hier zu finden.

Andererseits kann sich der als Frau verkleidete Mann auch nicht erinnern, Wilfried je auf diesem Faschingsfest gesehen zu haben. Irgendwie sei der gar nicht der Typ dafür.

Hmm, schwer zu glauben. Hält die Dorfgemeinschaft dicht? Ist es vielleicht doch der Höhlenmensch mit der Fell-Verkleidung? Oder sollte der anonyme Hinweis falsch gewesen sein?

Damit stellt sich urplötzlich auch die Frage, ob die Vendee-Vermutung eine Ente ist. Aber der SEGELreporter lässt nicht locker. Am nächsten morgen spaziert er als Spaziergänger getarnt durch das verschneite Goltoft, um den Vendee-Neubau im Erdmannschen Garten zu entdecken.

Er macht Paparazzi Fotos. Ha, da steht er der Open 60! Die schneebedeckte Plane hängt darüber. Der Racer scheint schon fertig zu sein. Etwas klein für einen 60 Fußer. Sieht fast so aus, als wäre es „Kathena Nui“, die berühmte Nordsee 34, mit der Erdmann in 271 Tagen alleine um die Welt segelte. Aber der SEGELreporter lässt sich nicht täuschen. Klar, dass das nur eine Verkleidung ist. Es ist schließlich Fasching.

Carsten Kemmling
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