Knarrblog: Drachen-Erlebnisse bei der Mittwochsregatta

Zweikampf gegen Peter Pirat

Alles klar achteraus. Das Feld liegt voraus. © M. Reith

Alles frei an der Startlinie. Wollen die anderen Drachen denn nicht los? 3,2,1…Start. Guter Start. „Dragonheart“ schießt an die Spitze des Feldes. Aber hinter uns pfeift es. Ich ahne, was kommt. Da haben sie einen Frühstarter erwischt. In Luv gingen da wohl ein paar ganz Eifrige zu Werke.

Aber das Pfeifen kommt näher. Ich versuche den Typen auf dem Motorboot zu ignorieren. Es ist mein alter Laser Kumpel Klaus Lahme, gerade mit zwei Medaillen zurück von den Olympischen Jugendspielen in Singapur.

Die Drachenflotte schiebt am NRV Clubhaus vorbei. Hübsch anzusehen von hinten. © M. Reith

Und jetzt muss er hier auf der Alster rumstänkern und trillerpfeifen. Er meint wirklich uns. Das war doch nie ein Frühstart! Doch, war es, sagt seine Körperhaltung. Er steht aufrecht auf seiner Gummiflitsche, reckt zwei Finger hoch und dreht damit so komisch in der Luft. Soll wohl heißen. Kreiseln. Zwei Mal.

Na super. Danach sind wir letzter von 16 Drachen. Wie konnten wir uns so vertun? Das Rätsel klärt sich später auf. Wir sind wie immer nach der Funkzeit exakt um 18:30 Uhr über die Linie. Von uns unbemerkt hat Herr Lahme aber eine eigenen Count Down gestartet. Die Differenz betrug knapp zwanzig Sekunden.

Fockfall in den Mast gezogen. Der Skipper klettert todesmutig empor bevor er sich mit den breiten Schultern an den Unterwanten verhakt. © M. Reith

Aber wir kämpfen. Ist ja eine Trainingsregatta. Da kann man ruhig einmal in der Totenkopfzone des Feldes herumsegeln. Dort, wo es richtig hart zugeht.  Wo um jeden Meter gekämpft wird.

Und siehe da, es wird auch wieder geschrien. Der Ton kommt mir bekannt vor. Es ist der Kollege von letztens. Der die Sache hier ein wenig zu ernst nimmt. Der ein etwas gewöhnungsbedürftiges Regelverständnis aufweist.

Diesmal segelt er im Abstand von zwei Bootslängen um die Luvtonne, halst dann auf Steuerbord und denkt, er hätte Vorfahrt. Steht mächtig unter Strom der Mann. Völlig egal, dass wir auf den letzten Plätzen kämpfen. Gut, dass wir an Bord für solche Fällen das entspannende Tiefen-Ommm parat haben.

Wir versuchen, uns allen Widerständen zum Trotz nach vorne zu arbeiten. Aber ein hartes Duell auf der zweiten Kreuz nimmt etwas vom Kampfgeist. Ein Drachen unterwendet uns knapp. Minutenlang segeln wir bei starkem Wind Bord an Bord. Ich hänge mit einem Fuß unter dem Reitbalken, öffne und schließe die Schot, versuche jeden Zentimeter Höhe herauszuholen…

Dann schaue ich kurz nach Lee hinter das Segel, um zu sehen, wer denn da so intensiv gegenhält. Sind die Jungs noch schwerer für diesen Wind. Reiten sie noch intensiver aus? Denkste: Der Konkurrent trägt eine weiße Schiffermütze, sitzt in Lee auf seinem Steuerbänkchen, Gesicht und Beine nach vorne gewandt, die Pinne auf der rechten Schulter und in Luv sitzt ein einziger Vorschoter. Er nagelt uns in Lee raus.

In diesem Moment denke ich kurz an die Worte von Michi, der vorne gerade einen halben Schenkel Vorsprung herausgefahren hat. „Bei uns hingen einige Muscheln und Würmer am Kiel.“ Er hatte das Boot aus dem Wasser gehievt, sauber gemacht und nun läufts.

Der Effekt mag psychologischer Natur sein. Aber als Peter Pirat mit der Schiffermütze auch vor dem Wind ohne Spinnaker schneller ist, kommen doch einige Zweifel an der Oberflächenbeschichtung unseres Unterwasserschiffes auf.

Immerhin liegen am Ende dann doch sieben Drachen hinter uns. Auch den Schreihals sacken wir noch auf der Ziellinie ein. Da schmecken After-Race-Bier und -Wurst besonders gut.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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