Brexit: Knox Johnston empört – Briten-Cruiser wenden sich gegen 90-Tage-Reiseregel

„Wir wollen Gleichheit“

Mithilfe einer neuen Kampagne will die Cruising Association (CA) die Folgen des Brexits für britische Fahrtensegler abmildern und ihnen längere Reisen in die EU ermöglichen. Die Organisation sieht die maritime Kultur bedroht.

Auch im Alter noch zuständig fürs Grobe : Sir Robin Knox-Johnston bei der Route du Rhum © miku

Die Übergangsphase ist vorbei. Seit dem 1. Januar gilt das Vereinigte Königreich als Drittland. Maximal 90 Tage innerhalb eines Zeitraums von 180 Tagen können sich britische Freizeitsegler aber relativ problemlos weiterhin im Schengenraum aufhalten und bewegen – ohne Visum. Zu kurz und außerdem nicht gerecht, findet das die britische Cruising Association, auch weil Segler aus der EU das Vereinigte Königreich in der Regel bis zu sechs Monate visumfrei besuchen können. Deshalb setzt sie sich nun für eine Änderung der Regelung ein.

Ebenso wie andere betroffene Gruppen, wie z.B. Zweitwohnungsbesitzer und Musiker, hat die CA in der Vergangenheit bereits versucht, mit Abgeordneten und Ministern über das Thema zu verhandeln – ohne Erfolg. Dass die britische Regierung mittlerweile immerhin erwäge, die aus der 90-Tage-Reise-Begrenzung für Musiker resultierenden Probleme  anzugehen, sei ermutigend, schreibt die CA auf ihrer Webseite und plädiert dort gleichzeitig dafür, dass jedwede Lösung auch längere Amateursportreisen einschließen sollte.

Sir Robin Knox-Johnston verfasst Brief an Staatssekretär 

In einem Brief an den Staatssekretär für Digitales, Kultur, Medien und Sport argumentierte Sir Robin Knox-Johnston, Schirmherr der Cruising Association, deshalb nun nochmals für eine Angleichung bzw. Verlängerung des Reisezeitraums für britische Segler. „Wir freuen uns über den Besuch von EU-Seglern, aber wir wollen Gleichheit“, lautet die klare Forderung. In der 90-Tage-Begrenzung sieht er dem Schreiben nach eine Bedrohung für die „maritime Kultur“ und die „Zukunft von Großbritanniens Fahrtenseglern“. Die etwa 30.000 britischen Segler, deren Boote in EU-Gewässern liegen, seien besonders betroffen von der „ungerechten“ Regelung.

Der legendäre Sir Robin Knox-Johnston beim Start der Route du Rhum 2014. © onEdition 2014

Auf der Kampagnen-Webseite schreibt die Cruising Association an jene Bootseigner gerichtet: „Wenn Sie am 1. Mai zu Ihrem Boot fahren, können Sie es bis zu 90 Tage lang nutzen – bis zum 30. Juli. Danach müssen Sie ALLE Länder des Schengenraums verlassen und können erst 180 Tage nach dem 1. Mai zurückkehren, d.h.: am 28. Oktober. Dies macht längere Reisen innerhalb des Schengenraums unmöglich.“

Die CA sucht vorsorglich aber nicht nur mit der eigenen Regierung und der Arbeitsgruppe von Staatssekretär Oliver Dowden das Gespräch, sondern auch mit einzelnen EU-Ländern. Von speziellen 180-Tage-Cruising-Visa für Mitglieder bis hin zu vereinfachten Antragsverfahren für Langzeit-Touristenvisa in bestimmten Ländern werden verschiedene Möglichkeiten diskutiert, die immerhin örtlich begrenzt wieder mehr Freiheiten bringen könnten.

Sir Robin Knox Johnson

Sir Robin Knox Johnson auf seinem “Grey Power”-IMOCA beim Velux 5 Oceans Race 2006. © rdr

„Jedes EU-Mitgliedsland kann seine eigenen Bestimmungen für Visa und Genehmigungen von mehr als 90 Tagen festlegen, daher arbeiten unsere ‚lokalen‘ Teams die beste Strategie für jedes Land aus“, so die CA in einer Mitteilung zur Kampagne. Zunächst konzentriere man die Bemühungen auf Regierungen, Abgeordnete und lokale Politiker in Schweden, den Niederlanden, Frankreich, Spanien, Portugal und Griechenland.

Und an die wird auch online nochmal ein Appell gerichtet: „Wir fordern unsere Zielländer auf, die Gelegenheit zu ergreifen, die britische Bootsaktivität in den Küstenregionen aufrechtzuerhalten, indem sie ein Cruising-Visum für bis zu 180 Tage anbieten, unabhängig von der 90-Tage-Beschränkung im Schengenraum.“

3 Kommentare zu „Brexit: Knox Johnston empört – Briten-Cruiser wenden sich gegen 90-Tage-Reiseregel“

  1. avatar Ätschmabätsch sagt:

    Brexit means Brexit, leave means leave. It’s as simple as that

  2. avatar helmut sagt:

    ? ist ein oder mehrere visumsanträge für eine priviligierte bevölkerungsgruppse (segler länger als 90 tage unterwegs/a) den ein so großes erschwerniss? wer seine yacht im MM liegen hat wird sich sicher den agenten für das visum auch leisten können.
    oder muss sich selbst die arbeit machen…
    ich bedauere die entscheidung der briten sehr, doch sollte auch jedem klar sein das dies seine folgen hat.
    ein reisevisum für die oben genannte gruppe sollte da eins der keineren übel sein.

  3. avatar Andreas Schiebel sagt:

    Auch Segler haben bestimmt für Johnson und sein Brexit gestimmt. Nun jammern. Mein Mitleid hält sich in Grenzen. Der Brexit und diese Bewegung ist eine nationalistische und egoistische Bewegung. Britische Seglerfreunde haben nun eine Franz. Staatsbürgerschaft. So ist das Halt nun. Hätte man vlt. früher mal drüber nachdenken können.

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