Modellregion Schlei: Warum nehmen so wenige Häfen an der Öffnung teil?

Modellregion, aber nicht für Segler

Der Tourismus an der Schlei brummt, der Inzidenzwert sinkt, aber Segler können kaum profitieren, da die Hürden für die Häfen zu hoch sind. Welche Häfen Gäste empfangen, und warum Segler aus dem Raster fallen.

Segeln ja, Übernachten nein. Jedenfalls in den meisten Häfen an der Schlei. Bild: penofoto / shutterstock

Wer in diesen Tagen oder am bevorstehenden langen Himmelfahrtswochenende Urlaub in Deutschland machen möchte, kommt an Schleswig-Holstein nicht vorbei. Denn offiziell ist Urlaub derzeit nur im Norden möglich. Das Bundesland im Norden hat früh signalisiert, dass es den Tourismus unter kontrollierten Bedingungen anlaufen lassen möchte. Unter dem Begriff einer Modellregion sollten Konzepte erarbeitet und beim Land Schleswig-Holstein eingereicht werden. Die Region Schlei-Eckernförde machte den Anfang und öffnete sich am 19. April 2021 für den Tourismus. Die ersten Erfahrungen vor Ort sind positiv. Die Befürchtung, dass die Touristen zu einem Anstieg der Coronainfektionen führen würden, hat sich nicht bestätigt.

Im Gegenteil: Seit dem 25. April ist der Inzidenzwert von 57 auf 37 gefallen. An der Schlei nehmen knapp 1.000 Ferienhäuser, 35 Hotels und 30 Campingplätze an dem Modellversuch teil. Das Feedback ist so positiv, dass eine Verlängerung über den 16. Mai hinaus beantragt werden soll. Ursprünglich sollte die Modellregion sich nur für vier Wochen öffnen.

Mit der Schlei nimmt natürlich auch ein beliebtes Segelrevier an dem Versuch teil. Während an der gesamten Ostseeküste das Segeln stark eingeschränkt ist, Eigner in Mecklenburg-Vorpommern teilweise nicht zum Schiff dürfen, können an der Schlei auch wieder andere Häfen außer dem eigenen Heimathafen besucht werden. Oder etwa doch nicht?

Denn bei einem Blick auf die teilnehmenden Häfen tritt schnell Ernüchterung ein. Vier Häfen nehmen an der Modellregion Schlei teil: Schleimünde, Lindaunis, Lindauhof und Fleckeby. Das ergibt zwar ein Netz von (fast) Schleswig bis zur Mündung, doch im Vergleich mit der Anzahl der teilnehmenden Campingplätze (30) bleibt auf dem Wasser noch reichlich Platz nach oben. Wie kann das sein?

Die Ostseefjord Schlei GmbH zeichnet sich für die Durchführung des Modellprojektes an der Schlei verantwortlich. Die Tourismus-Organisation erarbeitete das Konzept, reichte es beim Land Schleswig-Holstein und bekam schließlich den Zuschlag. Sportboothäfen waren und sind ganz klar Teil des Konzeptes. Wir fragten nach, warum die Sportboothäfen nur so zögerlich öffnen. Laut der Pressesprecherin der Ostseefjord Schlei GmbH, Andrea Simons, stellt sich der Nachweis des negativen Coronatests bei der Ankunft als größte Hürde dar: „Einige Häfen haben uns mitgeteilt, dass ein Problem der negative Coronatest bei der Ankunft sei. Direkt nach der Ankunft muss kontrolliert werden, ob dieser vorhanden ist. Und manchmal kommen Segler an, wenn der Hafenmeister nicht da ist. Auf einem Campingplatz ist die Rezeption hingegen immer besetzt.“

Bei der Verlängerung des Modellprojektes nach Himmelfahrt soll es wohl Erleichterungen geben, aber der negative Coronatest, der bei der Ankunft nicht älter als 48 Stunden sein darf, bleibt wohl als Anforderung bestehen.

Die Häfen an der Schlei sind also teilweise nicht in der Lage, die Anforderungen zu erfüllen. Findet die Kontrolle und Dokumentation nicht statt, wird der Hafen umgehend von dem Modellprojekt ausgeschlossen. Das Gesundheitsamt führt stichprobenartige Kontrollen durch.

Im Gegensatz zu Wohnmobilbesitzern, die gleich mehrere Tage auf einem Campingplatz verbringen, zieht der Segler in der Regel am nächsten Tag weiter. Das kann dazu führen, dass der negative Coronatest älter als 48 Stunden ist, wenn der nächste Hafen angelaufen wird. Noch gibt es hier keine Lösung. Laut des Konzeptes müssen sich Gäste erst am dritten Tag nach der Ankunft erneut testen lassen. Im Prinzip lässt sich sagen, dass Segler irgendwie durch das Raster fallen.

Die Pflicht für Betriebe und Gäste die Luca-App zu nutzen, dürfte hingegen kein Problem darstellen.

REGELN Modellregion Schlei

Zugang zu Übernachtungsbetrieben:

·      Jeder Gast hat zum Zeitpunkt der Anreise beim Vermieter einen negativen Antigen-Schnelltest oder PCR-Test vorzuweisen, der nicht älter als 48 Stunden sein darf.

·      Jeder Gast hat spätestens am dritten Tag einen weiteren Antigen-Schnelltest oder PCR-Test in der Region durchzuführen und dem Vermieter das Testergebnis vorzulegen. Dieser Vorgang wiederholt sich jeweils spätestens nach weiteren vier Tagen in der Region.

·      Der Vermieter hat die Testnachweise zu dokumentieren und für vier Wochen zu archivieren. Das zuständige Gesundheitsamt wird dieses Verfahren stichprobenartig kontrollieren. Bei Nichtbeachtung wird der Betrieb umgehend vom Modellprojekt ausgeschlossen.

·      Betrugsversuche sind der zuständigen Ordnungsbehörde zu melden.

 

Wie die Ankunft und Übernachtung einem Hafen in der Modellregion Schlei aussehen könnte, hat der Hafen Schleimünde veröffentlicht:

REGELN Schleimünde

·      Anlegen im Hafen und Zelten auf der Wiese nur mit vorheriger, telefonischer Absprache.

·      Jeder muss von seinem Boot aus direkt an Land kommen können und nicht über andere Boote laufen müssen.

·      Unverzügliche Anmeldung beim Hafenmeister zu den genannten Öffnungszeiten. Auch wenn nur ein kurzer Stop geplant ist.

·      Dies gilt für alle Wassersportler*innen, die mit Segelbooten, Motorbooten, Kajaks, Ruderbooten, Kanuten, SUPs etc. anreisen.

·      Hafengeld entrichten beim Hafenmeister/Schleikiosk. Nur Barzahlung möglich.

·      Unterzeichnung der Einwilligung zur Teilnahme an dem Modellprojekt und zur Verarbeitung der Daten. Diese Einwilligung muss jeder Gast unterschreiben.

·      Kopie eines Coronatests abgeben. Dieser darf nicht älter als 48 Stunden sein.

·      Die LucaApp muss zur Anmeldung verwendet werden.

·      Maskenpflicht in den Innenbereichen und wo der Mindestabstand von 1,50 m nicht eingehalten werden kann.

·      Die Duschen sind gesperrt und die Toiletten dürfen nur einzeln betreten werden.

·      Wenn möglich, Sanitäranlagen auf dem eigenen Boot nutzen.

 

Außerhalb der Schlei

An der Ostseeküste Schleswig-Holsteins herrscht hingegen noch immer das Beherbergungsverbot aus der Coronaverordnung. Eigner dürfen zwar auf dem eigenen Boot im Heimathafen übernachten und tagsüber auch segeln, dürfen allerdings keine anderen Häfen besuchen. Laut des Portals marinamap.com führt diese Einschränkung zu einem gestiegenen Interesse an Ankerplätzen. Vor der Pandemie suchten durchschnittlich 12,7 Prozent der Nutzer in der App nach Ankerplätzen. Jetzt im zweiten Jahr der Pandemie stieg der Wert auf 23,1 Prozent. „Die Segler scheinen sich angesichts der immer noch nicht genau abschätzbaren Einschränkungen durch Corona intensiv auf die Möglichkeit vorzubereiten, in diesem Jahr von Ankerplatz zu Ankerplatz zu segeln“, sagt Thomas Hillebrand, Gründer der App.

Ist Ankern erlaubt?

Es gibt jedenfalls kein ausdrückliches Verbot. Zumindest in Schleswig-Holstein ist Ankern ohne Probleme oder Einschränkungen möglich. Doch was ist, wenn im entsprechenden Kreis die Coronanotbremse greift und es eine Ausgangsbeschränkung gibt? Wir haben bei der Polizei in Berlin nachgefragt: „Ich teile Ihnen mit, dass die eigenen Boote auch als erweitertes befriedetes Eigentum bewertet werden, wenn diese bereits Schlafmöglichkeiten integriert haben. Eine Übernachtung auf Gewässern ist dann auch nicht als Freizeitaktivität zu verstehen. Anders verhält es sich jedoch mit Booten, die keine Schlafmöglichkeiten haben. Diese sind als Freizeitboote und somit als Freizeitaktivitäten auszulegen.“

Übersetzt heißt es, dass Ankern mit dem eigenen Boot auch bei einer Ausgehbeschränkung erlaubt ist. Aber auch nur, wenn man sich an Bord aufhält. Ausgeschlossen sind kleine Boote, die über keine Schlupfkajüte mit Kojen verfügen. Die Jolle mit Persenning scheidet also aus.

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