Olympia-Klassen: Regatta-Absagen für Hyéres und Mallorca – Nur noch eine 470er-Quali

Nur noch eine Chance

Am Sonntag beginnt die 470er WM im portugiesischen Vilamoura. Für die deutschen Teams ist es nun der einzige Weg zum Olympia-Ticket. Zwei von drei Qualifikationen sind abgesagt.

Böhm/Goliass (r.) bei einem ihrer beiden Frühstarts in vier Rennen. © Vilamoura Sailing Ferreira

Seit Jahrzehnten machen sich kluge Köpfe bei den nationalen Segelverbänden Gedanken, wie man die besten Segler identifiziert, die für das Land um Olympia-Ehren kämpfen. Lässt man sie durch ein Gremium bestimmen? Segelt man eine Regatta um das Ticket, oder lässt eine Serie entscheiden?

In Deutschland gab es in der Vergangenheit oft Ärger um die jeweilige Entscheidung. Nicht selten endeten die Parteien vor Gericht. Im Laufe der Zeit hat sich aber doch noch ein System eingeschliffen, mit dem Segler und Funktionäre leben können. Drei internationale Regatten werden benannt, die in eine Gesamtwertung eingehen. Die Sieger erhalten das Olympiaticket, wenn sie ein Mindestpunktzahl erreichen, mit der die Endkampf-Ansprüche des Olympischen Sportbundes dokumentiert werden. Soll heißen, es muss die Chance auf einen Spitzenplatz bestehen, wenn man für Deutschland bei Olympia antreten will.

Video vom zweiten Tag

Auf diese Weise konnten sich 2019 deutsche Segler für die verschobenen Spiele in Japan in fünf Disziplinen qualifizieren: Laser (Philipp Buhl), Laser Radial (Svenja Weger), Nacra17 (Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer), 49er (Erik Heil/Thomas Plößel), 49erFX (Tina Lutz/Susann Beucke).

Bei den RS:X Surfern trat niemand ernsthaft an und die Finn Dinghy Segler verpassten die Qualifikation. Nach Phillip Kasüske hat nun auch Max Kohlhoff seine Olympia-Karriere beendet.

Dramatisches Finale

Aber die 470er-Klasse hat ihre Ausscheidung noch nicht abgeschlossen. Bei den Frauen holten Frederike Löwe und Anna Markfort in einem dramatischen Finale zwar das Nationenticket für Deutschland. Es ist aber noch nicht klar, wer das Ticket erhält. Denn in der Serie für die interne Qualifikation sind noch keine Punkte vergeben worden.

Eigentlich hatten die ersten Rennen bei der Princess Sofia Trophy in Mallorca (26. März bis 3. April) zählen sollen gefolgt von der WM in Portugal und der Olympic-Week in Hyères (17. bis 24. April). Aber nun ist die Mallorca-Regatta wegen der Corona-Lage in den Herbst hinter den Olympia-Termin verschoben und Hyères ganz abgesagt worden.

Damit verbleibt für die deutschen 470er nur noch die WM in Portugal als Qualifikation. Besonders für die Frauen wird es deshalb spannend. Vier Teams bewerben sich um das Olympiaticket. Zwart hatten sogar Victoria Jurczok und Anika Lorenz nach verlorener 49erFX Qualifikation noch überlegt, kurzfristig in die 470er Quali einzusteigen, sie stehen aber nun nicht auf der WM-Liste der zufolge 27 Frauenteams an den Start gehen.

Neue Herausforderer weit vorne

Wer schließlich in Tokio für Deutschland starten will muss sich als bestes deutsches Team platzieren und für die DOSB-Kriterien mindestens unter die Top 12 und unter die besten 10 Nationen segeln.

Frederike Löwe und Anna Markfort beim Vorwind-Pumpen. © Vilamoura Sailing Ferreira

Bisher gelten Frederike Löwe und Anna Markfort als Favoriten, aber wie knapp es im Frauenfeld zugeht zeigt der aktuell gestartete Portugal Grand Prix auf dem WM Revier, eine Art Testregatta bevor es ab Sonntag um den Titel geht.

Da zeigt nun das neu formierte NRV-Team Louisa Wanser und Anastasiya Winkel eine starke Form. Nach der Serie 7/1/1/8/2/3 liegt die Crew im Weltklassefeld auf Platz eins. Während Wanser 2019 mit ihrer Schwester Helena den Junioren-WM-Titel feierte, landete Anastasiya Winkel an der Vorschot von Fabienne Oster im Januar 2019 mit dem zweiten Platz beim Worldcup von Miami ihren größten Erfolg. Nun scheint das Duo in der neuen Kombination ganz vorne angreifen zu können.

Aber auch Löwe/Markfort segeln als siebte nach zwei Tagen auf höchstem Niveau. Dahnke/Winkel sind 14., Böhm/Goliass kommen bei der Testserie nach zwei Frühstarts nicht in Schwung.

Ein Bayer für Samoa

Eine noch härtere Aufgabe müssen die beiden deutschen 470er-Männerteams bewältigen. Für sie geht es noch um das Nationenticket und um die persönliche Qualifikation. Für Diesch/Autenrieth und Winkel/Cipra gibt es noch einen internationalen Platz, den sie insbesondere gegen die starken Teams aus der Schweiz, Ungarn und Österreich holen müssen. 53 Teams gehen an den Start, darunter auch drei US-Boote.

Adrian Hoesch segelt 2013 an der Vorschot von Julian Autenrieth im 470er zu Bronze bei der Junioren EM. Pwllheli© Alan Dop

Wie schwer es wird zeigt die Testregatta in Vilamoura. Die Ungarn sind nach sechs Rennen gerade Zweite, Winkel/Cipra neunte und Diesch Autenrieth 16.

Bei der WM müssen sie dann auch gegen den ehemaligen Teamkameraden Adrian Hösch aus Bayern antreten, der die Sache etwas entspannter angehen kann. Er hat schon das Olympia-Ticket sicher – für Samoa.

Ergebnisse Vilamoura Grand Prix

Event-Seite 470er WM

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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