Sailrocket Video: Gegen die unsichtbare Kavitations-“Wand” gerast

"Schallmauer" erreicht?

Paul Larsen hat mit seiner Sailrocket mit einem Durchschnitt von 50.98 Knoten über 500 Meter seinen bisher den schnellsten Lauf hingelegt und ist nur 0,4 Knoten langsamer als “Hydroptère”, dem schnellsten “Segelboot”. Aber dennoch ist dem Australier im Video die Enttäuschung anzusehen.

Sailrocket hat den persönlichen 50 Knoten Rekord auf 500 Metern gebrochen und ist nur 0,4 Knoten langsamer als "Hydroptère" © Sailrocket

Sailrocket hat den persönlichen 50 Knoten Rekord auf 500 Metern gebrochen und ist nur 0,4 Knoten langsamer als “Hydroptère” © Sailrocket

Bei nahezu perfekten Bedingungen in Namibia ist er mit den Läufen im unteren 50 Knoten Bereich nicht mehr zufrieden. Er hatte gehofft, mit der neuen kleineren Tragfläche in die Nähe der 60 Knoten vorzustoßen. Aber nun ist der absolute Rekord der Kitesurfer immer noch 4,5 Knoten entfernt. Der alte Hydrofoil war nur unwesentlich langsamer.

Ist das Sailrocket-Team jetzt endgültig an der unsichtbare hydrodynamische Schallmauer, genannt Kavitation, angelangt? Das “Schiff” ist eigentlich konstruiert, um dieses Phänomen zu überwinden. Aber nun sieht es nicht gut aus. Dennoch macht sich das Team selbst Mut. Es sei erst der vierte Lauf mit der neuen Tragfläche gewesen. Vielleicht entdeckt Larsen noch die entscheidende Bremse.

Vielleicht ist es aber auch physikalisch einfach nicht möglich, die Kavitation mit Windkraft zu überwinden. Moderne Torpedos bewegen sich im Bereich der Superkaviation, aber funktioniert das auch unter Segeln? Der Bayer Wulfram Schmucker war noch im Januar auf der Messe mit seiner Bavarian Speed Sailing Association (BSSA) auf der boot in Düsseldorf angetreten, um seiner Überzeugung Ausdruck zu verleihen, dass es funktionieren kann. Es ist aber inzwischen sehr ruhig um ihn geworden.

Kavitation tritt immer dann auf, wenn der Wasserdruck unter den Dampfdruck des Wassers sinkt – was ab ca. 50 kn Geschwindigkeit der Fall ist. Dann entstehen Dampf- oder Gasblasen , die rasch kollabieren und zu Materialschäden bzw. Bruch im Foiler respektive Schwert oder Ruder führen.

Unter den Speed-Pionieren besteht die Auffassung, dass man  mit guter Technik noch etwas über diese magische Grenze der einsetzenden Kavitation hinausgehen kann, ohne dabei größeren Bruch zu fahren, so wie es die Kitesufer schaffen. Doch bei Mitte 50 Knoten fängt der Bereich der partiellen Kavitation an, ein im Prinzip chaotischer Zustand.

Erst im nächsten Schritt tritt bei der Superkavitation wieder eine gewisse Ordnung ein. Bei 70-80 Knoten entsteht ein stabiler, dampfgefüllter Bereich, der sich hinter dem Objekt ausdehnt.

 

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Carsten Kemmling

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