Segel Bundesliga: VSaW dominiert wie nie – Flensburger ganz stark nach Kritik

"Ganz klar. Der Meistertitel ist das Ziel"

Er hat es schon wieder getan. Jan Jasper Wagner segelt in der Segel-Bundesliga mit seinem Team vom Verein Seglerhaus am Wannsee so dominant wie noch keines zuvor. Nach dem ersten Auftritt Spieltag am Starnberger See, als der VSaW mit 10 Punkten Vorsprung in 16 Rennen gewann, erreichte der Berliner Skipper nun in nur 13 Rennen eine Differenz von sogar 11 Punkten zum Zweitplatzierten.

In 13 Rennen siegte der VSaW auf seinem Heimrevier zehnmal – eine unglaubliche Quote, die bisher noch nicht erreicht wurde. Dabei war Wagners Team Carl Naumann, Elias Rothe und Jens Steinborn im Vergleich zu Starnberg auf zwei Positionen verändert. Nur Rothe segelte auch in Bayern mit.

Doch die Leistung gerade von Wagner kommt nicht zufällig zustande. Der Steuermann hat 14 Jahre auf höchstem Niveau 470er gesegelt, zweieinhalb Olympia-Kampagnen absolviert und trotz der WM-Plätze 9 (2013) und 15 (2015) die Qualifikation für Rio und zuvor auch für London knapp gegen Ferdinand Gerz verpasst.

Bis zur Aarhus-WM im vergangenen Jahr versuchte er noch ein drittes Mal den Olympia-Traum wahr werden zu lassen – ausgerechnet mit Julian Autenrieth an der Vorschot, den langjähriger Gegner im 470er und nun Steuermann des Bayerischen Yacht-Clubs.

Das VSaW Team um Steuermann Jan-Jasper Wagner dominierte wie schon in Starnberg. © Wehrmann/DSBL

Aber als es so kurzfristig, sportlich nicht funktionierte, schlossen beide das Kapitel 470er, und konzentrieren sich fortan auf die Liga. Zuvor hatte es einige Zeit gedauert, bis sie mit der J/70 zurecht kamen. Doch 2018 beim vorletzten Bundesliga-Spieltag in Kiel schafften beide ihren Durchbruch als Steuermänner. Autenrieth gewann knapp vor Wagner.

Gemeinsam ganz oben

 

Diesmal standen sie erneut gemeinsam ganz oben – wenn auch in umgekehrter Reihenfolge. Der Bayerische Yacht-Club, für den Autenrieth noch das St. Petersburg Champions League Qualifier gewonnen hatte, aber dann beim Spieltag danach in Travemünde auf Platz 12 gesegelt war, konnte diesmal als einziger Verein den Berlinern Paroli bieten.

Julian Autenrieth vom BYC liefert sich ein Duell auf Augenhöhe mit seinem Berliner ex Steuermann. © Wehrmann/DSBL

Auch der BYC mit Fabian Eisenlohr, Maximilian Hibler und Oliver Oczycz startete zwischenzeitlich eine Serie von fünf Siegen in Folge. Zum Schluss ging dann aber mit 4/5/3 die Luft aus. Immerhin behaupteten sie den Platz auf dem Treppchen um einen Punkt gegenüber dem ausrichtenden Berliner Yacht-Club und zwei Punkte vor dem Wassersport-Verein Hemelingen .

Ergebnisse 1. Liga Berlin

Ergebnisse 1. Liga Berlin

Die Bremer um Skipper Jan Seekamp bleiben damit zwei Spieltage vor Schluss als Tabellenzweite engste Verfolger des VSaW im Kampf um den Meistertitel. Allerdings haben die Berliner ihren Vorsprung auf acht Punkte ausgebaut. Der Bayerische Yacht-Club liegt mit zehn Punkten Rückstand auf Rang drei.

Das ist schon ein echtes Pfund für den VSaW. Und Trimmer Jens Steinborn macht im Interview selbstbewusst deutlich: “Dieses Jahr, ganz klar, ist der Meistertitel das Ziel. Einen zweiten Platz haben wir schon, dieses Jahr ist der erste dran.”

Schwere Rückschläge

Großer Verlierer war der Norddeutsche Regatta-Verein, der sich mit Platz 12 und daraus folgenden 18 Punkten Rückstand in der Tabelle ein kleines Wunder benötigt, um den Titel noch verteidigen zu können. Das Team um Skipper Florian Haufe war im vergangenen Jahr noch ungeschlagen durch die Liga- und Champions-League-Saison gekommen und hatte auch den CL-Qualifier vor Palma gewonnen. Aber schon der erste Spieltag in Starnberg war mit Platz 7 nicht nach Wunsch verlaufen.

Tabelle 1. Liga

Auch die Württemberger haben einen schweren Rückschlag im Kampf um die Meisterschaft erlitten, nachdem sie mit dem Sieg in Travemünde wieder das Treppchen angesteuert hatten. Aber das zweite Team vom WYC um die Rieger-Brüder kam in Berlin nicht gut zurecht, segelte auf Rang 15 und das lässt den Verein vom Bodensee in der Tabelle von vier auf sieben abrutschen.

Besonders im Fokus stand an diesem vierten Liga-Spieltag Michael Ilgenstein der Steuermann vom Flensburger Segel-Club. In Travemünde war er mit seinem Team Letzter geworden und hatte damit den Regattaobmann Claus Otto Hansen zum öffentlichen Kommentar verleiten lassen: “So kann sich der FSC in der Bundesliga nicht präsentieren. Das muss Konsequenzen haben.”

Das nach Travemünde intern gescholtene FSC-Team um Steuermann Michael Ilgenstein /2.v.r.) lieferte in Berlin bärenstark ab. © Wehrmann/DSBL

Der Ärger von Ilgenstein, der seit Jahren zu den stärksten Steuermännern der Liga gehört, war auch in Berlin noch nicht verraucht. Im Interview vor Ort sagt er: “Das haben wir erschüttert wahrgenommen. So geht man mit seinen Sportlern nicht um. Das ist Fußball-Stil. Ich sehe Segeln immer noch als Gentleman-Sport an. – Der Mann hat sich auch noch nicht entschuldigt bei uns für die Worte. Wir versuchen das selber zu verarbeiten. Da wird es schon noch ein Gespräch geben…Aber der Club hat sich dann schon hinter uns gestellt. Die waren auch froh, dass wir nochmal zugesagt haben. Man könnte sich ja auch ins Schneckenhaus verkriechen.”

Die Interview-Sequenz mit Michael Ilgenstein aus der Live-Übertragung mit Alexander Ruda:

Umso größer war der Druck für den erfahrene Starboot-Steuermann, auf dem Wannsee die sportlich, passende Antwort auf die Kritik zu geben. Unter diesen Voraussetzungen ist der fünfte Rang mit der nur auf einer Position veränderten Mannschaft die vielleicht größte Leistung des Wochenendes. Der FSC hievte sich damit aus den Abstiegsrängen auf Rang 12 der Tabelle.

Bei den Willims vom SSC ist erstmals 49er Vorschoter Luke l.) an Bord. Außerdem ex Team Germany Grinder Henning Sohn 2.v.l.© Wehrmann/DSBL

Der Schlei Segel-Club checkt den Kiel nach Seegras.© Wehrmann/DSBL

Crewliste Segel Bundesliga Berlin 2019

Zweite Liga

In der zweiten Liga setzt One Kiel seinen Durchmarsch als Aufsteiger direkt in das Oberhaus fort. Magnus Simon, Bendix Hempel, Matthias Lukosch und Philipp Sudbrack gewannen souverän mit acht Punkten Vorsprung indem sie keinen Platz schlechter als drei segelten.

Die Aufsteiger von One Kiel steuern auf den Durchmarsch Richtung erste Liga zu. © Wehrmann/DSBL

Simon hatte als Steuermann schon den zweiten Spieltag mit seinem Team gewonnen und die Kieler behaupten nun schon sechs Punkte Vorsprung auf Rang zwei. Der ehemalige Laser-Segler hatte 2018 noch für den Mühlenberger Segel-Club aus Hamburg gesteuert und ihn mit starken Ergebnissen in die erste Liga geführt. Dann erfolgte aber der Wechsel zu dem jungen Kieler Club, der vom ex Beyersdorf CEO Stefan Heidenreich gegründet worden ist, um deutsche Segel-Talente in die internationale Spitze zu führen.

Ergebnisse am 3. Liga Spieltag auf dem Wannsee.

So segelte Simon auch als Taktiker von Heidenreich auf den großen J/70-Regatten und auch auf dessen Club Swan 50 zusammen mit Jochen Schümann und One Kiel Mitseglern. In der vergangenen Saison holten sie überraschend auf Anhieb den WM-Titel. Die Kieler haben den Liga-Platz vom Yacht-Club Berlin Grünau übernommen, der sich zurückgezogen hat.

Unglaubliche Serie vom Altmeister

Stark segelte auch wieder Frederik Eichhorst für den Potsdamer Yacht Club auf Platz zwei. Der junge Berliner konnte schon einige Liga-Erfolge für seinen Verein beisteuern. Der PYC verpasste aber zuletzt dann doch den Aufstieg. Eichhorst hat im 470er zuletzt von den Pinne an die Vorschot gewechselt und gehört nach dem Sieg bei der Junioren WM und Junioren-WM-Bronze zu den hoffnungsvollsten deutschen Jung-Seglern.

Dabei konnte er sich in Berlin nur knapp den Angriffen eines Urgesteins erwehren. Joachim Hellmich (54) ehemaliger Weltmeister in der Europe, und Platu sowie langjähriger Starboot-Spitzensegler ist seit vielen Jahren der Liga als Mitorganisator in verschiedensten Funktionen eng verbunden.

Liga Mitorganisator Joachim Hellmich feiert bei seiner Saison-Premiere am WYD-Steuer auf dem Treppchen. © Wehrmann/DSBL

Er setzte sich zuletzt mit Unterstützung der Heinz Nixdorf-Stiftung unter anderem für den Gedeih der Junioren-Liga ein. Die Basis ist ein Traningszentrum am heimischen Möhnesee mit mehreren J/70. Bei regelmäßigen Übungseinheiten hievte er die Clubjugend des Westfälischen Yacht-Club Delecke auf ein solch hohes Niveau, dass die Qualifikation für die 2. Liga gelang.

Mit den Plätzen 17 und 11 kam der WYD nur schleppend in Gang, und der Abstieg drohte. So wurde der Altmeister gedrängt, selber noch einmal die Pinne zu übernehmen. Das Abenteuer begann schleppend. Nach drei Rennen und der Serie 6/5/6 lag Hellmich mit seinen Youngstern auf dem letzten Platz.

Aber dann legte er den Hebel um. Es folgte ein unvergleichlicher Aufstieg mit insgesamt sechs Siege in 14 Rennen bis aufs Treppchen. In den letzten Rennen gelangen auch zwei Siege im direkten Vergleich mit den Kieler Champs. Der WYD ist damit von einem Abstiegsplatz auf Rang zehn geklettert.

Tabelle 2. Liga 2019 nach drei von fünf Spieltagen.

Frauen-Power in der zweiten Liga beim SVAÖ. Platz 14. © Wehrmann/DSBL

© Wehrmann/DSBL

Die drei Roos-Geschwister mit Mutter Kirsten segelte für die Segler-Vereinigung-Wuppertal auf Platz 13. © Wehrmann/DSBL

Live Übertragung Sonntag:

Live Übertragung Samstag:

Tracker und Ergebnisse:
1. Segel-Bundesliga auf https://bundesliga2019.sapsailing.com

2. Segel-Bundesliga auf https://bundesliga2-2019.sapsailing.com

 

Die nächste Station für die 36 Clubs der 1. und 2. Segel-Bundesliga ist der fünfte und damit vorletzte Spieltag in Kiel. Vom 13. bis 15. September gehen die Seglerinnen und Segler an der Kieler Innenförde an den Start. Das Finale startet am 17. Oktober in Glücksburg

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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